Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DETMOLD: „Der Ring des Nibelungen“ – SIEGFRIED

17.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Landestheater Detmold 17.Mai 2012: Der Ring des Nibelungen – Zweiter Tag – Siegfried

 
Foto: Copyright Landestheater/Hörnschemeyer

Der Teil 3 der Wagnerschen Tetralogie im Detmolder Landestheater hielt was die ersten beiden Vorstellungen bereits versprochen hatten. Siegfried ist ja nicht gerade einfach zu inszenieren und wohl noch schwieriger zu besetzen, aber was Intendant Kay Metzger mit seinen (als Österreicher muss man ja sagen wirklich bescheidenen) Mitteln auf die Beine stellte und auf die Bühne brachte, verdient höchsten Respekt und Beachtung. Das beginnt einmal damit, dass einem die fünf Stunden wie im Flug vergingen, die ersten beiden Akte witzig, bunt, schrill und (im besten Sinne) effekthaschend waren. Und dann ein Grande Finale ,wie es im Buche steht.

 Metzger setzte die Zeitreise des Ring des Nibelungen,  die mit Rokoko und erstem Weltkrieg begonnen hatte, fort und lässt Siegfried in den 1960-iger Jahren spielen. Hippie-Time, Revolution, Auflehnung gegen das Althergebrachte. Der Titelheld ist ein würdiger Vertreter dieser Generation. Gemeinsam mit seinem Ziehvater Mime wohnt er in Zelt und Wohnwagen, brutale Missachtung von Traditionen ist das Seine! Ein richtiger Hooligan, der Grenzen nicht anerkennt und missachtet. Auf seine körperliche Urkraft vertrauend geht er wahrlich ohne Furcht durch seine bunte Welt. Und dann diese Neidhöhle! Ein Allerweltshäuschen, in dem Fafner wohnt und schläft und einfach seinen Schatz besitzt. An der Wand das Bild mit röhrendem Hirsch wie aus dem Versandkatalog, der Inbegriff des „Deutschen Michels“. Metzger lässt auch den drei Rheintöchtern durchaus schlüssig ihren Anteil am Geschehen des zweiten Aktes, die Stimme des Waldvogels übernimmt dabei Woglinde.

 Das Grundmotiv der Weltesche ist auch hier wieder zu sehen, aber die Blätter fallen immer mehr ab, der Baum ist kaum mehr erkennbar, die Mauer rundum wird größer, die verbetonierte Natur wird beinahe körperlich spürbar. Eine Fahrt durch das nebenan liegende Ruhrgebiet ist ein schöner Vergleich. Wotans Macht ist ebenfalls dahin, das ist klar. Seine letzten Auftritte mit Erda und Siegfried lassen daran keinen Zweifel. Witzige Details in den ersten beiden Akten, etwa die Hilflosigkeit Alberichs, der in einer Telefonzelle gefangen ist und nicht an den Ring und Tarnhelm heran kann, oder die Art russisches Roulette während der Wissenswette zwischen Wotan und Mime wirken in keiner Weise aufgesetzt, sondern ergeben sich schlüssig aus dem Handlungsstrang. Metzger hat dafür einfach die richtige Theaterpranke.

 Die größte Überraschung des Abends war diesmal sicherlich das Orchester des Landestheaters Detmold, das unter Erich Wächter wie aus einem Guss musizierte. Extralob für den Hornsolisten, das er sich sogar mit einem Vorhang abholen durfte, aber auch die gesamte Bläserabteilung und die Streicher – herauszuheben sind noch die ersten Geigen und die Celli – beeindruckten.

 Der in Hannover engagierte Robert Künzli war ein vor Kraft strotzender Siegfried. Und diese hatte er wirklich nötig, zumindest in gesangtechnischer Hinsicht, um nach fünf Stunden Spielzeit im Finale mit seiner Brünnhilde mithalten zu können, da war es ihm zu gestatten auch hie und da einmal den Schongang einzulegen. Leicht machte es ihm die Regie ja auch nicht, musste er doch relativ oft vom hinteren Teil der Bühne singen. Aber was Künzlis Rollengestaltung so besonders machte, er war wirklich ein Revoluzzer und musste ihn nicht spielen. Ihm zur Seite hatte es Sabine Hogrefe als Brünnhilde natürlich leichter, aber ihre Wechsel vom piano zum forte muss man ihr auch erst einmal nachmachen. Auf ihre Brünnhilde in der Götterdämmerung kann man sich wirklich freuen!

 (Verdienten) Riesenjubel gab es für Mark Morouse als Wanderer. Diesmal noch nuancierter als im Rheingold, auch mehr das Legato betonend und mit feineren Tönen als vor einigen Tagen. Das sonore Timbre nimmt einen einfach gefangen. Das gilt auch für die Erda von Evelyn Krahe, deren Alt wieder zum Dahinschmelzen war. Wenngleich die Rolle Alberichs im Siegfried nicht die größte ist, Gerd Vogel ließ seinen wunderbaren Bariton hören, die Gier nach dem Gold, aber auch nach den Mädchen spürte man in jeder Sekunde. Dirk Aleschus, der bei seinem Fafner wieder mit  großem schauspielerischem Talent und einer noch gewaltigeren Stimme imponierte, würde man gerne in größeren Partien (ich denke da mal an den Ochs im Rosenkavalier) sehen und hören. Ein wenig enttäuscht war ich hingegen vom Mime Christian Brüggemanns, was aber nicht an dessen gesanglicher Leistung oder schauspielerischer Gestaltung lag (die war sogar große Klasse), sondern daran, dass sein Timbre und sein (zu geringes) Volumen einfach nicht in diesen Abend so recht rein passen wollte. Alles in allem aber Riesenjubel auf allen Rängen und große Vorfreude auf die Götterdämmerung am Sonntag.

Wird fortgesetzt!

Ernst Kopica

 

Diese Seite drucken