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“DER ROSENKAVALIER” – Glyndebourne 2014

06.09.2015 | CD/DVD/BUCH/Apps, dvd

 

ros  Richard Strauss – “DER ROSENKAVALIER” – Glyndebourne 2014 – Opus Arte DVD + BD 

2014 war ich in Glyndebourne, nun ein Wiedersehen auf DVD. Hierzu kann ich meine Liveeindrücke aus dem Vorjahr mit einbeziehen. 

Über Richard Jones‘ slapstick-gespickte Zuckerbäcker-Inszenierung wurde 2014 ja bereits ausführlich geschrieben. Wenn man sich auf diese Art der Interpretation einließ, konnte man einigen Spaß haben (u. a. über den Polizeikommissar im Look des berühmten Monty-Python-Komikers John Cleese, was die Engländer besonders erheiterte). Während Baron Ochs im 2. Akt bei der Auseinandersetzung mit Octavian mit dem Speisemesser herumfuchtelt, piekst ihn der aufmüpfige Knabe mit Genuss mit dem langen Stiel der silbernen Rose in den Hintern. 

In den Focus der Presse war in unglücklicher Weise Octavian Tara Erraught geraten, hatte doch die Kostümabteilung die damals recht pummelige Sängerin wenig vorteilhaft ausgerüstet. Etwas nachgebessert hatte man in der von uns besuchten Folgeaufführung und inzwischen ist Frau Erraught ohnehin hübsch erschlankt (siehe facebook). Tara Erraughts lyrischer Mezzo entwickelt sich stetig. (In den letzten Monaten war sie zu diversen Konzerten in den USA unterwegs und gab auch ihr dortiges Operndebut als Cenerentola). Besonders die schon immer vorhandene leuchtende Höhe kommt als Octavian wunderbar zum Tragen, aber auch Mittellage und Tiefe wachsen langsam nach. Zudem hatte sie die kräftigste der drei Damenstimmen. 

Neben ihr die extrem zierliche Teodora Gheorghiu als ganz entzückende, streitbare Sophie. Die schnell entflammte Verliebtheit wurde von den beiden Protagonistinnen ganz köstlich gespielt und gesungen, ja, die Gheorghiu hat sogar ein bisschen vom heutzutage so seltenen Höhensilber. Als ich im Vorfeld von Kate Royals geplanter Marschallin las, dachte ich, da müsse sich ihr barockgeschulter Sopran aber stark entwickelt haben. Nun, die lyrischen Bögen spann sie wunderschön, während bei den etwas temperamentvolleren Einsätzen der Höhenglanz fehlte. Sehr hübsch die „Venus im Bade“ zu Beginn (die Figur dazu hat sie ja); ihre Kostümierung zeigte sie in der Folge als „Zuckerpüppchen“, was sogar einigen Engländern etwas zu viel des Guten erschien. – Diesen drei Damen stand Lars Woldt als Baron Ochs entgegen. Woldt hat die rechte Stimm‘ dazu, mogelt sich ab und zu über einige tricky Stellen geschickt hinweg und ist als Darsteller in jeder Minute überzeugend. Einen besonderen Glanzpunkt setzte Andrej Dunaev mit seiner strahlend vorgetragenen Sänger-Arie.

Große Erwartungen setzte ich beim Glyndebournebesuch in die Begegnung mit Robin Ticciati, dem musikalischen Leiter des Glyndebourne Festivals und hier Dirigent des London Philharmonic Orchestra. Diese Erwartungen wurden nicht so ganz erfüllt. Es ging für einen jungen, wie man meinen könnte temperamentvollen Dirigenten in recht gemäßigten Tempi durch die gesamte Aufführung. Sicherlich gibt es Stellen, bei denen Besinnliches angesagt ist, wie etwa der Marschallinnen-Monolog, aber wenn er zu zerdehnt wird, kann’s leicht einmal langweilig werden. Freilich gab Ticciati seinen Sängerinnen schön Raum für blühende Bögen und schöne Steigerungen zu den jeweiligen Höhepunkten, aber da sind ja auch Sachen, die man sich mit etwas mehr Pfiff gewünscht hätte (Ochs‘ Rausschmeißer z. B.). 

Dieser DVD-Mitschnitt dürfte vor allem für Interessenten und Freunde der jeweiligen SängerInnen angebracht sein, ansonsten gibt es wohl eindrucksvollere Alternativen. 

http://glyndebourne.com 

D. Zweipfennig

 

 

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