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DAS VERFLIXTE 3. JAHR

18.07.2012 | FILM/TV

Ab 20, Juli 2012 in den österreichischen Kinos
DAS VERFLIXTE 3. JAHR
L‘ amour dure trois ans / Frankreich /  2011
Buch und Regie: Frédéric Beigbeder
Mit: Gaspard Proust, Louise Bourgoin u.a.

Sollte man als Leser eine gewisse Vorliebe für den französischen Autor Frédéric Beigbeder entwickelt haben, dann ist unbedingt davon abzuraten, sich zu seinem Filmdebut ins Kino zu begeben. Was ist denn in diesen Mann gefahren? Welcher Teufel hat ihn denn so bis zur Unkenntlichkeit verbogen? Kintopp, Hollywood, schnöder Mammon?

Man erinnert sich:  Als er vor gut zehn Jahren mit „39.90“ auch außerhalb Frankreich wahrgenommen wurde, hat erwies er sich als totale freche, respektlose Rotznase. Er ließ der Mitwelt kein Zeitgeist-Klischee durchgehen, vom Konsum-Jubel bis zur Internet-Seligkeit. Ein Satiriker unserer Welt, bei dem man immer einen Hauch von darunter liegender Wahrheit zu spüren meinte…

So weit kommt er mit der Verfilmung seines Romans „L‘ amour dure trois ans“ (in der deutschen Buchfassung exakt „Die Liebe währt drei Jahre“ genannt) so gut wie nie. Das Frühwerk von 1997, von ihm als sein Regiedebut auf die Leinwand gebracht, wirkt zwar am Anfang vertraut: Da ist der zynische junge Autor / Journalist Marc Marronnier (Beigbeders unverkennbares Selbst), der uns im Zeitraffer seine missglückte Ehe schildert: „Im ersten Jahr kauft man die Möbel. Im zweiten Jahr stellt man sie um. Im dritten Jahr teilt man sie auf.“ Das mag ja nun eine Erfahrung sein, die heutzutage typisch ist.

Auch das allgemeine Männergejammere über die Frauen – ja, damit hat einst schon Barylli Geld gescheffelt. Aber was passiert bitte dann? Beigbeder Alter Ego in Gestalt von Gaspard Proust (großer Name, nicht ganz so großer Schauspieler) trifft bei einer Familienparty Alice, die Frau eines Cousins (Louise Bourgoin, als Traumfrau vorgeführt, wird zumindest für kritische Frauen im Zuschauerraum nicht eine Zehntelsekunde als solche glaubhaft sein).

Und jetzt geht es los – jetzt wird gesülzt, bis man beim Happyend ist. Ein paar triefende, nicht einmal lustige Umwege: Marc hat einen Roman geschrieben, in dem er jeden Glauben an die Möglichkeit der Liebe zynisch leugnet. (Wahrscheinlich sind es die amüsantesten Szenen des Films, wo Valérie Lemercier mit verächtlich schiefgezogenem Mund als Verlegerin zwar über diesen Schmarrn die Achseln zuckt, das Buch aber dennoch veröffentlicht, weil sie weiß, dass man mit dergleichen heute Geld verdient.) Als die heiß umworbene Alice erfährt, dass Marc der Autor ist, gibt es ein paar Komplikationen und viel Gejammere. Man hält es schier nicht aus. Und jene Filmkritiker, die Beigbeder den Gefallen getan haben, seine blödsinnigen Stadtneurotiker mit Woody Allen zu vergleichen, sollten sich an die Nase fassen…

Typisch für die deutsche Fassung: Man nannte den Film „Das verflixte 3. Jahr“, denn vielleicht gibt es noch Leute, die sich an das „Verflixte 7. Jahr“ erinnern (ja, die Monroe im weißen Kleidchen über dem Lüftungsschach) und hier analog eine romantische Komödie erhoffen. Kinder, das war einst Billy Wilder! Und das ist Beigbeder, der einen Kinofilm für unkritisch-schlichte Gemüter gedreht hat: Keine Angst, Zeitgeist-Monster, was immer ich je behauptet haben mag (was gebe ich auf mein Geschwätz von gestern!), die wahre Liebe gibt es doch! So dumm kann man das gar nicht aufbereiten – damit klingelt doch die Kinokasse! Als ob er mit seinen Romanen nicht schon genug verdient hätte… Aber Künstler haben ja oft einen unerklärlichen Selbstzerstörungsdrang.

Renate Wagner

 

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