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DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE

08.12.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Hobbit Schlacht der fünf Heere 2~1

Ab 10. Dezember 2014 in den Kinos
DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE
The Hobbit: The Battle of the Five Armies  /  USA, Neuseeland  /   2014
Regie: Peter Jackson
Mit: Martin Freeman, Ian McKellen, Luke Evans, Richard Armitage, Cate Blanchett, Orlando Bloom u.a.

„Vollendet ist das große Werk“ – wo, wenn nicht bei Tolkien darf man Wagner zitieren? Der zweite „Ring“ hat sich geschlossen, nach der „Herr der Ringe“-Trilogie hat Regisseur Peter Jackson nun auch die „Hobbit“-Trilogie nach den Büchern von Fantasy-Großmeister J. R. R. Tolkien zu ihrem filmischen Ende gebracht, eine Geschichte, die nicht geringer einzuschätzen sind als die „große“ Story, nur weil der Titelheld ein kleiner Mann ist. 13 Jahre hat Jackson diesem Marathon-Unternehmen gewidmet, das ihn fest in der Filmgeschichte verankert.

Und der so überaus gelungene dritte „Hobbit“-Teil, in dem die Magie des Mythos so herrlich glänzt, macht ein gerundetes Unternehmen auch zu einem großen, und von den Längen, die man früher spürte, ist nichts mehr geblieben: Weniger als zweieinhalb spannende Stunden, mitreißendes Kino, auch wenn – siehe Titel – hauptsächlich gekämpft wird. Aber wie!

Aber zuerst zum Anfang an: Man erinnert sich, wie verzweifelt unser Hobbit versucht hat, den Drachen Smaug in seiner Höhle zu bekämpfen – und wie er gescheitert ist. Das war das Ende von Teil 2, und der dritte Teil beginnt damit, dass Smaug die Flügel spannt und zur Seestadt Esgaroth fliegt, die man auch schon kennen gelernt hat. Riesiges Chaos, mit den 3 D-Brillen ist man unweigerlich mitten drin, flüchtende Menschen, Geschrei, Feuer, Zerstörung, Mann o Mann, ist das gut gemacht!

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Der Film hat einige „Helden“, die auch so aussehen und leider unseren geliebten Hobbit Bilbo alias den seelenvollen Martin Freeman diesmal etwas in den Hintergrund schieben (und das ist schade, denn er verkörpert die Figur einfach vollendet). In der Seestadt ist es Luke Evans als Bard, glaubhaft, markig, männlich, intelligent ein Anführer, dem man glaubt, dass es ihm immer um Frieden und seine Leute und keinesfalls um Macht geht. Ja, und mit Hilfe seines Sohnes gelingt es ihm tatsächlich, eine riesige eiserne Kirchturmspitze per Bogen so in dem fliegenden (und nach wie vor mit der Stimme von Benedict Cumberbatch hämisch fauchenden) Smaug zu versenken, dass dieser endlich  das Zeitliche segnet.

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Den wäre man also los – aber Tolkiens Fantasy-Welt ist voll von Gefahren… Unter den „Menschen“ treibt sich übrigens auch Ryan Gage als Alfrid herum, Feigling, Opportunist, geldgierig und mies – und eine herrliche Figur, die zwar nicht bei Tolkien steht, aber als Gegenentwurf zu heldischem Verhalten für das Geschehen einiges bringt.  

Wenn die Menschen der Seestadt nun ihre zerstörte Stadt verlassen, kommen sie nach Erebor, vor jene Höhle, wo Smaug das Gold gestapelt und gehütet hat (nicht ungleich Wagners Fafner in „Siegfried“, aber auf die Parallelen der „Ring“-Welten von Tolkien und Wagner muss man wirklich nicht mehr eingehen, darüber wurden schon Essaybände voll geschrieben).

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Dort haben sich nun die Zwerge (denen dieses Reich einst gehörte) eingenistet. Es ist die bekannte, auch optisch so skurrile Schar mit dem so ansehnlichen König, der auch zum Helden taugt. Aber davor hat dieser Thorin Oakenshield (Richard Armitage, dramatisch gefordert und sehr beeindruckend in seinen Seelennöten) ein schlimmes Problem: Man nennt es die „Drachenkrankheit“, das Gold hat ihn besessen gemacht. Er vermag an nichts mehr zu denken als an dessen Besitz und Erhalt, und die Idee, etwas davon abzugeben, scheint gänzlich ausgeschlossen. So wütet er – angesichts seiner gemessenen, verständnislosen Mitzwerge – vor sich hin…

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Inzwischen dürfen wir die Feenwelt nicht vergessen: Der unabdingbare Gandalf (Ian McKellen ist im Laufe des Geschehens spürbar älter und auch ein wenig unansehnlicher geworden, aber nach wie vor ein Darsteller von hinreißender Präsenz und prachtvollem Humor) hockt ja bekanntlich, von den Orcs gefangen, in einem Käfig. Also müssen noch einmal Galadriel (Cate Blanchett, mal sanft, mal auch richtig böse), Elrond (Hugo Weaving) und Saruman (Christopher Lee – er ist 92!!!) zusammen wirken, um ihn hier rauszuholen, damit er im Rest des Films wohltuend mitwirken kann.

Und die Elfen sind mit dem herrlich blonden, herrlich schönen Legolas (natürlich Orlando Bloom) und der in einen Zwerg verliebten Kriegerin Tauriel (Evangeline Lilly) prominent vertreten – schade, dass es für sie kein Happyend mit dem sie auch liebenden Kili (Aidan Turner) gibt…

Dass Elbenkönig Thranduil (Lee Pace), der so eindrucksvoll auf einem Elch mit gewaltigem Geweih reitet, kein Freund der Zwerge ist, verkompliziert die Handlung, aber entweder man ist ein Tolkien-Fan, dann kennt man sich aus, oder nicht, dann lässt man immer noch die Bilder herrlich auf sich einströmen (wie erwähnt in 3 D, mit einigen Aus-dem-Sessel-Heben-Effekten).

Nachdem wir also den bösen Orcs auch wieder begegnet sind, ist die Exposition ausgestanden und die „Schlacht der fünf Heere“ kann beginnen, nachdem man vergeblich versucht hat, Thorin zum Teilen des Schatzes und Frieden zu bewegen. Da muss dann erst Bilbo, der den magischen Arkenstein gefunden hat, eine schwere Entscheidung treffen (und dafür auch aus der vermauerten Drachenhöhle herunterklettern…). Dann aber ist Thorins Einsicht vorläufig trotzdem noch fern, und die Schlacht muss beginnen…

Wieso übrigens fünf Heere? Orcs, Zwerge, Elfen, Menschen – ja, da taucht noch eine zweite, ausreichend skurrile, teils auf Ebern reitende Zwergen-Armee unter König Dain (Billy Connolly, unter dem Helm fast nicht zu erkennen) auf, die hier mitficht. Oder sind am Ende als Zusatzheer die gewaltigen Adler gemeint, die in der Schlacht auch mitmischen?

Nun, diese Schlacht der vielen Heeren, gewaltig aufgestellt, muss ja wohl großteils aus dem Computer kommen, und alles, was man heute technisch-virtuell kann, ist hier in Meisterschaft aufgeboten, um in jeder Sekunde die „Wirklichkeit“ zu erzeugen, die von der Filmleinwand kommen muss. Bedenkt man, dass Peter Jackson es schafft, wohl an die Hälfte seines Films kämpfen zu lassen und dass dies bei aller Brutalität (und der oft gewaltsamen Größe eines Kurosawa-Films) schlechtweg unterhaltend ausfällt, ermisst man erst, was mit diesem letzten „Hobbit“-Film geleistet wurde.

Kurz, Hobbit 3 hat Größe, Schönheit, Kraft, Würde, Humor, Menschlichkeit, einfach alles, was große Kunst in sich vereinen mag. Dieser Film erreicht das Ultimative, was man in einem Kinobesucher hervorrufen kann: Man ist wirklich betrübt, dass es definitiv zu Ende ist, man hat das Gefühl, man würde sich gerne weiter in Mittelerde, bei Bilbo und den Zwergen, bei Elfen, Orcs und Menschen, kurz: in Tolkiens Welt aufhalten dürfen…

Renate Wagner

 

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