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DRESDEN/ Frauenkirche: CHISTIAN BEZUIDENHOUT – Hammerklavier – und des FREIBURGER BAROCKORCHESTER

Dresden/Frauenkirche: KRISTIAN BEZUIDENHOUT, HAMMERKLAVIER UND DAS FREIBURGER BAROCKORCHESTER – 29.6.2013

 Wenn Kristian Bezuidenhout, der in Südafrika geborene Weltbürger, der sein Studium als moderner Pianist in Australien begonnen und in den USA fortgesetzt hat und sich danach den historischen Tasteninstrumenten, Cembalo und Hammerklavier, und dem Continuo-Spiel und der historischen Aufführungspraxis zuwandte, mit Mozart am Hammerklavier angekündigt wird, ist ein besonderes musikalisches Erlebnis zu erwarten. Nicht nur, weil ein relativ selten zu hörendes Instrument im Fokus steht, sondern weil Bezuidenhout ein ausgesprochen feinfühliger Interpret ist, der sich ganz dem Werk und „seinem“ Instrument widmet. Er vertieft sich mit Hingabe in die Musik der Barockzeit und Klassik. Sein ausgesprochener Favorit ist W. A. Mozart. Deshalb standen auf dem Programm mit dem Freiburger Barockorchester ausschließlich Werke dieses Meisters auf dem Programm.

 Das Freiburger Barockorchester, das in dieser Saison auf eine 25jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken kann, tritt unter namhaften Dirigenten oder unter der Leitung seiner beiden Konzertmeister Gottfried von der Goltz und Petra Müllejans auf. An diesem Abend stand Anna Katharina Schreiber am 1. Pult der Violinen und führte das relativ groß besetzte Kammerorchester sehr forsch, akzentuiert und mit Vehemenz in sehr straffem Tempo an, wobei die 1. Violinen einen eigentümlichen, ungewohnten Klang aufwiesen, anders als bei den vorherigen Gastspielen an gleicher Stelle.

 Bei dem raschen Tempo konnten die Musiker mit ihrer Musizierfreude die Ouvertüre zu dem Oratorium „Betulia liberata“ – Azione sacra (KV 118), ein 1771 entstandenes Frühwerk Mozarts über die Geschichte von Judith und Holofernes und die Bekehrung des ammonitischen Fürsten Achior, nicht ganz mit den Feinheiten ausloten, mit denen es bei seinen früheren Gastspielen faszinierte.

 Bei den beiden Klavierkonzerten „G-Dur“ (KV 453) und „Es-Dur“ (KV 482) hatte es Bezuidenhout mit seinem feinen, sehr differenzierten Anschlag und seinem, ganz auf Ausdruck und Klangschönheit bedachten Spiel, das vor allem in den Solopassagen zur Geltung kam, zunächst nicht ganz leicht. Der zarte Klang des Hammerklaviers konnte sich nur bedingt gegen das, an diesem Abend schon zahlenmäßig dominierende Kammerorchester durchzusetzen, obwohl es dann mehr und mehr zurückgenommen wurde.

 Er widmete sich liebevoll dem jeweiligen Solopart, versenkte sich ganz in die Welt der Klassik und das jeweilige klavierkonzert und hatte das richtige Gespür für diese Musik und die feinen Klänge des Hammerklaviers. Bei seinem sehr feinsinnigen, flüssigen Spiel mit den „perlenden“ Läufen und seinem ausgewogenem Anschlag bringt er die Saiten über die Tasten zum Schwingen. Er scheint dann „eins“ zu sein mit „seinem“ Instrument.

 Das Publikum applaudierte nach jedem Satz – aus Begeisterung (oder Unkenntnis)? Gestört hat es doch, da die einzelnen Sätze aus ihrem Zusammenhang gerissen wurden.

 Die beiden bekannten, auf einem modernen Konzertflügel relativ oft zu hörenden, Klavierkonzerte Mozarts einmal im „Original-„Klang, einer ganz anderen Klangfarbe und ganz anderer Wirkung zu erleben, hat seinen besonderen Reiz. So oder ähnlich hat es wahrscheinlich zu Mozarts Zeiten geklungen. So hat sich Mozart beim Komponieren die Klangwirkung vorgestellt. Das Publikum war damals noch auf die leisen Töne orientiert.

 Voller Temperament und Vehemenz gab dann A. K. Schreiber auch das Tempo für die „Sinfonie g Moll“ (KV 183) an und „Impulse“ zur „Aufmunterung“ für das Orchester mit seinem schönen, warmen Klang und Gespür für die historische Aufführungspraxis, das trotz rasantem Tempo auf guten Klang bedacht war. Bei etwas mehr „Zeit zum Atmen“ hätten sich auch die dezenten, untereinander gut abgestimmten Bläser noch mehr dem liebevollen Ausmusizieren und ihrer gewohnten Klangschönheit widmen können.

 Die allgemeine Tendenz geht jetzt in Richtung „schneller, lauter, kontrastreicher, effektvoller“ und in irgendeiner Richtung „extrem“, aber widmen sich nicht gerade Musiker und Konzertbesucher der alten Aufführungspraxis wegen des ausgeglichenen feinsinnigen Musizierens? Zu Zeiten Mozarts eilte man für gewöhnlich nicht (im heutigen Sinne), schon gar nicht in der Musik.

 Der Solist gab leider keine Zugabe. Man hätte ihn mit seinem feinsinnigen, beseelten Spiel und dem „singenden“ Anschlag so gern noch einmal solo am Hammerklavier erlebt. Nur das Orchester entschloss sich zu einer Zugabe. Es bot noch eine Seltenheit: die Nr. 5 aus Mozarts Schauspielmusik „Thamos“, König in Ägypten“, auch einem Jugendwerk Mozarts (1773). A. K. Schreiber „mischte“ auch hier das berühmte Kammerorchester mit seiner sehr ansprechenden historischen Aufführungspraxis in Richtung „Modernität „auf.

 Ingrid Gerk

 

 

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