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DER VAMPIR AUF DER COUCH

15.12.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Vampir auf der Couch~1

Ab 19. Dezember 2014 in den österreichischen Kinos
DER VAMPIR AUF DER COUCH
Österreich  /  2014 
Drehbuch und Regie: David Rühm
Mit: Tobias Moretti, Jeanette Hain, Karl Fischer u.a.

Der gute alte Sigmund Freud! In der Josefstadt steht er gerade in Gestalt von Herbert Föttinger auf der Bühne. Im Kino hatten wir ihn vor einiger Zeit auch, hat er da nicht (als Karl Markovics) den Gustav Mahler behandelt? Und jetzt kommt gar ein Vampir geflogen und klagt über Eheprobleme. Sachen gibt’s! Die Promis, wenn sie ausreichende Zeit tot sind, so dass kein Anwalt mehr irgendwelche Verwüstung ahnden kann, sind wirklich Freiwild… Andererseits: Warum soll man nicht auch über sie lachen dürfen?

Nun hat also David Rühm als Drehbuchautor und Regisseur einen Film gedreht, bei dem alle drankommen, dem Lächeln bis Gelächter des Publikums preisgegeben zu werden, die Vampire auch. Er ist nicht der erste, der einen zutiefst satirischen Blick auf die Blutsauger wirft, aber einer, bei dem es funktioniert. Wenn da Graf Geza von Közsnöm, ganz in Schwarz, Sigmund Freud anseufzt, da merkt man, wie Tobias Moretti mit seiner Filmkarriere Spaß hat, wo es doch anspruchsvollere, interessantere und auch witzigere Aufgaben gibt als im Fernsehen.

Moretti auf der Couch

An sich verwirrt er den Psychiater (Karl Fischer ist eine gute, aber keine große Besetzung) mit seinen Eheproblemen, aber wir erfahren, wie wenig ihm sein Job Spaß macht (statt live zu blutsaugen, lässt er sich mit Blutkonserven füttern), ja, er will ein schönes junges Mädchenopfer gar nicht beißen, sondern im Zweifelsfall lieber anschmachten! Und im übrigen ist er ein Zwangsneurotiker reinsten Wassers – was immer auf den Boden fällt, und seien es Hunderte Büroklammern, er muss sie aufklauben.

Und seine Gattin? Jeanette Hain als Gräfin ist ganz die Parodie einer Zwanziger-Jahre-Pflanze, durchaus blut-beiß-süchtig, aber schrecklich verzweifelt angesichts eines zutiefst weiblichen Problems: Wie soll sie wissen, wie schön sie ist, wenn kein Spieglein an der Wand es ihr sagt – denn Vampire haben bekanntlich kein Spiegelbild? Und wirkt ihr Gatte nicht allmählich genervt bei ihrer dauernden Forderung, er möge sie ihrer Schönheit versichern?

Dann geraten Normalmenschen ins vampirische Gefüge, der Maler Victor (Dominic Oley), der die Gräfin malen soll, damit sie sich endlich sehen kann, und seine übermütige Freundin Lucy (Cornelia Ivancan), die dem Vampirfürsten so ins Auge sticht… und wenn man selbst, BißBiß, zum Vampir mutiert, dann verändert man sich doch, das wissen wir spätestens seit Polanski!

Dass die Handlung nach der Exposition nicht mehr viel hergibt, macht angesichts der Kürze des Filmes (knappe eineinhalb Stunden) wenig, in Nebenrollen würzen der immer skurrile Lars Rudolph als Vampir-Chauffeur und Erni Mangold als immer ins Zimmer fallende neugierige Nachbarin das Werk durch ein paar Auftritte, der Mond leuchtet, die Vampire flattern, alles ist schön düster, Sigmund Freud kennt sich bald auch nicht mehr aus mit seinem Patienten – und man hat sich recht gut unterhalten, wenn’s auch alles andere als ein Meisterwerk war, das man sich merken wird. Bestenfalls beim Stichwort „Freud“: Da war doch die Geschichte mit dem Vampir?

Renate Wagner

 

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