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DIE KÖNIGIN UND DER LEIBARZT

03.05.2012 | FILM/TV

Ab 4. Mai 2012 in den österreichischen Kinos
DIE KÖNIGIN UND DER LEIBARZT
En kongelig affære  /  Dänemark, Schweden, CR, Deutschland  /  2012 
Regie: Nikolaj Arcel
Mit: Mads Mikkelsen, Alicia Vikander, Mikkel Boe Følsgaard u.a.

Wer ein wenig die Zeit des deutschen Films der fünfziger Jahre im Kopf hat, der weiß Bescheid: „Struensee“ hieß ein Film mit O.W.Fischer in der Rolle des deutschen Arztes, der als Leibarzt des mehr oder minder geistig gestörten Dänenkönigs Christian VII. (eine Meisterleistung von Horst Buchholz) nach Kopenhagen geholt wurde und dort unvorsichtigerweise eine Affäre mit der aus England stammenden Königin Caroline Mathilde (damals die Französin Odile Versois) begann. Es ist eine historische Geschichte, die mit der grausamen Hinrichtung Struensees und der Verbannung der Königin endete und die immer wieder, vor allem in der Literatur, behandelt wurde.

Die Dänen haben nun (mit Hilfe von Schweden, Tschechen und Deutschen, kurz, eine aufwendige europäische Co-Produktion) dieses Stück ihrer eigenen Geschichte verfilmt. Und dabei hatte Regisseur und Drehbuchautor Nikolaj Arcel nicht nur die tragische Romanze im Auge, sondern ein Bild des 18. Jahrhunderts, in dem Konventionen und Aufklärung miteinander kämpfen – und vordringlich die Geschichte einer klugen jungen Frau, die in einer erzwungenen Ehe um ihr Recht auf Glück betrogen wird.

Tatsächlich ist der Film zwar ein sauber, wenn auch nicht übertrieben opulent gedrehter Historienschinken, aber so schön und differenziert gespielt und gedacht, dass er auch als mehr gelten kann (bei der diesjährigen Berlinale gab es auch zwei Silberne Bären, für das Drehbuch und den Darsteller des Königs). Es beginnt mit der sehr anmutigen Alicia Vikander, die als Caroline Mathilde das Geschehen trägt und die man 15jährig von ihrem England an einen feindseligen dänischen Hof begleitet, wo die Stiefmutter ihres Gatten die Fäden zieht und der seltsame König Christian (zweifellos eine Meisterleistung von Mikkel Boe Følsgaard, keineswegs als total Wahnsinniger gezeichnet) gar keine Rücksicht auf sie nimmt.

Gut ist es auch, dass Struensee in Gestalt von Dänemarks knorrigem Weltstar Mads Mikkelsen kein schöner Held ist wie einst O.W.Fischer, so dass man vor allem den geistigen Reiz nachvollziehen kann, den er und die Königin als zwei gebildete, fortschrittliche Menschen auf einander ausübten (der Sex kam dann dazu). Ausführlich lässt sich der Regisseur darauf ein, wie Struensee seine wachsende Macht beim König nur dazu benützt, die von feudalen Strukturen beherrschten und gewürgten Zustände in Dänemark zu verbessern – und dies natürlich auf Kosten der Mächtigen und Besitzenden. Diese unerwünschten Reformen haben ihn in weit höheren Ausmaß das Leben gekostet als die Affäre mit der Königin… Immerhin intrigiert Trine Dyrholm als Königinmutter Juliane Marie nach allen Regeln der Kunst überzeugend.

So wird Kino hier nicht zum oberflächlich optischen Ereignis, nicht nur zur psychologisch fein ausgefeilten Dreiecksgeschichte, sondern auch zum politischen Nachhilfeunterricht über das 18. Jahrhundert. Und das lohnt sich.

Renate Wagner

 

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