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DIE LANDSTRASSE

12.05.2012 | buch

Hrsg. Rudolf Zabrana
DIE LANDSTRASSE
Eine Kulturgeschichte des 3. Wiener Gemeindebezirks
184 Seiten, Großformat, Amalthea Verlag 2012 

Schön, dass es solche Bücher gibt – Autoren, die sich die Mühe nehmen, Text und Bildmaterial zusammen zu tragen, Sponsoren, die meinen, dass dergleichen Sinn und Zweck hat, und ein Verlag, der bereit ist, ein wirklich schönes Buch zu machen. Wiens Dritter Bezirk, die Landstasse, hat nun ein reiches Kompendium von g’schmackig zusammen gestelltem Wissen gefunden.

Herausgeber Rudolf Zabrana, in Erdberg geboren (also ein echter Landstraßler), seines Zeichens Architekt, Lokalpolitiker, Hobbyhistoriker, hat sich mit Karl Hauer, der sich mit Bezirks- und Zeitgeschichte befasst, und dem Fotografen Gerhard Trumler für einen Spaziergang durch den Dritten Bezirk zusammengeschlossen. Jeder Wiener weiß, dass Wien einfach nicht Wien ist, sondern ein Zusammenschluss von Biotopen, die ihre eigene Geschichte und auch noch Subgeschichte haben (denn Erdberg ist Erdberg, der Weisgerbergrund, wo einst ein Hetztheater stand, und St. Marx mit dem Friedhof, wo Mozart begraben wurde, stehen ebenso für sich  –  und sind nicht bloß „Landstraße“…).

Der Spaziergang erfolgt chronologisch, bewohnt wurde die Region schon in der Jungsteinzeit, auch die Römer waren hier (ein reicher unter ihnen baute sich da gar eine Villa, wie man aus Fundresten schließen kann), für die Babenberger war dies ein Bestandteil ihres Besitzes, und zur Zeit der Habsburger beginnen dann auch schon die bis in die Nachwelt bekannten Persönlichkeiten, die sich genau hier niederließen. Freilich, etwas Grandioseres als das Belvedere des Prinzen Eugen hat der Bezirk nicht zu bieten, wenn auch einen später fast genau so berühmten Einwohner: den Fürsten Metternich, der ja behauptet hat, hinter dem von ihm bewohnten Rennweg fange der Balkan an…

Das Arsenal, ein jüdisches Viertel, Otto Wagners Stadtpark-Stadtbahnstation, ein paar bemerkenswerte Gemeindebaukoplexe, der Gefechtsbunker im Arenbergpark, die einmal „besetzte“ Arena und zukunftsweisende Beispiele moderner Architektur sind andere Schwerpunkte, die auf ein Stück Wiener Geschichte verweisen: Wahrlich, in dieser Hinsicht ist es ein besonders reicher Bezirk… (Und nebenbei ist der Amalthea Verlag, der das Buch herausgibt, am Heumarkt zuhause, erzählt also sozusagen auch vom eigenen „Krätzl“.)

Zu der historischen Schilderung kommen immer wieder Exzerpte aus Büchern, die einen originalen Ort oder eine Begebenheit hier schildern, und zu historischem Material gesellen sich die Fotos von heute. Am Ende kann man Straßen und nicht zuletzt berühmte Bewohner nachschlagen: Nach der unvergesslichen Hilde Güden, die in der Gerlgasse wohnte, soll hier einmal ebenso eine Straße benannt werden wie nach Leonie Rysanek, den Schwestern Konetzni, Ernst Deutsch und Adrienne Gessner, alle Bewohner des Dritten Bezirks.

Renate Wagner

 

 

 

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