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DESSAU: DIE WALKÜRE. Premiere

28.09.2014 | KRITIKEN, Oper

Dessau: Die Walküre 27.9. 2014 Premiere

walküre
Rita Kapfhammer (Fricka), Ulf Paulsen (Wotan),  (c) Claudia Heysel

 In Dessau hatte jetzt Wagners beliebte Oper Die Walküre Premiere, erster Tag des an der Bauhaus-Bewegung inspirierten Dessauer Rings, von dem bisher Götterdämmerung und Siegfried mit großem Erfolg aufgeführt wurden. In Dessau werden die Ringteile also im „Krebsgang“ herausgebracht, und den Abschluß bildet im Januar ’15 Das Rheingold. Man will damit  in der Regie von André Bücker, Bb.:Jan Steigert, aufzeigen und bewust machen, wie Wagner die Konzeption des Ring des Nibelungen von hinten herein bewerkstelligte, ausgehend von ‚Götterdämmerung‘, seinerzeit noch ‚Siegfrieds Tod‘ benannt, sich über den ‚Jungen Siegfried‘, die ‚Bestrafung der Walküre‘ zum ‚Raub des Rheingolds‘ vorarbeitete und diese Konzeption in seinen eigenen Texten/Gedichten verarbeitete. Die Komposition begann er dann mit dem ‚Rheingold‘ von vorne.

 Die Abstraktionskraft auch in der Walküre drückt sich wieder in erster Linie im Bühnenbild aus, die als Klammer für die gesamte Ring-Konzeption erscheint. Dabei wird  hier auf einen Filmstil zurückgegriffen, der sich noch in der Stummfilmära und besonders mit dem Monumantalfilm Metropolis von Fritz Lang herausgebildet hat. Die nächtliche riesige Stadt, über der Wotan am Anfang des 2.Aktes thront, ist zwar eine moderne Projektion, aber andrerseits keiner heute real existierenden Stadt einfach zuzuordnen. Dagegen könnte Hundings Behausung gerade aus einem unterirdischen Gemäuer dieser „Metropolis“ entstammen. Mit der Todesverkündigung Brünnhildes beginnt dann ein Filmdreh in Hollywood, bei dem Brünnhilde als Regisseurin auftritt, und bei dem Siegmund und Sieglinde als d a s klassische Liebespaar in weiß auftreten. Es wird in den weiten Wildwest-Landschaften gedreht, wobei auch Mount Rushmore nicht fehlen darf. Es fragt sich aber, ob man aus der eher nüchternen Bauhaus-Vorgabe nicht ausbricht, wenn man Anleihen auch beim kitschigen Hollywood nehmen muß. Im 3.Akt findet vielleicht eine Vereinigung der beiden Stile statt, wenn der Brünnhilde-Felsen eine streng in bunten Rechtecken strukturierte  Formkonglomeration aufweist, vor dem sich aber Party-Boy lasziv räkeln und die Walküren mit Cocktails bedienen. Somit hat auch die Walküre einige nette die Ideen aufzuweisen, wenn sie auch disparat erscheinen.

 Dirigent Antony Hermus bevorzugt wieder von Anbeginn eine flotte Gangart, die von der Anhaltischen Philharmonie gern aufgenommen und ausgestaltet wird. Alles klingt frisch und animiert, wobei die Musik ja am wehesten im 1.Teil bei der tragischen Wälsungenschilderung Siegmunds klingt. Da nehmen sich die die Musiker kammermusikalisch zurück.

 Der Kameramann im 2.Akt, der ganz schön nah an das Geschehen rangeht, ist Kruno Vrbat. Die Kostüme von Suse Tobisch sind diesmal nicht ganz so zwingend wie in den vorhergehenden Ringteilen ausgefallen. Aber die Walküren-Truppe ist ganz phantasievoll partymäßig individuell gestilet, und Gerit Ada Hammer, Einat Ziv, Cornelia Marschall, Anne Weinkauf, Kristina Baran, Jagna Rotkiewicz, Gwendolyn Reid Kuhlmann und Constanze Wilhelm singen alle einen super Part. Ganz in schwarzer Montur und Frisur gibt Rita Kapfhammer die Fricka und singt mit tollem Mezzo so auftrumpfend, dass Wotan ganz schnell einknickt. Der Siegmund wird von Robert Künzli eher zurückhaltend und ohne großes Timbre gesungen, ist aber um gutes Spiel bemüht. Seine Sieglinde Angelina Ruzzafante ist mit stinmmlichen Mitteln im Gegensatz zu ihm geradezu gesegnet, kann jederzeit in einen hochdramatischen Modus wechseln und ist daher eine ideale Zwillingsschwester, auch wenn sie mit weißer Haube leicht matronenhaft wirkt. Der Hunding des Stephan Klemm wirkt fast zu hoch „gestimmt“ und glatt für die Rolle. Auch Wotan Ulf Paulsen flüchtet sich öfter ins Nasale hat aber besonders in der Tiefe eine gute Diktion („Als mir die Jugend verglomm…“) In den schwarz-weiß Projektionen (F.Vetter, M.Ott) soll er immer ganz furchteinflößend wirken. Brünnhilde Iordanka Derilova ist in etwas unscheinbarer 70er Jahre-Gewandiung stimmlich bestens aufgelegt und stößt nur bei den hohen Rufen an eine Grenze, was aber nicht sehr ins Gewicht fällt bei ihrer jederzeit anrührenden Gestaltung.

Friedeon Rosén 
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Friedeon Rosén    

 

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