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DIE FRAU IN SCHWARZ

27.03.2012 | FILM/TV

Ab 30. März 2012 in den österreichischen Kinos
DIE FRAU IN SCHWARZ
The Woman in Black /  GB  /  2012 
Regie: James Watkins
Mit: Daniel Radcliffe,  Ciaran Hinds, Janet McTeer  u.a.

Theaterfreunde kennen das Stück „The Woman in Black“, in London kann man nicht daran vorbeigehen, es ist einer der Thriller, der dort seit Jahr und Tag läuft (tatsächlich seit 1989 in immer wandelnder Besetzung), und auch in Wien hat man diese Gespenstergeschichte schon gesehen. Denn genau das ist es. Wobei das Theaterstück von Stephen Mallatratt, geschrieben nach einem Roman von Susan Hill, eine formale Besonderheit aufweist: Es wird von zwei Männern gespielt, die alle Rollen verkörrpern. Da „mietet“ sich der alt gewordene Arthur Kipps einen Schauspieler, um mit ihm das schaurigste Erfahrung seines Lebens quasi nachzuspielen und damit aufzuarbeiten…

Tatsache ist, dass der nunmehrige Film (eine frühere Verfilmung stammt von 1989 und basiert allein auf dem Roman) mit dem Theaterstück nichts zu tun hat, nur dessen Medien-Ruhm benützt, um hier assoziativ an einen großen Erfolg zu erinnern. Tatsächlich wird auch in aller Breite der Roman verfilmt, und da hat sich Regisseur James Watkins viel Mühe genommen, das Viktorianische Milieu nachzupinseln.

Die Geschichte beginnt in London, wo Arthur Kipps, ein junger, verwitweter Anwalt, Vater eines kleinen Sohnes, in den Nordosten von England geschickt wird, um die Verlassenschaft einer reichen alten Dame abzuwickeln. Hier wird dann das Leben in einem feindseligen Dorf armer Leute ausgemalt, aber auch die noble Gesellschaft wie der reiche Gutsbesitzer, bei dem Kipps eingeladen ist. Bald aber wird das großzügige Anwesen der Verblichenen, „Eel Marsh House“, gänzlich einsam inmitten der Dünen liegt (mit eigenem Friedhof im Garten, direkt vor den Fenstern!), zur Flut gänzlich abgeschnitten, zum Helden des Geschehens. Den Großteil der Handlung hindurch hält sich Kipps allein darin auf, von Geräuschen, knarrenden Schaukelstühlen, Puppenfratzen, den Stimmen von Kindern bedrängt, nicht wissend, was wahr ist und was Einbildung… und der Regisseur nimmt sich viel Zeit dafür und scheut auch die zehnte Wiederholung des schon Gesehenen nicht.

Die Ereignisse im Dorf, das Geheimnis im Haus des Gutsbesitzers, dessen Frau nach dem Tod des einzigen Sohnes seelisch schwer gestört ist, führen schließlich dahin, dass man unbedingt an eine böse Macht glauben soll, die kleine Kinder in Tod und Verderben stürzt… es gibt keine vernünftige Lösung, nur wer bereit ist, sich auf diesen Spritismus („Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde…“) einzulassen, wird Gewinn aus der Geschichte ziehen, zumal sie schrecklich traurig endet (oder doch nicht, wenn das Jenseits der bessere Ort ist?).

Vermutlich würde man dieses englische Gegrusel, das für einen Schocker viel zu vornehm und viktorianisch elegant ist, hierzulande gar nicht in die Kinos bringen, wäre der Hauptdarsteller nicht weltberühmt. Daniel Radcliffe hat seine Teenager-Jahre damit verbracht, vor der Kamera Harry Potter zu sein, er hat diese Aufgabe wunderbar gelöst und dabei  Kinobesucher auf der ganzen Welt auch noch an seinem Heranwachsen Anteil nehmen lassen. Man hat irgendwie das Gefühl, man kennt ihn gut – und man mag ihn sehr. Nun steht er, im realen Alter von 22 Jahren, vor der Aufgabe, sich neu zu erfinden – eine Filmkarriere zu beginnen, die ihn nicht immer über seine Vergangenheit stolpern lässt. Nun ist der junge Anwalt, tragischer Witwer, liebevoller Vater, hilflos in einer Welt des Irrationalen, eine wirklich tragende Rolle in einem wenn auch nicht sehr dramatischen Geschehen. Radcliffe hat die düster-romantische Attitüde des Mannes, und er vermittelt vor allem die tiefe Traurigkeit, von der er durchdrungen ist. Dass er sich bei all den unheimlichen Geschehnissen im Haus eigentlich nicht so sehr zu fürchten und zu schrecken scheint, wie man es bei einem normalen Menschen erwarten dürfte, liegt wohl an der Inszenierung. Immerhin, unterstützt von („Caesar“) Ciaran Hinds, der auch nicht ans Übernatürliche glauben will und erst „erlöst“ wird, als er sich dazu entschließt, trägt er diesen stillen, gewissermaßen feinen Psychothriller verlässlich auf seinen Schultern.

Billig-Horror ist das nicht. Für Edel-Horror allerdings etwas zu langsam, gemessen und ohne große Effekte. Aber als Seelendrama nicht schlecht.

Renate Wagner 

 

 

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