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Die LUDWIG GÜTTLER Edition – Hommage zum 30. Geburtstag der VIRTUOSI SAXONAE

05.12.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

güttler  Die LUDWIG GÜTTLER Edition – Hommage zum 30. Geburtstag der VIRTUOSI SAXONAE – Wundersame Aufnahmen des Dresdner Barock – Berlin Classics 25 CDs

Der Dresdner Hofkapelle, aus der die Sächsische Staatskapelle und damit die Virtuosi Saxonae hervorgegangen sind, soll im 18 Jahrhundert über die besten Musiker verfügt haben. Wenn man den Aufnahmen im nunmehr vorliegende Kompendium lauscht, so trifft der Befund erstklassiger Musiker sicherlich auch auf das heutige Ensemble zu. Der Chef Ludwig Güttler, der sich ja bekanntlich auch einen Namen als Trompeter und Solist des Corno da caccia erworben hat, ist auch ein leidenschaftlicher Dirigent, Musikforscher, Lehrender und Juror. Das Jubiläum des Ensembles ist für das Label Berlin Classics der Anlass, zum erstenmal eine derart umfangreiche Ludwig-Güttler-Edition herauszubringen. Sie versammelt alle wesentlichen Aufnahmen, die er mit seinen Virtuosi in den Jahren nach der Wende gemacht hat. 

Die Virtuosi Saxoniae, bestehend aus führenden Musikern der Sächsischen Hofkapelle Dresden, pflegen die Musik des 18. Jahrhunderts, oftmals mit Lokalbezug. Und wie sie das tun! In unzähligen Konzerten und auch als gewichtiger Anwalt zu Unrecht vernachlässigter Komponisten wie Hasse oder Zelenka hat Güttler auf Tonträgern Maßstäbe gesetzt.

Die Box vereinigt ein Füllhorn an gediegen bis prächtig musizierten Aufnahmen auf modernen Instrumenten gespielt, doch der historischen Aufführungspraxis verpflichtet. Der Reigen geht hier von Johann Sebastian Bach (Konzerte, Orchestersuiten, Solokantaten, Brandenburgische Konzerte, Johannespassion und Weihnachtsoratorium) zu Johann Adolf Hasse (Messe g-moll), Johann David Heinichen, Attilio Ariosti, Alessandro Scarlatti, Johann Joseph Fux, Johann Friedrich Fasch, Johann Wilhelm Hertel, Johann Baer, Johann Ernst Prinz von Sachsen Weimar, Johann Melchior Molter, Johann Gottlieb Graun, Johann Joachim Quantz, Johann Georg Röllig, Jan Krtitel Jiri Neruda, Johann Georg Pisendel, Georg Philipp Telemann  bis zu Antonio Vivaldi. (Johann und Georg waren offensichtlich beliebt Namen im 18. Jahrhundert.) Ludwig Güttler hat sich auch exzellente Mitstreiter für sein klingendes Plädoyer ausgesucht: So singt im Weihnachtsoratorium der fantastische Concentus Vocalis Wien (unter der Leitung von Herbert Böck, bei dessen Vokalensembles auch eine gewisse Elisabeth Kulman eine Zeitlang gesungen hat!). Als Gesangssolisten fungierten Christiane Oelze, Hasn Peter Blochwitz, Oliver Widmer, Christoph Genz, René Jacobs, Olaf Bär, Peter Schreier, Dagmar Schellenberger und Alex Köhler. 

Ganz großartig gelungen sind alle Aufnahmen, die dem „böhmischen Bach“ Jan Dismas Zelenka gewidmet sind. Als Liebhaber von Barockmusik waren mir diese Aufnahme schon vorher bekannt. Dieser formidable Tonsetzer war in Dresden als Violonist der Hofkapelle, Komponist und Vizekapellmeister der katholischen Kirchenmusik tätig. Seine Missa Dei Patris in C-Dur stellt einen Höhepunkt der barocken Sakralmusik dar. Die Aufnahme Güttlers besitzt absoluten Referenzcharakter. Ebenso beeindruckend sind Zelenkas „Laudate Pueri“, das „Confiteor tibi Domine in c-moll“ oder das Capriccio in g- und a-dur für zwei Corni da caccia, zwei Oboen, Streicher, Fagott und Basso Continuo.

Die nun editierte Box stellt ein würdiges Geburtstagsgeschenk an die Sächsischen Virtuosen dar. Aufgrund der vielen Raritäten und dem günstigen Preis (1,4 Euro pro CD) liefert die Güttler Edition nicht nur eine beeindruckende Leistungsschau einer sehr guten Formation, sondern ist auch für jeden Liebhaber von Barockmusik eine hochinteressante Sache. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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