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DER „RING DES NIBELUNGEN“ AN DER OPER FRANKFURT 2010-2012

27.06.2012 | buch

„ZU SCHAUEN KAM ICH…“
Der „Ring des Nibelungen“ an der Oper Frankfurt 2010-2012.
Hrsg.: Oper Frankfurt
160 Seiten, durchgehend farbig bebildert,
Henschel Verlag 2012 

Für Wagnerianer kann es natürlich nie genug Wagner-Aufführungen geben, aber Tatsache bleibt es doch, dass der „Ring des Nibelungen“, lange Zeit ein Unternehmen nur für die ganz großen Häuser, heute nahezu inflationär auf die Bühnen gebracht wird. Kaum bewahrt man selbst bei besonderem Interesse an dem Thema den Überblick darüber, wer das Werk wo inszeniert hat, wer jeweils sang, und am wenigsten sind die Konzepte auseinander zu halten.

Nun würde man sich tatsächlich wünschen, wenn man schon nicht alle „Ringe“ per DVD nach-betrachten kann, dass es für alle wichtigen Interpretationen ein Buch gäbe wie jenes, das die Oper Frankfurt im Henschel Verlag von ihrem „Ring“ herausgebracht hat. Es ist vordringlich ein „Bilderbuch“, aber die Fotos von Monika Rittershaus sind nicht nur von höchster Qualität, sie sind auch in der Chronologie der Werkabläufe so hervorragend ausgewählt, dass man sich die Optik dieses „Ringes“ wirklich vorstellen kann.

Sebastian Weigle hat ihn dirigiert, Regisseurin Vera Nemirova fand zu dem Konzept, die vier Teile nach den Schwerpunkten der Elemente zu gliedern (Rheingold – Wasser, Walküre – Feuer, Siegfried – Erde, Götterdämmerung – Luft). Wahrer „Held“ des Bilderbuchs ist aber jene Maschinerie, die Bühnenbildner Jens Kilian als Einheit für die Aufführungen schuf, die zwischen Mai 2010 und Jänner 2012 in Frankfurt Premiere hatten.

Wie einst auch Wieland Wagner, ebenso wie Schneider-Siemssen für Karajan, bewährt sich auch hier das Konzept des „Ringes“ als Idee für die Bühnenumsetzung: Kilian schuf, was man eine „Bühnenskulptur“ nannte (und das zu Recht), einen schräg angeschnittenen Zylinder von 17 Metern Durchmesser, der außerdem in konzentrische Kreise geteilt ist. Durch Drehungen und Wendungen erzielt man eine Vielzahl von verschiedenen Bühnensituationen, die zusätzlich durch vereinzelte Versatzstücke, Lichteffekte, gelegentlich auch Graffiti und durch die Kostüme der Darsteller „belebt“ wurden.

Diese Bühnenskulptur hat die Regisseurin eindeutig von allen realistischen Elementen befreit, die sich normalerweise in „Ring“-Interpretationen wie unvermeidlich hineinschleichen. Und es sind, wie man sieht, nicht zuletzt die Kostüme von Ingeborg Bernerth, die etwas Wichtiges aussagen. Indem sie sich nicht in die Alternative „historisch oder modern“ locken ließ, ist hier nebeneinander alles möglich und alles drin. Ein universaler „Ring“, den der Wagner-Freund einmal optisch nachempfinden und nach-denken kann. Informativ sind zusätzlich die – wenn auch vergleichsweise wenig Platz einnehmenden – Textbeiträge.

Wie gesagt, andere Opernhäuser seien aufgefordert, ihre „Ringe“ ebenso zu dokumentieren. Bei manchem dieser ungemein starken Fotos bewahrheitet sich die alte Erkenntnis, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte.

Renate Wagner

 

 

 

 

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