Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DIE KARTE MEINER TRÄUME

05.08.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Karte meiner Träume~1

Ab 8. August 2014 in den österreichischen Kinos
DIE KARTE MEINER TRÄUME
The Young and Prodigious T.S. Spivet  /  Frankreich,Kanada /  2013
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Mit: Kyle Catlett, Helena Bonham Carter, Judy Davis, Callum Keith Rennie u.a.

Der 60jährige Franzose Jean-Pierre Jeunet hat eine seltsame Karriere hinter sich – er begann mit schrägen französischen Filmen, konnte mit einer „Alien“-Folge in Hollywood nicht Fuß fassen, erntete mit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ 2001 seinen bis heute größten Erfolge, dreht selten und ist nun mit der Verfilmung von Reif Larsens 2009 erschienenem Roman „Die Karte meiner Träume“ in die Welt der Skurrilitäten zurückgekehrt.

Wunderkinder gibt es immer einmal, aber der von Larsen erfundene 10jährige T.S. Spivet spannt die Glaubwürdigkeit schon arg an. Zwar hat der Junge im ländlichen Montana eine großteils übliche Familie, einen verschlossenen Vater (Callum Keith Rennie) und einen früh verstorbenen Zwillingsbruder (Jakov Davies), der immer wieder in seiner Vorstellungswelt herumgeistert und mit ihm spricht, und eine ältere Schwester ((Niamh Wilson) ist auch da. Aber der Hang zum Seltsamen und Besonderen kommt wohl von der Mama (die immer köstliche, brillant am Rande der Outrage balancierende Helena Bonham Carter), die sich von der Trivialität ihrer Umwelt nicht abhalten lässt, als insektenforschende Naturwissenschaftlerin tätig zu sein.

So weit, so gut. Dann stellt sich aber heraus, dass T.S. ein wissenschaftliches Rätsel löst, indem er ein Perpetum Mobile konstruiert und dafür den Baird-Preis des Smithsonian Instituts in Washington gewinnt, das natürlich keine Ahnung hat, dass die Einreichung von einem Kind kommt… (Sehr witzig die Szene, wie er sich am Telefon als Erwachsener ausgibt.)

Um sich den Preis abzuholen, begleitet man T.S. nun auf einer allein und heimlich unternommenen, durchaus märchenhaften Reise nach Washington, mit einigen drolligen, aber nicht eben besonderen Abenteuern (da muss man schon mal vor Leuten davonlaufen, die einen einfangen wollen, und sie möglichst austricksen), und schließlich gelingt es ihm, in Washington die rührige Leiterin des Smithonian (Judy Davis, lange nicht gesehen) davon zu überzeugen, dass er das Genie ist … worauf sie ihn sofort vermarkten will, was nicht ganz gelingt. Denn er ist ja doch ein kleiner Junge, der froh ist, wenn Mama und Papa am Horizont auftauchen…

Karte T_S_Spivet x

Kyle Catlett ist ein entzückendes Kind von der Art, der einen Film tragen kann (aber interessanterweise gibt es viele junge Darsteller dergleichen), und man folgt der farb- und bildsatten Geschichte, die Jean-Pierre Jeunet auch mit Hilfe der Zeichnungen aus dem Originalbuch ironisch aufpeppt. Aber wenn man nicht ausgesprochen bereit ist, sich verzückt auf dergleichen einzulassen, wird man den Film nur als allzu süße und eigentlich eher leere Geschichte in 3 D erleben. Ein Kinderfilm, der sich bedeutend gibt…

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken