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DIDO ELIZABETH BELLE

11.08.2014 | FILM/TV

FilmCover Dido Elizabeth Belle~1

Ab 14. August 2014 in den österreichischen Kinos
DIDO ELIZABETH BELLE
Belle  /  GB  /  2013 
Regie: Amma Asante
Mit: Gugu Mbatha-Raw, Tom Wilkinson, Emily Watson, Penelope Wilton, Miranda Richardson u.a.

Rein äußerlich ist das ein schöner Kostümfilm aus dem 18. Jahrhundert. Aber er erzählt eine wahre Geschichte – und noch dazu eine, die unter die Haut geht. Denn noch heute schmerzt uns die Selbstverständlichkeit, mit der die Ungleichheit der Rassen in unserer Welt herrschte. Aber gehen wir davon uns, dass die Geschichte jener „Belle“, die in ein englisches Adelshaus kam, ein Musterbeispiel dafür ist, wie sich Gesinnungen langsam wandelten… wenngleich wir den Rassismus in den Köpfen ja wohl bis heute noch nicht gänzlich abgeschafft haben.

Schwarze waren damals Sklaven. Doch Captain Sir John Lindsay (Matthew Goode), der mit einer verstorbenen schwarzen Sklavin ein Kind hat, betrachtet dieses kleine Mädchen nicht als Last und Abfall, sondern als Kostbarkeit. Er muss in den Krieg, aus dem er nicht zurückkehrt, und bringt die kleine Belle zu seinem Onkel und seiner Tante, Lord und Lady Mansfield, am Lande lebenden ehrenwerten Adeligen, wenn es je welche gab. Sie erziehen die kleine Belle mit ihrer „weißen“ Cousine Elizabeth, und die beiden werden geistig und in ihrer Attraktivität ein absolut gleichwertiges Paar junger Frauen. Es ist übrigens eine „wahre Geschichte“: Ein Gemälde, das die beiden nebeneinander zeigt, ist in einem schottischen Schloß zu besichtigen…

Und dennoch: So sehr die Mansfield die Mädchen gleich behandeln, gewisse gesellschaftliche Regeln verbieten der „Schwarzen“ etwa, mit dem Adel gemeinsam am Tisch zu sitzen… Doch wenn es an die Suche um Ehepartner geht, dann zeigt sich, was wirklich zählt: Belle, von ihrem Vater mit Vermögen ausgestattet, könnte am Ende noch eher einen adeligen Gatten bekommen als ihre untadelig weiße, untadelig adelige, aber bettelarme Cousine (Sarah Gadon)… Miranda Richardson als Lady Ashford, die reiche Bräute für ihre Söhne sucht, spielt die ganze Rücksichtslosigkeit der „finanziellen Frage“ ohne Scham aus und stellt den Hochmut eines menschlich wertlosen Adels gnadenlos dar…

Ein wesentliches Element der Geschichte besteht in dem Prozeß gegen die Besitzer eines Sklavenschiffs, die menschliche Ladung – schwarze Menschen – über Bord geworfen und ersäuft haben, um am Ende noch eine Versicherungssumme zu kassieren. Da schlägt dann die Stunde von Tom Wilkinson, der als Lord Mansfield der Oberrichter dieser Verhandlung ist – und nach gewaltigen inneren Kämpfen und gegen viel äußeren Druck jede gesellschaftliche Übereinkunft aushebelt, als er mit Belles Hilfe moralisch richtig entscheidet…

Belle xx

Diese Belle bekommt von der bildschönen Gugu Mbatha-Raw die volle Ausstrahlung einer hoch intelligenten jungen Frau, die ihre untergeordnete Stellung immer wieder mutig in Frage stellt. Rundum Meisterleistungen nicht nur von Wilkinson, sondern auch wunderbaren Damen englischer Schauspielkunst wie Emily Watson oder Penelope Wilton. Das Happyend, das zeigt, dass auch Nichtadelige – ein ehrenwerter Anwalt (Sam Reid) ganz ohne gesellschaftlichen Rang bekommt die Schöne –  Menschen von Wert sind, wirkt geradezu ergreifend.

Dieser Film von Regisseurin Amma Asante ist von Anfang bis zum Ende „schön“ anzusehen. Aber er vergisst nicht, immer wieder schlechtweg weh zu tun. Und doch beweist diese gar nicht schöne Geschichte, dass Fortschritt möglich ist.

Renate Wagner  

 

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