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DIE BESTIMMER – KINDER HAFTEN FÜR IHRE ELTERN

25.02.2013 | FILM/TV

Ab 1. März 2013 in den österreichischen Kinos
DIE BESTIMMER – KINDER HAFTEN FÜR IHRE ELTERN
Parental Guidance /  USA  / 2012
Regie: Andy Fickman
Mit: Billy Crystal, Bette Midler, Marisa Tomei u.a.

Kein Hollywood-Star, der einmal wirklich einer war, wird die Gelegenheit vorbei gehen lassen, nochmals vor der Kamera zu erscheinen – zumal die alten Herrschaften ja nicht unbedingt gefragt sind. Wer heute im Alter noch vor der Kamera steht wie ein Clint Eastwood, ein Robert Redford und andere, kümmert sich meist selbst darum. Hier hat nun Billy Crystal eine Geschichte für sich und Bette Midler erdacht, in der sie Großelternfreuden und noch mehr –leiden erleben.

Aber können sich die beiden einstigen Zirkuspferde wirklich entfalten? Beide sind Mitte 60 und so ziemlich aus dem Geschäft. Bei Crystal liegt sein „Harry und Sally“-Triumph auch schon ein Vierteljahrhundert zurück, und 2002 durfte er sich noch als quirliger Psychiater vor dem Gangster Robert De Niro fürchten. Dann riß die Karriere ab… Und Bette Midler hat seit dem „Club der Teufelinnen“ 1996 in keinem großen Erfolg mehr mitgespielt. Man nimmt also, was man bekommt – auch wenn es eine nur mäßig lustige Geschichte ist.  

Also, Oma Diane und Opa Artie sind bei ihrer Tochter normalerweise nicht gefragt: Marisa Tomei spielt eine jener Mütter, die vor lauter Sorge um die drei Sprösslinge nicht aus und ein wissen. Aber irgendwann man muss sie eine Woche lang mit ihrem Ehemann verreisen, und da dürfen die vernachlässigten Eltern ran. Opa ist vernünftigerweise nicht so begeistert, Oma natürlich sehr – und dann übernimmt der Nachwuchs, eine Enkeltochter, zwei kleine Buben das Ruder. Ein Vergnügen sind sie nicht. Man ist froh, wenn man dergleichen nicht zuhause hat. Ist das Sadismus (hurra, es betrifft mich nicht!) oder Masochismus (o Gott, was täte ich in diesem Fall?), wenn man sich dergleichen im Kino ansieht?

Immerhin, der Film hat ein Gutes: Er macht sich über die Erziehungsmethoden heutiger Eltern lustig: Offenbar ist es noch nicht bis in die USA durchgedrungen, dass „antiautoritär“ gar nichts bringt. Im Gegenteil: Die eltern triefen geradezu, man kann gar nicht ausreichend soft und lieb mit den Teufelsbraten sein, sie immer in ihrem ohnedies mehr als ausgeprägten Ego bestärken (ihnen aber andererseits in aller Milde alles Angenehme im Leben, von Süßigkeiten bis Spaß, versagen). Und die Großeltern sollen das, nach einem Einführungsvortrag durch die besorgte Tochter, bitte genau so halten… Harper (Bailee Madison), Turner (Joshua Rush) und Barker (Kyle Harrison Breitkopf) sind dann so schwierig, wie man es befürchten kann.

Aber Opa merkt bald, dass es eine altbewährte Art zu verhandeln gibt – harte Münze, und ein cleverer Junge tut, was man ihm sagt. Oder man vergnügt sich gegen jede Vorschrift gemeinsam bei einem Horrorfilm… Immerhin hat sich Billy Crystal ein paar flotte Sprüche im Dialog mit den Juniors eingebaut. Oma Bette Midler, ganz blond und weit entfernt von ihrer einstigen spritzigen Schärfe, sprüht nur Betulichkeit. Aber die Probleme, die aufgeworfen werden, tun nicht wirklich weh, sind vielmehr vielfach der übliche Kitsch, wenn Opa etwa einem Enkel dabei helfen kann, mit dem Stottern zurecht zu kommen… Doch wer erwartet letztlich anderes als Klischees?

Der Regisseur des Werks verfügt über den im Deutschen bedauernswerten Namen Andy Fickman und hat eine behäbige Familienkomödie geschaffen, die sicherlich kein Meisterstück ist. Aber es wird für jeden Zuschauer ganz individuelle Schmunzelelemente geben, wo man sich selbst betroffen fühlt –  etwa, wenn man selbst nicht der jüngsten Generation angehört und mit einem Haushalt, wo absolut alles automatisch geht, total überfordert wäre. Da müssen dann schon die Kids helfend einspringen…

Renate Wagner

 

 

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