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DEAD MAN DOWN

03.04.2013 | FILM/TV

 

Ab 5. April 2013 in den österreichischen Kinos
DEAD MAN DOWN
Regie: Niels Arden Oplev    
Mit: Colin Farrell, Noomi Rapace, Isabelle Huppert, Terrence Howard, F. Murray Abraham, Dominic Cooper u.a.

Die Dinge sind nicht immer, was sie scheinen – das weiß man als geübter Krimi-Geher, und man wartet auf das Geheimnis. In der Entourage des skrupellosen Gangsterbosses Alphonse (Terrence Howard) erkennt man in Victor natürlich Colin Farrell, und man weiß, dass man sich auf diesen Mann konzentrieren muss (er ist schließlich der Star des Films). Aber auf Anhieb scheint er nur einer von vielen zu sein, die da schmutzige Arbeit für einen widerlichen Verbrecher tun. Abends daheim in einem New Yorker Wohnbau steht er einsam am Balkon und sieht traurig drein. Vis a vis steht Beatrice (Noomi Rapace, die seit ihrer Lisbeth Salander auf Weltkarriere-Spur ist) und guckt ebenso traurig – und man versteht es, eine Gesichtshälfte ist vernarbt.

Und während der Gangsterboss bedroht wird und gegen seine Rivalen wütet, weil er vermutet, dass diese dahinter stecken, blickt man näher auf Victor. Er ist ein Berufskiller in einer Verbrecher-Gang – und die begehrlichen Blicke, die Beatrice ihm zuwirft, gelten nicht dem Mann, sondern seinem Job: Er soll sie an dem leichtfertigen Autofahrer, der sie angefahren und verstümmelt hat und ungestraft davon gekommen ist, rächen…

Aber Victor hat andere Sorgen: Während sich nach und nach scheinbar eine Art private Romanze zwischen ihm und Beatrice herausschält (bitte, was hat „Euro-Star“ Isabelle Huppert in der peinlich-penetranten Nebenrolle einer französischen Mutter der Heldin hier zu suchen???), wird klar, dass er der „Dead Man“ des Titels ist – ursprünglich ein Immigrant, einst auf Befehl von Alphonse von einer Albaner-Gang mit seiner Frau und seiner Tochter scheinbar ermordet, in Wirklichkeit überlebt, in anderer Gestalt zurückgekommen und nun auf Rachefeldzug… Dazu nimmt der gebürtige Ungar (!) die Hilfe seiner Landsleute (F. Murray Abraham) in Anspruch.

Es dauert unendlich lang, bis dieser Film Fahrt aufnimmt, bis die Leute von Alphonse (hier hat dann Dominic Cooper seine Rolle, eigentlich ein Freund von Victor) langsam auf die Spuren des Mannes kommen, der ihn bedroht. Aber gut, das mühselig holpernde Geschehen wird von einem besonderen Darstellern getragen, nämlich Colin Farrell, der von den Filmen her, die er macht, leider nicht den Status genießt, der ihm als exzellenter Schauspieler zustände: Wie hier einer, der im Grunde seines Herzens kein Killer ist, von Rache getrieben wird (immer wieder sieht er sich Videos mit seiner später ermordeten Frau und Tochter an) und mit geradezu schmerzlicher Miene mordet – das ist bei ihm gar nicht so schrecklich trivial, wie es sich anhört.

Der dänische Regisseur Niels Arden Oplev hat schon die amerikanische Fassung von Stig Larssons „Millenium“-Krimi inszeniert und gebärdet sich auch in seinem weiteren Hollywood-Film vor allem stimmungsvoll düster. Harte Action-Spannung kommt erst am Ende auf, wenn es für Victor blutig und brutal zur Sache geht. Der Showdown hat dann noch eine „menschliche Pointe“, die man sich ausrechnen kann, führt sie doch inhaltlich auf die allererste Szene des Films zurück…

Wenn man kein Farrell-Fan ist, bekommt man wahrscheinlich nicht genug Krimi-Power für sein Geld. Farrells Zusammenspiel mit Noomi Rapace, die ihre Verletzungen an Körper und Seele eindrucksvoll rüberbringt, ist allerdings sehenswert.

Renate Wagner

 

 

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