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DRESDEN/ Frauenkirche: CAPPELLA GABETTA MIT „OHRWÜRMERN“

19.12.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden/Frauenkirche: CAPPELLA GABETTA MIT „OHRWÜRMERN“ – 18.12.2015

Mit dem Namen Gabetta verbindet sich unwillkürlich der Begriff von Qualität, was vor allem durch Sol Gabetta, die Cellistin mit dem großen Können und der unverwechselbaren Persönlichkeit verbunden ist. Sie und ihr Bruder Andrés erfüllten sich einen ihrer musikalischen Träume, als sie 2010 die Capella Gabetta gründeten, um Musik aus Barock und Frühklassik aufzuführen, ein Kammerorchester, dem ebenfalls ein guter Ruf vorauseilte, der jedoch mit diesem Konzert nicht unbedingt bestätig werden konnte und was nicht nur an dem lädierten Finger des 1. Konzertmeisters, Andrés Gabetta, gelegen haben mag.

So kurz vor Weihnachten hatte man das Programm aus einigen der bekanntesten „Ohrwürmer“ des italienischen Barock mit weihnachtlichem „Flair“ zusammengestellt, kombiniert mit 3 „Brandenburgischen Konzerten“ von J. S. Bach, alles publikumswirksame, sehr bekannte und beliebte Werke. Als einzige, kaum bekannte Komposition war die 6sätzige „Sonata G-Dur op. 1, Nr. 12 „Pastorale“ des Neapolitaners Angelo Ragazzi (1680-1750), der sich später in Wien niederließ, vorgesehen. Man hätte diese Sonate gern kennengelernt, aber gerade die entfiel.

Eigentlich hätte das Konzert sehr schön werden können, aber bei dem „flotten“ Tempo und der sehr „lockeren“ Musizierweise, „rauschten“ die Konzerte vorüber, ohne besonderen Eindruck zu hinterlassen, wenn auch mit Ansätzen von italienischem Temperament, leicht akzentuiert und mit etwas ursprünglicher Musizierfreude ausgeführt, nicht akademisch, nicht durchgestylt, aber auch nicht immer ganz konform.

Das besonders innige „Weihnachtskonzert“ („Concerto grosso g-Moll “ op. 6 , Nr. 8) von Arcangelo Corelli stand gleich am Beginn des Konzertes und konnte schon deshalb, vor allem aber wegen des Tempos, nicht die gewünschte Wirkung erzielen, so dass vom weihnachtlichen Duktus nicht viel übrigblieb. Ähnlich gingen auch die beiden Concerti von Antonio Vivaldi, das „Concerto per flauto B-Dur“ (RV 375) und das „Concerto per flautino G-Dur (RV 443) sowie die beiden „Brandenburgischen Konzerte Nr. 3 und Nr. 5“ vorüber.

Es fehlte zwar kein Ton, Phrasierung usw. stimmten auch, aber bei der in diesem Tempo flüchtig erscheinenden, „kühlen“ Wiedergabe konnten die einzelnen Konzerte, deren Wirkung doch so sicher scheint, nicht „zünden“, weder mit Klangschönheit bezaubern noch vorweihnachtliche Stimmung aufkommen lassen. Daran konnten auch die 3 Solo-Flötisten (Maurice Steger, Blockflöte, Céline Pasche, Blockflöte und Stéphane Réty) mit ihren, vor allem auf (kühle) Virtuosität angelegten, Solopartien nicht viel ändern und über den Eindruck einer gewissen Routine hinwegtäuschen, ebenso wenig wie die veräußerlichten, publikumswirksamen Gesten und „Worte an das Publikum“.

Es wurde einiger Wert auf „Show“ gelegt, aber es fehlte an Souveränität, Geschmeidigkeit und Innigkeit, was bei denselben oder vergleichbaren Kompositionen gerade an dieser Stelle schon oft zu erleben war. Man vermisste ein ernsthafteres Verhältnis der Ausführenden zu dieser Musik. Trotzdem gab es öfters voreiligen Applaus schon nach 1 oder 2 Sätzen.

Das einzige Stück, dessen Wiedergabe an diesem Abend schon eher Festlichkeit vermitteln konnte, war das „Brandenburgische Konzert Nr. 4“, das den Abend beschloss. So hätte man sich auch die anderen Konzerte vorstellen können. (Nur) Ende gut – alles gut?

Ingrid Gerk

 

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