Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DON JON

12.11.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Don Jon

Ab 15. November 2013 in den österreichischen Kinos
DON JON
Don Jon’s Addiction  /  USA  /   2013
Drehbuch und Regie: Joseph Gordon-Levitt
Mit: Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore u.a.

Joseph Gordon-Levitt ist ein Schauspieler, der sich beharrlich in den Vordergrund gespielt hat – kleine Rollen an der Seite von großen Darstellern, mit nachdrücklichen Leistungen immer stärker wahrgenommen, am Ende („Premium Rush“, „Looper“) schon Hauptrollen. Für einen ehrgeizigen 32jährigen ist es da nur der logische nächste Schritt, seinen eigenen Film zu drehen – komplett, als Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller.

Und er hat es angesichts seines durchaus provokanten Themas geschafft, bei allem Kopfschütteln doch auch große Beachtung mit seiner „Don Juan“-Paraphrase zu erringen. Weil sie tatsächlich einen zeitgemäßen Entwurf der Figur bietet.

Dieser Don Juan lebt nämlich in unserer immer virtueller werdenden Welt. Die Lust vieler Männer an Pornographie, die den Weg von den „schmutzigen“ Zeitschriften längst auf den Videomarkt und nun ins Internet genommen hat, ist bekannt. Wie viele scheinbar ehrbare Herren der Schöpfung heimlich Pornos schauen, will man gar nicht wissen (und geht die Umwelt auch nichts an). Der „Don Jon“ von Gordon-Levitt, bürgerlicher Name Joe Martello und an sich ein „braver“ italienischer Junge, der jeden Sonntag mit den Eltern zur Messe geht und dann auch beichtet und beim Fitness-Training die Buße runterbetet, ist allerdings ein Süchtiger. Er kann nicht ohne seine Pornos sein. Das allein gäbe als Thema allerdings noch keinen Film.

Das Spezielle an diesem Don Jon ist, dass ihm die Pornos viel lieber sind als die „echte Sache“, obwohl man als harter Junge natürlich den Frauenheld spielen und dann als Konsequenz mit den Mädels auch ins Bett gehen muss. Aber am Bildschirm sind die Hinterteile knackiger, die Busen fester, und zum Orgasmus zu kommen, ist weit weniger anstrengend als sich der Missionarsstellung abzukeuchen… Welche eine Erkenntnis. Am Ende treibt’s eines Tages gar kein Mann mehr gern.

Don Jon xx

Joseph Gordon-Levitt lässt den Zyniker, den er als Ich-Erzähler aus dem Off genügend ironisch und dabei genügend echt spielt, um auf seine Art erschreckend zu sein, durch zwei Frauenabenteuer gehen. Wenn zuerst Scarlett Johansson auftaucht, mit ihrer Blondheit, ihren ausgestellten Kurven, dem sinnlichen Lächeln, dann blinken alle Lichter auf „Traumfrau“. Sie tut, was eine solche macht: Sie spielt „hard to get“, was immer die Methode ist, um die Gefühle des Gegenüber anzuheizen. Als sie Don Jon dann ranlässt, hat er Mühe sich einzureden, wie wunderbar es ist. Dann aber setzt sie zu ihren Dressurakt an: Er soll Kurse machen, um eine gute Stellung zu bekommen; er soll beim Einkaufen apportieren; er soll dieses tun und anderes lassen. Vor allem das Porno-Gucken, das sie so empört (und ohne das er nicht sein kann, weil: Schöner als die Wirklichkeit…). Kurz, die Dame hat ihre eigenen Vorstellungen von dem Mann, der bei ihr ran darf. Don Jon wundert sich eine zeitlang, und dann hat er genug. Und ist überglücklich, wieder allein zu sein… Seine Familie (die Sonntagessen mit Papa am Fernseher, Mama mit Oma-Wünschen und Schwester am Handy stellen einen amüsanten Fixpunkt des Geschehens dar) ist anstrengend genug.

Wäre der Film hier zu Ende, man hätte vielleicht ein Stückchen Realität eingefangen. Aber die Kinodramaturgie funktioniert im allgemeinen nicht so. Don Giovanni fährt zur Hölle (und das reuelos), Don Jon hingegen muss unbedingt  die wahren Gefühle kennen lernen. Immerhin geschieht es ironisch genug, nämlich nicht mit einem seelenvollen, reinen  jungen  Mädchen. Bei den Kursen, die ihn gar nicht interessieren. In Gestalt einer Frau, die vermutlich zwei Jahrzehnte älter ist als er. Julianne Moore macht sich nicht schöner, als sie mit ihren 50 plus ist, aber sie strahlt einiges aus: Verständnis zum Beispiel. Man kann mit ihr reden. Auch über Pornos. Sie ist auch zu Sex bereit, aber er ist ihr nicht so wichtig (mein Gott, sie war mal ein Hippie, der macht man nichts vor.). Jon lernt bei ihr eine Beziehung ohne Forderungen kennen. Ja, und dann klappt’s auch bei ihm… auf einmal versteht er, wie es ist, etwas wirklich für einen anderen Menschen zu fühlen.

Man mag die Geschichte nach diesem scheinbaren Happyend nicht wirklich weiterdenken. Die Pornos – man sieht im Film zumindest andeutungsweise genügend davon, um zu wissen, was der knieweiche Don Juan von heute so als Befriedigung nimmt – sind ja in der Welt. Das Surrogat-Leben jedenfalls, das Joseph Gordon-Levitt in diesem seinem gar nicht sonderlich sympathischen Film anreißt, ist jedenfalls ein Thema, wie es heutiger nicht sein könnte.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken