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DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY TEIL 1

18.11.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Tribute von Panem Mockingjay x

Ab 20. November 2014 in den österreichischen Kinos
DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY  TEIL 1
USA  /  2014 
Regie: Francis Lawrence
Mit: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Julianne Moore, Philip Seymour Hoffman, Donald Sutherland u.a.

Sich angesichts der „Tribute von Panem“ den Kopf über die seltsamen Wege der Jugend-Literatur zu zerbrechen, ist gelaufen – wie Joanne K. Rowling mit ihrem Harry Potter in der Zauberwelt, wie Stephenie Meyer mit ihren Jugendlichen bei den Vampiren, so hat sich Suzanne Collins ein vorgegebenes Genre (Sci-Fi, fiktive Gesellschaften in der Zukunft) zu eigen gemacht und eine Serie von Romanen mit jugendlichen Helden hineingepasst, die es nun auch schon auf der Leinwand zu Serien-Ruhm gebracht haben.

Zwei Teile hat man bereits hinter sich – da mussten die Jugendlichen einer in Distrikten aufgeteilten totalitären Welt in grausamen Spielen letal gegen einander antreten (eine Variation der römischen Gladiatoren-Idee). Glücklicherweise haben sich ein paar der jungen Leute ihre menschlichen Gefühle bewahrt (während andere den forcierten Killer- und Überlebensinstinkten folgten) und sich zum Widerstand formiert.

Zwei Filme der „Hunger Games“ sind vorbei, mit zwei Filmen mit dem Untertitel „Mockingjay“ wird das Unternehmen weiter geführt, dieses ist der erste davon. Wobei im Deutschen der Begriff „Mockingjay“ – er steht für die Galionsfigur des Widerstandes – nicht eben glücklich übersetzt wird: „Spotttölpel“ mag  zwar korrekt sein, klingt aber einfach dumm  – mit „Spottdrossel“ wäre man vielleicht besser bedient gewesen? Oder hätte sich das zu harmlos angehört? Wie dem auch sei, das ist jedenfalls das Zentrum der Handlung. Denn nun sind die „Tribute von Panem“ weniger Jugend-Action als eine politische Geschichte um die Macht der Propaganda, was nicht so viel an wilder Handlung hergibt, wenngleich Drehbuch und Regie sich bemühen, auch das zu befriedigen.

Aber um Politik geht es doch, dort der „böse“ Präsident Snow (der immer brillante, immer so souverän zynische Donald Sutherland), dort die Präsidentin Alma Coin an der Spitze der Rebellen, bei denen es übrigens auch ziemlich fundamentalistisch zugeht… Julianne Moore spielt sie mit Elbenhaar, Hintergründigkeit und einer inneren Härte, mit der gezeigt wird, dass auch die Politiker der angeblich „Guten“ es mit Gutmenschentum nicht weit brächten…

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Übrigens ist noch einmal Philip Seymour Hoffman als Propaganda-Chef Plutarch Heavensbee mit dabei (man hat ihm den Film in „Loving Memory“ gewidmet): Und unter einer Handvoll guter und noch mehr mittelmäßiger Schauspieler ragt er auch in der Nebenrolle als die hervorragende Persönlichkeit hervor, die er war – und das ist keine Bemerkung, die man nur devot angesichts seines (sinnlosen) Todes macht, das springt ganz einfach ins Auge…

Politik braucht Propaganda, und beide Seiten fahren mit vollem Geschütz auf. Dazu muss man sich erinnern – die beiden anderen Filme sind ja noch nicht so lange her (und dass man die Bücher nicht gelesen hat, darf man wohl zugeben) -, dass wiederum Katniss Everdeen unverrückbar die zentrale Identifikationsfigur bleibt. Sie trägt das Gesicht von Jennifer Lawrence (sie ist erst 24, man denkt, sie müsse viel älter sein, so lange scheint sie schon „im Geschäft“), und wenn sie auch den ganzen Film hindurch nur betroffen dreinschaut – den Weltruhm hat es ihr doch gebracht.

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Man erinnert sich – Katniss und ihre große Liebe Peeta (Josh Hutcherson) wurden auseinander gerissen, als sie zu den Rebellen flüchtete, während ihr treuer, glückloser Verehrer Gale (Liam Hemsworth, schrecklich brav und gerade) unverrückbar an ihrer Seite ist.

Im übrigen werden noch Figuren aus den vorigen Filmen hervorgeholt, die dem Publikum vielleicht in freundlicher Erinnerung sind – die exzentrische Effie Trinket (Elizabeth Banks), Haymitch Abernathy (der immer irre, wirre Woody Harrelson) oder Finnick Odair, der seiner Liebe nachtrauert (Sam Claflin): Sie finden sich alle bei den Rebellen.

Katniss soll nun von Plutarch Heavensbee zum „Gesicht“ des Widerstandes aufgebaut werden – zum „Mockingjay“ des Titels, Heldin zahlreicher Fernseh-Spots, die sie am liebsten „an Ort und Stelle“ des Grauens dreht, um wirklich aufzurütteln. Also spielt sich dieser Film viel in Ruinen ab, weil man vorgeführt bekommt, wie gnadenlos die Regierung um Präsident Snow einzelne Distrikte von Panem zerstören lässt, andererseits gibt es dann auch Kampf und Flucht und nötiges Entsetzen…

Vordringlich handelt es sich aber um die Schilderung der Propagandaschlacht (Einübung in kritisches politisches Denken für jugendliche Zuschauer? Möge es so sein). Tragisch-persönlich wird die Sache, weil die Regierung Peeta gefangen hält, einer Gehirnwäsche unterzogen hat und ihn in vielen Fernsehinterviews (mit dem süffisanten Stanley Tucci) ins Feld schickt, um Katniss zum Aufgeben zu bewegen. Sie wiederum kämpft mit aller Entschlossenheit auf allen Ruinen- und Schlachtfeldern, um wie eine Jeanne d’Arc mit Pfeil und Bogen den Widerstand weiter anzuheizen…

Wenn man am Ende Peeta aus der Gewalt der Regierung „zurück-kidnappen“ konnte, ist dieser allerdings ein geistig zerstörter Tobender… Mit einem solchen Schlussbild kann man sicher sein, dass die riesige „Panem“-Gemeinde auf der Welt geradezu nach dem zweiten und letzten Teil lechzt, wo ja hoffentlich endlich alles gut ausgehen muss. Und wo Regisseur Francis Lawrence, der hier über weite Strecken durchaus große „Action“ für Erwachsene liefert, dann alle Fäden der Handlung zufrieden stellend zusammenknüpft. Im Moment wirbelt die Geschichte ja noch wild durcheinander…

Renate Wagner

 

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