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DORTMUND/ Konzerthaus: DIE ZAUBERFLÖTE – Compagnie Opéra du jour

25.02.2013 | KRITIKEN, Oper

Konzerthaus Dortmund:  Die Zauberflöte . Compagnie Opéra du jour (Oper für heute) am 24. Februar 2013


Copyright Philipp Külker Photography Berlin.

Die Mozart Gesellschaft Dortmund veranstaltet im Konzerthaus Dortmund sogenannte Mozart-Matinéen, in denen zusammen mit von ihr engagierten Orchestern gemäß dem Förderungszweck der Gesellschaft junge Solisten die Möglichkeit erhalten, ihr Talent zu zeigen, dies nicht nur mit Musik Mozarts. Neuerdings läßt sie aber einmal jährlich auch eine Oper szenisch aufführen, wenn auch nur mit Klavierbegleitung. Dafür gewonnen wurde eine französische Operngruppe mit dem Namen „Opéra du Jour“ also etwa „Oper für heutzutage“. Nach eigenen Angaben verfolgt sie das Ziel, Opern des Repertoires textlich aktualisiert für ein heutiges Publikum bzw. „Oper für alle und alle Generationen“ aufzuführen, was wohl irgendwie auch alle Opernhäuser versuchen.

So wurde im Konzerthaus Dortmund Mozarts „Die Zauberflöte“ aufgeführt

Die Inszenierung von Isabelle du Boucher als künstlerischer Leiterin und Annie Paradis als Regisseurin spielte ohne Kulissen vor einem dunkelblauen Vorhang. Beleuchtung sowie Projektionen auf diesen Vorhang sorgten ausreichend für den passenden Rahmen der Handlung, wobei sich etwa für den Auftritt der Geharnischten (Darsteller von Monostatos und Sarastro) oder zur Feuer- und Wasserprobe ein schmaler Spalt öffnete, durch den Pamina und Tamino herein- und herausschreiten konnten. Für alles weitere genügte die ansteckende Spielfreude aller Mitwirkenden.

Freude bereiteten auch die phantasievollen und bunten Kostüme und die zur Handlung passenden Accessoires (Béatrice Blanc-Frantz) wie etwa ein kurzes Baumstück mit Strick, an dem Papageno sich hätte „den Hals zuschnüren“ können, oder eine Kinder darstellende Girlande im Duett mit Papagena.

Ganz meisterhaft begleitete Magali Albertini am Flügel die Sänger unterstützt vom Schlagzeuger Jean-Yves Trosset, der für das Glockenspiel, Geräusche wie Donner oder Schlagen des Gongs sorgte. Natürlich kann ein Klavier niemals Mozarts geniale Orchesterinstrumentation insbesondere der Holzbläser und Hörner ersetzen.

Die gekürzten Dialoge wurden auf französisch (mit deutschen Übertiteln) gesprochen, was insbesondere für französisch verstehende Besucher der Oper eine gewisse Leichtigkeit verlieh im Gegensatz etwa zum häufig übertrieben-philosophisch gesprochenen Tiefsinn mancher Textstellen von Schikaneder. Das Fehlen des Herrenchors ersparte zusätzlich die pseudo-religiösen Gesänge der leicht degenerierten Altherren-Priesterschaft. Die „deutsche Oper“ wurde so zu einem Märchen mit durch geniale Musik Charakter und Befindlichkeit der Beteiligten darstellenden Arien .


Copyright Philipp Külker Photography Berlin.

Gesungen wurde auf deutsch (ohne Übertitel) erstaunlich textverständlich. Das gilt besonders für die Pamina der Roxane Chalard, die über den grossen Tonumfang von fast zwei Oktaven hin ihre Partie mit schönem Legato und rührendem piano in ihrer grossen Arie bewältigte. Dasselbe läßt sich von Philippe Brocard als Papageno sagen, der sowohl die populären Strophenlieder als auch die fast tragische Szene des angekündigten Selbstmords aus Liebeskummer und Lebensüberdruß dieser so menschlichen Opernpartie gekonnt sang und darstellte. Cyril Verhulst sang Tamino legato mit etwas eindimensionalem rauh klingendem aber hellem Tenor. Baptiste Jore als Sarastro traf ohne übertrieben salbungsvolle Oberpriesterstimme nicht nur die sehr tiefen Töne der Partie sondern spielte zusätzlich Flöte zur Feuer- und Wasserprobe. Hochdramatisch gestaltete Julia Knecht die Königin der Nacht mit schöner Mittellage aber forcierten Spitzentönen. Ganz schwer für einen Franzosen hatte es Brice Poulot als Monostatos mit der schnellen Ariette „Alle fühlte der Liebe Freuden“ mit so vielen Konsonanten zu so vielen Tönen. Laetitia Ayres als Papagena und die drei Damen, die nach Kostümwechsel mit veränderter Stimme auch die drei Knaben darstellten, ergänzten wirkungsvoll das Ensemble. Der Schlußchor wurde dann von allen Mitwirkenden gesungen, was bei der guten Akustik des Konzerthauses durchaus reichte. Zusätzlich traten als Gehilfen bei der szenischen Umsetzung eine nicht diebische sondern Accessoires wie Flöte oder Glockenspiel überreichende Elster (Morgan Buissière) und der böse Höllenhund Kerberus (dargestellt vom Schlagzeuger)auf.

Trotz Premiere von „Figaros Hochzeit“ am Vortag im Opernhaus war das Konzerthaus voll besetzt. Im Publikum befanden sich viele sehr junge Opernbesucher(innen), von denen manche zwar in der Pause um die Säulen des Konzerthauses herum Kriegen spielten, aber sonst offenbar gespannt das Bühnengeschehen verfolgten und mit allen anderen Besuchern zusammen so viel Beifall klatschten, daß der Schlußchor wiederholt werden mußte.

Wie früher üblich war die „Zauberflöte“ meine erste Opernerfahrung, mit einer Aufführung wie dieser hätte sie mich als Jungen einmal abgesehen von der Figur des Papageno sicher mehr überzeugt.

Sigi Brockmann

 

 

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