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DER LORAX

18.07.2012 | Allgemein, FILM/TV

 

Ab 20. Juli 2012 in den österreichischen Kinos
DER LORAX
Dr. Seuss‘ The Lorax  /  USA  /  2012
Regie: Chris Renaud, Kyle Balda
Animation mit der Stimme von Danny DeVito u.a.

In vielen Fällen – von Alice im Wunderland bis zu Pu, dem Bären – sind Kinderbücher quasi international, aber wir kennen absolut nicht alles, was in den USA fester Bestand der jugendlichen Szene ist. Etwa die Werke von Theodore Geisel, der unter dem Namen Dr. Seuss offenbar sehr Belehrendes schrieb. Das Buch über den „Lorax“ stammt von 1971 und ist mehr als 40 Jahre später so aktuell, dass man nur erschrecken kann. Als ob diese Geschichte, das in dem fiktiven Städtchen Thneedville spielt, für hier und heute geschrieben wäre – fünf Minuten vor 12 (oder schon danach?), um sich über die Natur dieser Erde Gedanken zu machen.

Es ist kein stilistisch besonders kunstreicher Animationsfilm, den man in der Regie von Chris Renaud und Kyle Balda hier erlebt, aber er hält sich an die Zeichnungen der Originalausgabe, und das werden Kenner (wir sind ja wohl keine) zu schätzen wissen. Der Titelheld, ein kleines, possierliches Pelztier in grellem Orange, gelber Riesenschnurrbart, wuchtige gelbe Augenbrauen, scheint sich für das Merchandising sehr zu eigenen – im Internet kann man sogar den Lorax-Schnurrbart bestellen…

Aber hier kommt es auf den Inhalt an – auf die große grüne Fabel, auf die Kapitalismus-Schelte, wie sie verdienter nicht sein kann. Denn in Thneedville lebt man in einer Plastikwelt, und die Leute mögen das durchaus, das sei klar gestellt! Plastik-Natur ist schließlich pflegeleicht, echte Bäume hätten beispielsweise Blätter, die abfallen könnten und Schmutz machten! Und den Ausbeutern ist das alles besonders recht, denn nun können sie Frischluft verkaufen, die Bäume am Ende umsonst bieten würden… Also, wer braucht schon die Natur – außer einer romantischen Schülerin, die von einem „echten Baum“ träumt. Und da macht sich der verliebte Schüler Ted auf den Weg aus der Stadt hinaus, um sich auf die Suche nach einem solchen zu begeben…

Was wir nun erleben, ist die Geschichte des Mannes („Once-ler“ genannt, der Ehemalige), der aus gegenwärtiger Erkenntnis reuig erzählt, wie er einst aus brutalen geschäftlichen Erwägungen ans Werk ging, Bäume zu fällen, bis keiner mehr da war – heftig unterstützt von seiner Familie, die gerne reich wurde (Den Satz „Who cares when a few trees are dying?“ hat man in der Realität schon oft genug gehört).

Und da taucht natürlich endlich auch der „Lorax“ auf, ein seltsames Männchen, der Wächter des Waldes, der eigentlich grün und nicht orange sein müsste und gar nicht wie ein Waldgeschöpf aussieht, aber was soll’s? Er ist jedenfalls kindergerecht und er füllt sein Gezeter und seine Mahnungen voll mit komischer Kraft, umgeben von einer Anzahl höchst skurriler Geschöpfe.

Es ist nicht erstaunlich, wie wichtig bei dieser Art von Filmen die Stimmen sind. Der gestiefelte Kater wurde durch Antonio Banderas dermaßen zum Banderas-Kater, dass man in dem Tier den Menschen sah… Hier ist Danny DeVito der vollmundige Hüter der Natur, der seinen Part auch in deutscher Sprache interpretiert.

Wenn Ted es am Ende schafft, eine leidenschaftliche Rede für die Natur zu halten und gegen alle Widerstände einen Baum zu pflanzen, empfindet man dies wirklich als Rettung der Welt. Ein Film als nachhaltiges „Lehrstück“ für Kinder, aber locker und amüsant genug, um die unüberhörbare Predigt im bunten Geschehen (mit üblichem Gesang und Tanz) aufgehen zu lassen.

Renate Wagner 

 

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