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DIE WERKSTÜRMER

22.07.2013 | FILM/TV

Ab 25. Juli 2013 in den österreichischen Kinos
DIE WERKSTÜRMER
Österreich  /  2013 
Regie und Drehbuch: Andreas Schmied
Mit: Michael Ostrowski, Hilde Dalik, Oliver Rosskopf, Holger Schober u.a.

Da wundert man sich aber. So wenig Schmäh? Eine so brave, fade, bis ins Detail vorhersehbare Geschichte mit knüppeldicker Moral? Da ist man vom österreichischen Film ein bisschen mehr gewöhnt, als Andreas Schmied (allerdings Neuling in allen Gassen) da mit seinen „Werkstürmern“ bietet. Es ist dem Regisseur sogar gelungen, einen sonst stets übersprudelnden Darsteller wie Michael Ostrowski bis zur Farblosigkeit zu dämpfen. Seltsam. So durfte Schmieds einzige Leistung darin bestehen, dass er Subventionsgeber und Produzenten von seiner Story überzeugen konnte…

Also – ein kleines Lehrstück darüber, wie kleine Leute sich gegen den Brutalo-Kapitalismus wehren können (was im Kino, selbst mit einem so knieweichen Drehbuch, aber zweifellos leichter geht als im wirklichen Leben). Man ist in der steirischen Provinz, der fragliche Ort heißt Falkendorf, und dort gibt es ein Walzwerk, in dem offenbar das ganze Dorf arbeitet. Einst in Familienbesitz, hat der allseits verachtete (schwächliche, dickliche, verächtliche – wie auch anders) Junior-Chef das Werk einem großen Konzern verscherbelt. Als Geschäftsführer hat er mit einem dortigen Studienkollegen in der Chefetage verabredet, möglichst keine Gewinne auszuweisen – und jene, die anfallen (offenbar sogar reichlich), still und heimlich zwischen sich und ihm zu teilen. Jegliche Forderungen der Gewerkschaft, die im Namen der Belegschaft vorgebracht werden, sind gnadenlos abzuschmettern… Ja, das klingt irgendwie ganz glaubhaft. Aber was für eine dünne Geschichte sickert daraus.

Wird irgendein Klischee ausgelassen? Da ist Patrick Angerer, kasperlartige Zentralfigur, gelegentlich sieht man ihn am Hochofen, meist am Fußballplatz, Michael Ostrowski als trauriger Clown, der die ganze Zeit mit betröpfelter Miene seiner Ex hinterherrennt. Die ist von Wien zurückgekommen, an der Seite ihres „Neuen“, und beide sind sie als Gewerkschaftler angeblich für die Belegschaft unterwegs. Hilde Dalik ist die blonde Babs. Sie war doch einst eine der aufregendsten jungen Schauspielerinnen Wiens, hier wirkt sie schon etwas saturiert, aber die Rolle – ewiges Hin und Her zwischen dem Alten und dem Neuen – fordert ihr so gut wie nichts ab. Natürlich ist der neue Mann an ihrer Seite in Gestalt von Oliver Rosskopf so unsympathisch, wie er nur sein kann, als ob das Kinopublikum je Zweifel haben könnte, wen sie sich am Ende aussucht. Übrigens – dass die Braut im Hochzeitskleid davonläuft, weil sie es sich noch rechtzeitig überlegt, war auch schon da…

Wird irgendein Klischee ausgelassen? Der betrügerische Chef ist ein zitterndes Bündel der Unsicherheit (Holger Schober macht aus ausgezeichnet, Susi Stach als seine kopfschüttelnde, besorgte Sekretärin ebenso), und Manuel Rubey als der zynische Yuppie-Chef könnte nicht banaler gezeichnet sein: Seine ihn zitternd anschmachtende Sekretärin (Julia Jelinek) ist hingegen eine Peinlichkeit ohnegleichen. Aber andererseits – wer ist das nicht in diesem Film?

Da sind noch die Dorfbewohner, deren Leben von der Fabrik abhängt, was allerdings nur nebenbei behandelt wird – Carola Pojer (hat die nicht eben ganz glänzend Schnitzler gespielt?) muss hochschwanger ausreizen, wie manche Frauen diesen Zustand benützen, ihre Mitwelt (nicht nur den hilflosen Gatten: Daniel Keberle) grenzenlos zu tyrannisieren. Peter Strauß als Vorarbeiter kurz vor der Pensionierung, der aus Angst um seine finanzielle Zukunft fast zum Verräter wird, wäre eine interessante Figur, wenn irgendwas an der Geschichte interessant wäre. Karin Kienzer spielt seine ehrenwerte Gattin, und überhaupt sind es erst die Frauen, die wacker kämpfen und sich an das Fabrikstor anketten, um zu verhindern, dass Reservearbeiter aus dem Burgenland ihre Jobs übernehmen…

Am Ende Happyend rundum, die Belegschaft übernimmt die Fabrik, der knieweich-jammernde Patrick kriegt seine Babs, was will man mehr? Ein viel besserer Film wäre schön gewesen…

Renate Wagner

 

 

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