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DIE LIEBE SEINES LEBENS

23.06.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Liebe seines Lebens~1

Ab 26. Juni 2015 in den österreichischen Kinos
DIE LIEBE SEINES LEBENS
The Railway Man /  GB  /  2013
Regie: Jonathan Teplitzky
Mit: Colin Firth, Jeremy Irvine, Nicole Kidman, Tanroh Ishida, Hiroyuki Sanada u.a.

Vorsicht, der deutsche Titel des Titels ist (sicher absichtsvoll) irreführend: „Die Liebe seines Lebens“, kombiniert mit Fotos von Colin Firth und Nicole Kidman, zwei schöne Menschen in ihren mittleren Jahren, elegisch blickend, erweckt die Vorstellung einer reifen Romanze – und führt total in die falsche Richtung. Wer mit solchen Erwartungen in den Film geht, wird schreiend hinauslaufen. Wer aber wirklich die Geschichte sehen möchte, die hier erzählt wird, kann angesichts der falschen Werbung gar nicht auf die Idee kommen, worum es geht.

Also: Im Original heißt der Film „The Railway Man“ – das trifft es insofern, als Held Eric Lomax ein Fachmann für Eisenbahnen aller Arten ist – und bietet einen der härtesten Kriegsgefangenen-Filme (Zweiter Weltkrieg, Ferner Osten), an die man sich erinnert: In der Welt der „Brücke am Kwai“ angesiedelt, fehlt hier die letztendlich doch heldenhafte Romantik, mit der David Lean das Thema verschönerte.

Als Eric Lomax mit vielen anderen englischen Soldaten 1942 von den Japanern in Singapur gefangen genommen wurde, brachte man sie in ein Lager, um als Zwangsarbeiter unter schauderhaften Bedingungen an der „Siam Burma-Eisenbahn“ zu arbeiten.

Gezeigt wird nun darüber hinaus, und das ist nichts für schwache Nerven, wie er von seinem Peiniger Takashi Nagase persönlich aufs Korn genommen und den brutalsten körperlichen (von fast Verhungern bis Waterboarden und anderem Unvorstellbarem mehr) und psychischen Foltern unterzogen wird. Schwer vorstellbar, wie ein Mensch das, was Regisseur Jonathan Teplitzky tatsächlich in sehr großer Härte auf die Leinwand bringt, aushalten und nachher weiterleben konnte – zumal im Fall von Eric Lomax noch dazu kam, dass man ihn als einen jener „gebrochenen“ Gefangenen vorführen wollte, die im japanischen Radio die eigenen Leute angreifen und diffamieren…

Firth Kidman x

Man begegnet dem älteren Eric Lomax als sehr introvertierten, verstörten Mann in einer Eisenbahn, und es ist tatsächlich eine Liebesgeschichte, wie das ältliche Mädchen Patti einen Weg zu seinem Herzen findet und seine Frau wird: Colin Firth und Nicole Kidman spielen das wunderschön. Aber ihre Beziehung ist nur dazu da, dass es Lomax gelingt, mit ihrer Hilfe seine Vergangenheit wirklich aufzuarbeiten – in Face to Face Konfrontation mit seinem einstigen Peiniger, der zu einem buddhistischen Mönch geworden ist, der sogar ein Buch über die Vergangenheit geschrieben und sich in einen entschiedenen Antikriegsgegner gewandelt hat.

Nun basiert dieser Film auf den Erinnerungen des echten Eric Lomax, die dieser mit 76 (!) Jahren herausbrachte: Die Autobiografie „The Railway Man“ ist die Grundlage des Films und vielleicht ging es wirklich so dramatisch zu, dass der alte Lomax in Thailand den alten Takashi Nagase (gespielt eindrucksvoll von Hiroyuki Sanada) traf und scheinbar zu demselben Psychoterror ansetzt wie dieser einst, gleiche Rituale wiederholend…

Aber das ist natürlich nicht die Essenz des Films. Tatsächlich ging es Lomax um Versöhnung, echte Versöhnung der alten Männer angesichts dessen, was in ihrer beider Jugend geschehen ist. Die Zwanzigjährigen, die sie damals waren, werden von  Jeremy Irvine (bekannt geworden durch die Spielberg-Pferde-Schnulze „War Horse“) und dem durch und durch faszinierenden jungen Japaner Tanroh Ishida schlechtweg atemberaubend gespielt, ohne dass sich die schauspielerischen Leistungen verklärend über die Handlung legen. Man sieht nicht dabei zu, wie toll sie spielen, sondern wie schrecklich das ist, was passiert.

Dass es Lomax in seinem 1995 erschienenen Buch um echte Versöhnung ging und dass er es ebenso geschafft hat wie sein Peiniger, der auch ein anderer Mensch geworden ist, mag ehrenwert sein: Aber es bleibt die Geschichte der Grausamkeiten, die im Krieg begangen werden, wenn Menschen dies straflos tun können…

Renate Wagner

 

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