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DMITRI SHOSTAKOVICH: CELLOKONZERTE Nr. 1 und 2 – Alisa Weilerstein

05.09.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0028948308354 DMITRI SHOSTAKOVICH: CELLOKONZERTE Nr. 1 und 2 – Alisa Weilerstein DECCA CDVÖ: 23.9.

Der Widmungsträger dieser Konzerte und wohl auch deren größter Interpret, Mstislav Rostropovich, hat die Cellistin Weilerstein diese Musik spielen gehört und ihren Ausdruck mitgeformt. Gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Pablo Heras-Casado ist eine CD entstanden, bei der man alle Hörgewohnheit lohnend vergisst.

Alisa Weilersteins Errungenschaft ist es, ihr Instrument zum Sprechen, Flüstern, Summen, Plaudern, Witzeerzählen und auch zu forschem Protest zu bringen. Die spezifisch vokale Artikulation in einem kleiner dimensionierten Klang wie bei ihrem russischen Mentor erlaubt es, dem Cello Nuancen abzugewinnen, die mir bei diesen beiden enigmatischen Konzerten völlig neue Dimensionen erschlossen haben. Das markante „Viernotenmotiv „des ersten Konzertes könnte ja monoton maschinenartig gespielt werden. Nicht so Weilerstein, die mit ihrem Instrument den Ausdruckskosmos des Komponisten auf ihre Weise deutet, wobei das Doppeldeutige, die skurrile Lust am Grotesken und Groben durch die klare Feder erste recht zu einem sängerischen Ausdruck des Absoluten abseits psychologischer Deutungen (der Lebensumstände des Komponisten) findet. Da ist weniger von großem ironisch pathetischem Spiel zu spüren, vielmehr haben die kleineren Noten das Sagen. Eine unglaubliche Präzision bildet den objektiven Rahmen, innerhalb dessen Shostakovich schwarzer musikalischer Humor blühen kann. Seine uns gerade heute so ansprechende Art kommt voll zur Geltung, der Welt vielfältige Klänge zuzuordnen, deren Stimmungen, Brechungen und wütende Zerrbilder uns wie kaum eine andere Musik das Reale und deren Schatten, den Wunsch und ihre Phantasmagorien spüren lassen.

Pablo Heras-Casado begleitet mit dem in jeder Hinsicht fabulösen Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks schlank und transparent, phrasiert mit der Solistin in einem Atem. Es ist eine im besten Sinn des Wortes entschlackte Wiedergabe geworden, die diese beiden so wichtigen Tonschöpfungen des 20. Jahrhunderts neu strahlen lässt. Ein klein wenig Nostalgie und romantische Hintersinne bilden das schöne i-Tüpfelchen der Aufnahme. In Abwandlung des Gassenhauers aus Odessa, der die Basis des Hauptthemas des Scherzos im zweiten Cellokonzert bildet, könnte man sagen: „Ja, wir kaufen die Brezeln“.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

 

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