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DIE TRIBUTE VON PANEM – TÖDLICHE SPIELE

21.03.2012 | FILM/TV

 

Ab 23. März 2012 in den österreichischen Kinos
DIE TRIBUTE VON PANEM – TÖDLICHE SPIELE
The Hunger Games  /   2012
Regie: Gary Ross
Mit: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Stanley Tucci, Donald Sutherland u.a.

Den „Herrn der Ringe“ hat man im Kino mit seinen drei Teilen relativ schnell durchgezogen. „Harry Potter“ dauerte Jahre, bis er auf der Leinwand in gezählten acht Filmen zu seinem Ende kam. Die Vampire der „Twilight Saga“ harren noch ihres letzten Kinoteils, aber dann werden die Akten wohl geschlossen. Aber schon hat die Buch- und Filmbranche das nächste mehrteilige Spektakel zu bieten, das sich an Jugendliche wendet: Die Trilogie „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins ist zwischen Buchdeckeln fertig, nun erscheint der erste Teil im Kino, die beiden anderen werden folgen wie das  Amen im Gebet.

Interessant auch hier, wie absolut düster diese Jugend-Fantasy ist. Sie spricht eine Generation an, die offenbar mit harten Videospielen aufwächst und es für selbstverständlich erachtet, in die Arena zu gehen und dort zu kämpfen – bis zum letalen Ende. Darum und nicht viel mehr geht es nämlich.

Die Welt, in die man sich versetzt fühlt, ist einer jener totalitären Zukunftsstaaten, wo eine Handvoll Mächtiger die Massen unterdrückt – wobei, um es vorwegzunehmen, der Film von Gary Ross relativ wenig Aufregendes zum Schauen bringt. Da treten jeweils zwei arme Teenager aus 12 unterdrückten, in aller Schäbigkeit ausgemaltenBezirken des Reichs „Panem“ zu den so genannten „Hungerspielen“ an, die ein weltweites TV-Spektakel (unter Dauerbeobachtung und Dauermanipulation) darstellen. Wenn die jungen Leute losgeschickt werden, um gegeneinander anzutreten, bis nur noch einer übrig ist, dann gibt es als Inbegriff der Glitzerwelt, die sich am Todesspiel ergötzt, ein bisschen galaktisches Las Vegas, aber wenig mehr. Erwachsene, die sich hierher ins Kino verirren ohne die Möglichkeit, sich mit den jugendlichen Helden zu identifizieren (und man wird sich ja nicht gerade in den cool-gemeinen Superherrscher Donald Sutherland hineindenken), können sich nur über die Glanzlosigkeit des Unternehmens wundern: Da gab es im Kino schon viel Spektakuläreres zu sehen – hat man an den Designern gespart oder an den Computer-Spezialisten?

Tatsächlich wird nichts anderes als das übliche „Survival“-Movie geboten, und auch die ausgewählten Helden sind eher trockene Typen. Hauptfigur Katniss Everdeen opfert sich, um ihre ausgewählte kleine Schwester zu ersetzen, und ihr Partner Peeta, der selbstverständlich in sie verliebt ist, weiß, dass – selbst wenn sie beide alle anderen Paare besiegen sollten – er Katniss töten müsste, um selbst zu überleben. Der Kampf der 24 jungen Leute, die durch Wälder und alle Schwierigkeiten gejagt werden, bietet zwar einige Brutalitäten, aber äußerst wenig Spannung.

Was die Besetzung betrifft, so ist Jennifer Lawrence zweifellos nur gewählt worden, weil sie in „Winter’s Bone“ (das war aber wirklich ein bemerkenswerter Film) schon einmal genau so eine Rolle gespielt hat: ein junges Mädchen in aussichtsloser Situation, das sich durchkämpft. Sie tut es hier wieder mit Entschlossenheitsmiene, aber „Die Tribute von Panem“ sind im Gegensatz zu der realistischen Düsternis von „Winter’s Bone“ ein Film, der etwas von Sci-Fi-Glanz vermitteln sollte. Dafür sie ist nicht der Typ. Und auch der blonde Josh Hutcherson als Peeta hat wenig an Ausstrahlung zu bieten. Kein sonderlich attraktives Paar also.

Da haben es die „Oldies“ leicht, ihre Persönlichkeiten ins Geschehen zu werfen – der erwähnte Donald Sutherland mit der absoluten Unbeweglichkeit des Politikers, der tut, was er glaubt tun zu müssen; Stanley Tucci als schriller Fernsehmoderator, der das Leben und Sterben der jungen Leute locker und „entertaining“ kommentiert, als analysierte er eine Sportveranstaltung; oder Woody Harrelson, der wieder eine seiner aufdringlichen Shows abzieht. Um die Problematik des nächsten Films zu garantieren, darf nicht nur das junge Paar mit Mühe überleben, sondern muss auch noch ein gut aussehender Rivale (Liam Hemsworth) warten.

Aber, um es offen zu sagen: So sehr haben die Protagonisten nicht interessiert, dass man der Fortsetzung ihrer Schicksale entgegenfieberte – oder sie auch nur mit einigem Interesse in Betracht gezogen hat, wie bei all der anderen Jugendfilm-Fantasy davor. Da die „Hunger Games“ in den USA und Europa gleichzeitig starten, kann man nicht einmal sagen, ob das eher spartanische Konzept dieses Films aufgegangen ist und ob der Buch-Bestseller automatisch die Massen in die Kinos holt.

Renate Wagner

 

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