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Diane Ducret: DIE FRAUEN DER DIKTATOREN

09.03.2012 | buch

Diane Ducret: DIE FRAUEN DER DIKTATOREN
352 Seiten, Ecowin Verlag, 2012 

Schon der Buchumschlag mit den Damen, die auf den Hinterteilen männliche Fratzen präsentieren, erregt Interesse, das Thema noch mehr: die Frauen der Diktatoren versprechen eine so vielfältige und interessante Betrachtung, wie die französische Autorin Diane Ducret sie liefert. Wenn die Herren, um die es geht, also – in der Reihenfolge, wie sie behandelt werden – Mussolini, Lenin, Stalin, Salazar, Bokassa, Mao, Ceausescu und Hitler heißen, knüpft sich daran nicht immer nur ein Frauenschicksal, sondern oft mehrere, und das wirklich in der verschiedensten Ausprägung, vom Opfer bis zur strahlenden Mittäterin. Evita und Imelda fehlen übrigens, aber vielleicht gehen Peron und Marcos nicht so richtig als Diktatoren durch?

Zu Beginn allerdings der Primus inter pares der Bösen, Adolf Hitler, wobei gerade an ihm, der wirklich weder jung noch attraktiv war, die Faszination der Macht leicht zu beweisen ist – die Frauen, die ihm tremolierende Liebesbriefe schrieben, haben sich davon keinesfalls mehr erhofft als den Blick aus seinen harten blauen Augen, sie schmeichelten nicht aus Berechnung, sie waren tatsächlich von hysterischer Leidenschaft für diesen „Führer“ beseelt. Briefe an den Duce (von dessen Aussehen hymnisch geschwärmt wurde), klingen ähnlich: Was zu beweisen ist, wird bewiesen – Macht ist sexy.

Diane Ducret erzählt im folgenden kapitelweise die Schicksale, im Präsens, mit vielen Dialogen, im Stil spannender Geschichten.  Es geht um das Privatleben der Diktatoren, wobei die Damen dann, wenn sie von wirklicher Bedeutung werden, in den Vordergrund rücken. „Straßencasanova“ Mussolini hatte jede Menge Geliebter (auch Jüdinnen), Ehefrau Rachele stört ihn bei gar nichts, die verheiratete Margherita Sarfatti war die erste, die sich privat und aus Berechung an den hochkommenden Politiker heranmacht, nur eine von vielen in dem Harem des Duce, den die Autorin aufzählt. 1932 trat dann Clara Petacci in sein Leben – die Autorin wird dann schon so dialogisch, als schriebe sie einen historischen Roman – , die Gefährtin, auf die so gut wie nichts vom äußeren Glanz abfällt (dazu ist die unsichere Hypochonderin nicht geschaffen – die Welt nennt sie „Mussolinis Hündin“), die aber seinen Tod teilen muss.. Treu wie ein Hund…

Viele andere Schicksale begegnen dem Leser in der Folge, wobei die unbekannteren (Salazar, Bokassa) natürlich besonders interessant sind, weil man wenig darüber weiß. Zwei Täterinnen reinsten Wassers steigen aus den Biographien von Mao und Ceausescu auf: Jiang Qing und Elena Ceausescu, die den Rausch an der absoluten Macht (und das bedeutet: ungestraft alles tun zu können) dann verdient bezahlt haben: Für Elena war es ein schneller Tod unter den Kugeln eines Hinrichtungskommandos, Jiang Qing wurde von Maos Nachfolgern durch Schauprozesse gejagt, zum Tode verurteilt, zwecks „Einsicht“ auf Zeit begnadigt. Angeblich hat sie Selbstmord begangen, Genaues wird man wohl nie erfahren. Was immer den Damen geschah, es traf keine Unschuldigen.

Und am Ende wieder die Geschichte, die man wohl am besten kennt, denn sie wurde in unzähligen Büchern ausgesponnen: Hitler. Was empfand Winifred für ihn? Wie viele begingen für ihn Selbstmord? Wie elend war das Schicksal der Eva Braun? Und am Ende noch: Magda Goebbels, die vermutlich im Bunker enthusiastisch in den Tod ging. Hat sie doch bekannt, Goebbels nur geheiratet zu haben, weil sie Hitler nicht bekommen konnte – und weil das die beste Möglichkeit bot, in der Nähe des „Führers“ zu sein… Auch die „Nebenrollen“ im großen Diktatoren-Frauen-Drama sind faszinierend.

Renate Wagner

 

 

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