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DRESDEN/ Frauenkirche: LUDWIG GÜTTLER FEIERT SEINEN 70. GEBURTSTAG MIT MUSIK

13.06.2013 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Dresden/Frauenkirche: LUWIG GÜTTLER FEIERTE SEINEN 70. GEBURTSTAG MIT MUSIK – 9. u. 13.6.2013

 Ludwig Güttler, einer der weltweit führenden Trompeten-Virtuosen, Wiederentdecker des Corno da caccia für den modernen Konzertbetrieb und Hauptinitiator für den Wiederbau der Dresdner Frauenkirche, dessen Sohn Michael Güttler an der Wiener Staatsoper dirigiert, feierte am 13.6. seinen 70. Geburtstag und beschenkte sich selbst und die Besucher mit einer Auswahl aus seiner umfangreichen musikalischen Tätigkeit.

 Am 9.6. eröffnete er die „Sonntagsmusik“ mit schmetternden Trompetenklängen, dem „Volunary in C Dur“ von G. F. Händel – an der Orgel sein langjähriger, zuverlässig mitgestaltender Begleiter Friedrich Kircheis, der außerdem solistisch ein Choralvorspiel von J. S. Bach (BWV 740) mit gutem musikalischem Empfinden, sehr gut registriert und trotz Virtuosität innerlich sehr ausgeglichen, beisteuerte.

 In ausgesprochen gutem Zusammenspiel beider Künstler folgten 2 Choralvorspiele von G. A. Homilius und ein mit jubelnder Freude vorgetragenes Choralvorspiel von J. L. Krebs, dem Lieblingsschüler J. S. Bachs, von dem die damaligen Kunstliebhaber meinten: „Es ist in dem Bach nur ein Krebs gefangen“, und die frühe Bach-Kantate „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ (BWV 2) sowie die Sopran-Arie aus der Kantate „Hört ihr Völker Gottes Stimme“ (BWV 76). Es sangen 4 Solisten des Sächsischen Vokalensembles. Es musizierte das Solistenensemble Virtuosi Saxoniae (Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle), das u. a. mit seinem guten Streicherklang und einem sehr schönen Violinsolo des 1. Konzertmeisters Roland Straumer auf „seiner“ Stradivari, der letzten von insgesamt 12 Instrumenten, die Stradivari für die Dresdner Hofkapelle gebaut hat, beeindruckte. Die vier Gesangssolisten, die ihren Aufgaben in Rezitativen und Arien gut gerecht wurden, bildeten auch den „Chor“ und waren mit ihren unterschiedlichen Timbres um ein gutes Miteinander bemüht. Allerdings kann eine solche „Minimalbesetzung“ den gewohnten Chorklang nicht ersetzen. Möglicherweise hatte Bach aber zeitweise auch nicht viel mehr Sänger zur Verfügung.

 Seinen 70. Geburtstag (13.6.) feierte Güttler – wie könnte es anders sein – in der Dresdner Frauenkirche, deren Wiederaufbau ohne sein großes Engagement wohl kaum zustande gekommen wäre, wie auch der über 80jährige, ehemalige und sehr beliebte Ministerpräsident Sachsens und Freund Güttlers, Kurt Biedenkopf, in seiner Laudatio hervorhob. Bereits als die völlig intakte Universitätskirche in Leipzig auf Geheiß Walter Ulbrichts gesprengt wurde (ein nicht wieder gut zu machender Fehler) träumte Güttler vom Wiederaufbau der Frauenkirchenruine in Dresden, für den er sich nach der politischen Wende als „Alpha-Tier“, das alles durchsetzt (wie es Biedenkopf nannte), als Sprecher der Bürgerbewegung, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche, Kurator der Stiftung Frauenkirche und vor allem mit weit über 1000 Benefizkonzerten deutschlandweit einsetzte.

 Alle drei, auf seine Anregung hin gegründeten Kammerensembles, die bis heute in ausgezeichneter Qualität bestehen, Preise erworben und einen ausgezeichneten Ruf haben, gratulierten ihrem Initiator und Leiter.

 Das, 1976 von ihm gegründete Leipziger Bach-Collegium – er studierte in Leipzig – gestaltete das Entree und musizierte mit ihm gemeinsam die „Sonate Nr. 1 C Dur für Trompete, Oboe und Basso continuo (B.c.)“ von Gottfried Finger (1160 – um 1730), frisch und im besten Sinne musikantisch. Den 2. Satz nahm äußerst schnell und virtuos, aber dennoch mit der entsprechenden Klarheit. Trotz atemberaubender Schnelligkeit „unterschlug“ er keinen Ton.

 Güttler war auch einer der ersten, der wichtige, aber leider vergessene Werke der Barockzeit, vor allem der Blütezeit am Dresdner Hof, im Archiv aufspürte und wieder aufführte.

 Das 1978 von ihm mit führenden Bläsersolisten der Sächsischen Staatskapelle und Dresdner Philharmonie gegründete Blechbläserensemble Ludwig Güttler, das öfters in der Frauenkirche auftritt, gratulierte mit Tomaso Albinonis (1671 – 1751): „Sonate oin D Dur für 2 konzertierende hohe Trompeten, Solowaldhorn, Soloposaune, Blechbläser und Pauken“ und einer Motette für 3 Blechbläserchöre von Gottfried August Homilius (1714-1751), einem Dresdner Komponisten und Kreuzkantor, in einem Arrangement von Ludwig Güttler. feierlich Grave Stück danach jubelnder Trompetenklang die anderen Sätze dto.

Homilius Arrangement von Güttler, fein differenziert zwischen gravitätitischen und virtuosen Sätzen mit jubelndem Trompetenklang.

Mit strahlendem Trompetenklang und ganz im Einklang mit der Orgel (Friedrich Kircheis) gratulierte sein langjähriger musikalischer Partner und Solotrompeter der Sächsischen Staatskapelle, Matthias Schmutzler, ganz persönlich von der Orgelempore.

 „Sein“ drittes Ensemble, die Virtuosi Saxoniae waren in großer Besetzung erschienen und spielte von G. P. Telemann das „Concerto D Dur für Violine, 3 Corni das caccia, 2 Oboen, streiche und B.c.“ besetzt, wobei Güttler das 1. Corno da Caccia spielte und sich der fabelhafte Streicherklang mit den Bläsern in wunderbarer Weise mischte.

 Nach so viel virtuoser, erbaulicher und genussreicher Bläsermusik wurde der „Lobgesang. Eine Sinfonie-Cantate“ von F. Mendelssohn-Batholdy , bei dem sich das hervorragende Sächsische Vocalensemble und der Dresdner Motettenchor (Einstudierung Matthiaas Jung) und die Virtuosi Saxoniae zusammenfanden, zum beeindruckenden Höhepunkt und erinnerte an Güttlers Dirigententätigkeit – die Besucher der Frauenkirche verdanken ihm u. a. unvergessliche Aufführungen der Passionen und Oratorien von Bach und Händel. In der sehr konformen und geschlossenen Aufführung (dankenswerterweise ohne größere Pausen zwischen den einzelnen Abschnitten) setzte Ute Selbig mit ihrem strahlenden Sopran Akzente und Höhepunkte. Elisabeth Wilke bildete mit ihrer warmen, ausdrucksvollen Mezzosopran denh ergänzenden 2. SDopran und Uwe Stickert ergänzte die beiden hohen Frauenstimmen mit seinem sehr sicheren Tenor und seiner Erfahrung auf dem Gebiet des Oratoriums. Alle ausführenden fühlten sich sehr dem Werk und dem Jubilar verpflichtet.

 „Musik, die Berge versetzt“ (Buchtitel) – und aus einem Schuttberg wieder ein strahlendes und weltweit ausstrahlendes Bauwerk geschaffen hat, schuf auch einen wunderbaren Rahmen für eine beispielhafte Musikpflege.

 Ingrid Gerk

 

 

 

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