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DRESDEN/ Frauenkirche: L’ORFEO BAROCKORCHESTER UND DOROTHEE MIELDS MIT BAROCKMUSIK

14.12.2014 | Konzert/Liederabende

Dresden/Frauenkirche: L’ORFEO BAROCKORCHESTER UND DOROTHEE MIELDS MIT BAROCKMUSIK – 13.12.2014

 „Brücken zwischen Italien und Frankreich“ war das Motto des Konzertes mit dem L’Orfeo Barockorchester und Dorothee Mields in der Dresdner Frauenkirche. Mit ihrem sinnreich zusammengestellten Programm machten sie auf die beiden Musikzentren der Barockzeit, Frankreich und Italien mit ihrem jeweils sehr eigenständigen Musikstil, aufmerksam, wobei sich in Italien wiederum Zentren wie Venedig, Mailand und Neapel mit unterschiedlichen Musikstilen herauskristallisierten. Diese unterschiedlichen Stilrichtungen strahlten auf die Nachbarländer aus, darunter auch Deutschland, wo die Komponisten in den Fürstentümern und Städten die Vorzüge beider Musikstile aufnahmen und zu einer eigenständigen, kunstvollen Klangsprache, dem sogenannten „vermischten Geschmack“ entwickelten.

Wie eine Brücke zu den folgenden Programmteilen erklang zu Beginn von G. P. Telemann die „Sinfonie (Sonata) e-Moll für 2 Oboen, 2 Violinen, 2 Violen und Basso continuo (B.c.)“ (TWV 50:4), wobei der mit Eleganz und „schmelzender“ Klangfülle gespielte 1. Satz „Gravement“ das französische Vorbild, u. a. von J.‑B. Lully erkennen ließ. Telemann kann auf verschiedene Art gespielt werden, hier wirkte er durch den fülligen, dunklen Klang besonders eindrucksvoll und ließ den gravitätischen Charakter der französischen Opernouvertüren erkennen. Der temperamentvollere 2. Satz „Allabreve“ erinnerte dann eher an die italienische Mentalität wie etwa bei Vivaldi.

Das L’Orfeo Barockorchester, von Michi Gaigg am 1. Pult unauffällig, aber nachdrücklich als prima inter pares (Erste unter Gleichen) geführt, brachte die Klangstruktur dieser „vermischten“ Kompositionsweise, die trotz der französischen Satzbezeichnungen wie „Air“, „Tendrement“ und „Gay“ in den anderen Sätzen unverkennbar ist, sehr ausgewogen und in ihrer Beziehung zu anderen Kompositionsstilen klar zum Ausdruck.

Der „echte“ italienische (venezianische) Stil kam im „Konzert für Flauto dolce, Streicher und B.c. c‑Moll“ (RV 441), von Carin van Heerden mit sehr schönem Ton und viel Sinn für die barocke Aufführungspraxis musiziert, zum Ausdruck. Da störte auch der „Zwischenapplaus“ der „Ahnungslosen“ nach dem 1. Satz kaum.

 Die beiden „Pole“ Frankreich und Italien hatte auch Dorothee Mields gewählt, die – neben zahlreichen anderen Barockorchestern – eine enge Zusammenarbeit mit dem L’Orfeo Barockorchester verbindet. Ihr Timbre und ihre makellose Technik, die schwerelose Klarheit ihrer fast vibratolosen Sopranstimme, die trotz ihrer Schlichtheit über viel Ausdruckskraft verfügt, prädestinieren die vielseitige Sängerin für die Interpretation der Musik des 17. und 18. Jhs. Mit ihrer flexiblen, natürlich und unverbildet wirkenden Stimme und „Lust am Singen“ widmete sie sich der umfangreichen Sopranpartie „Le Retour de la Paix“ aus: „Cantates à voix seule – Premier Livre für Sopran, Streicher und B.c“ von Michel Pignolet de Montéclair (1667-1737), einem in hiesigen Breiten eher unbekannten Komponisten, der auch (Barock‑)Opern schrieb. Hierbei konnte sie eine breite Ausdruckspalette von sanft bis dramatisch einbringen und wurde vom Orchester dezent und mit schönem, auffallend einheitlichem Streicherklang begleitet.

 Bei der „Cantata pastorale per la natività di Nostro Signore“ („O di Betlemme altera povertà“) von Alessandro Scarlatti (1660-1725) ergänzten sich Singstimme und Orchesterklang auf schöne Weise und gingen fast ineinander über, was dem barocken Klangideal entsprochen haben dürfte, da in dieser Zeit das Kunstideal auch im Verschmelzen der verschiedenen Genres bestand. Die Singstimmen wurden oft instrumental geführt, und Instrumente „sangen“ „Arias“.

 Für den herzlichen Applaus bedankte sich Dorothee Mields mit 2 Weihnachtsliedern „Vom Hummel hoch, o Englein kommt“ und „Ich steh an deiner Krippen hier“, von denen sie jeweils mehrere Strophen sang. Bei der sehr zurückhaltenden, dezenten Orchesterbegleitung konnte ihre Stimme einen zarten Glanz entfalten. Zuweilen schien sie fast a capella zu singen, was die Klarheit ihrer Stimme noch einmal voll zur Geltung brachte.

 Ingrid Gerk

 

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