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DREDD

12.11.2012 | FILM/TV

Ab 16. November 2012 in den österreichischen Kinos
DREDD
USA  / 2012
Regie: Pete Travis
Mit: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey u.a. 

Wieder einmal wird eine Zukunft beschworen, in der man wirklich nicht leben wollte. Mega City One ist eine Millionenhölle, die sich die ganze amerikanische Ostküste entlang zieht und in der das Verbrechen fröhliche Urständ’ feiert. Es gibt nur ein paar, die Recht und Ordnung aufrecht erhalten: Die „Judges“, als Richter und Vollstrecker (das geht dann ruck zuck) auf den Straßen unterwegs.

Die Figur des Judge Dredd, einst als Comic-Held erfunden, ist 1995 auch schon in Gestalt von Sylvester Stallone über die Leinwand geschritten. Diesmal ist Karl Urban in dieser Rolle unterwegs, und er hat sich auf etwas schier Unglaubliches eingelassen: Man sieht nämlich den ganzen Film hindurch nicht ein einziges Mal sein Gesicht. Der Helm, den er trägt, reicht bis über die Nase, und seine ganzen schauspielerischen Möglichkeiten bestehen darin, den Mund zu verziehen und martialisch zu schreiten…

Zentrum der Handlung ist Dredds Kampf gegen eine Verbrecherkönigin, Ma-Ma genannt, die einen 200-Stock hohen Riesenwolkenkratzer gänzlich in ihren Besitz genommen hat. (In diesem Hetzen durch die Stockwerke erinnert der Film an den indonesischen Gangsterfilm „The Raid“.) Lena Headey wirkt in dieser Rolle trotz eines „Narbengesichts“ so attraktiv und interessant, dass man nur bedauern kann, dass die Rolle weit kleiner ausgefallen ist, als sie es müsste.

Aber die Geschichte wäre weitgehend ohne Reiz, gäbe es da nicht ein blondes Girl namens Anderson, die an Dredds Seite kämpft. Sie ist keine Pin-Up-Schönheit, sondern Nachwuchs mit einem besonderen Talent: Sie ist „psychic“, wie es heißt, also eine Art Medium, die in ihr Gegenüber offenbar hineinblicken kann als wäre es Glas… Praktischerweise muss die junge Dame keinen Helm tragen, das würde ihre Fähigkeiten beeinträchtigen! So kommt die junge Olivia Thirlby zu einer eindrucksvollen Leistung, und man könnte sich vorstellen, dass sie in ein paar Jahren unter den führenden Darstellerinnen Hollywoods rangieren wird (oder auch nicht, so wie dort dauernd neue Gesichter heraus gestoßen und wieder fallen gelassen werden).

Als Handlung mittelmäßig interessant, beeindruckt der Film von Regisseur Pete Travis vielfach durch die Kameraführung – so wie man über „Mega City“ schweift, kriegt man das Sci-Fi-Gefühl volle Pulle mit, zumal 3 D hier einmal wirklich Sinn macht. Im übrigen ist der Film so schnell, so laut und auch so brutal, dass er sein Zielgruppenpublikum punktgenau treffen wird.

Renate Wagner

 

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