Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DER DIKTATOR

16.05.2012 | Allgemein, FILM/TV

 

Ab 18. Mai 2012 in den österreichischen Kinos
DER DIKTATOR
The Dictator  /  USA  /  2012
Regie: Larry Charles
Mit: Sacha Baron Cohen, Ben Kingsley, Anna Faris u.a.

Nein, der „große Diktator“ ist es nicht, eher eine kleiner, und auch da leider nur eine Blödelparodie, die man partiell genießt. Der Brite Sacha Baron Cohen hat sich mit „Borat“ und „Brüno“ den Ruf einer rechten „Rotzpiepe“ der Leinwand eingehandelt, der es nie an Frechheit fehlt – und das oft haarsträubend.

Aber sich einen Kunst-Diktator im Gaddafi-Look auszudenken, der in seinem erdichtetem Heimatland (in Palästen, die an jene der Emirate erinnern) willkürlich handelt (und killt) – und der ganzen Vorgabe dann nur eine harmlos-heitere Wende zu geben, das stuft den „Diktator“ von der möglichen Polit-Satire zur schlichten Klamotte herab.

Da hat „General Aladeen“, unumschränkter Herrscher des fiktiven nahöstlichen Staates Wadiya, einen bösen Onkel (der große Ben Kingsley immerhin!), der ihm an den Kragen will und seine Ermordung vorbereitet. Das Double (ein törichter Schafhirte) steht auch schon bereit, um der UNO zu verkünden, dass Wadiya sich in eine Demokratie wandeln wird (denn nur so kann Onkelchen mit den Chinesen lukrative Geschäfte machen). In dieser Hinsicht ist der Film, für den Cohen sich selbst das Drehbuch schrieb, wenigstens nicht ganz lebensfremd.

Aladeen, als Original mit seinem Double verwechselt, landet in New York hilflos auf der Straße und kann nur bei einer Gruppe feministischer Alternativen unterschlüpfen, die einen Bioladen führen und alle Leidenden von der Straße aufklauben. Obwohl ihm dieses Gutmenschentum äußerst lächerlich erscheint, zerbrechen seine schlechten Macho-Manieren ja dann doch an der unendlichen Sanftmut der rührenden Zoey (Anna Faris). Klar, dass es beim Hochzeits-Happyend die Schlusspointe geben muss, dass der gezähmte Diktator – eine Jüdin geheiratet hat…

Es gibt ganz wenige Passagen des Films, wo sich Cohen zu einer Spur politischer Schärfe und Relevanz aufschwingt – wenn er etwa aufzählt, was ein Diktator alles kann und man unschwer begreift, dass das meiste davon in der Demokratie absolut gang und gebe ist.

Aber darüber hinaus geht es nicht. Und die Witze unter der Gürtellinie, die reichlich bedient werden, sind bei ihm ja immer Geschmacksache, und sein Leib- und Magenregisseur Larry Charles macht da mit. So mutiert ausgerechnet Aladeen zum Geburtshelfer, damit man mit der Kamera tief in den Bauch der Mama schlüpfen und die Hände der falschen „Hebamme“ beobachten kann. I Gitt. Als es dann ein Mädchen wird, sagt der Macho doch glatt: „Wo ist der Abfalleimer?“

Schade – man hat das dumpfe Gefühl, dass der Film viele seiner immanenten Möglichkeiten verspielt hat.

Renate Wagner 

 

 

Diese Seite drucken