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DAS RHEINGOLD – Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – Sir Simon Rattle

03.10.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

rattle Wagner: DAS RHEINGOLD – Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – Sir Simon Rattle – BR Classics 2 CD – Die sängerisch schönste Rheingold-Aufnahme seit Solti und Janowski – Klangtechnisch eine der besten Wagner-Einspielungen überhaupt

VÖ: 9. Oktober

Eigentlich muss man mit dem Orchester beginnen, um die Meriten dieser Live-Aufnahme vom 24. und 25. April 2015 aus dem Herkulessaal in München richtig würdigen zu können. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist eines der besten Orchester der Welt, das weiß jeder. Aber was bei diesem quasi unter Studiobedingungen entstandenen Rheingold-Mitschnitt aus München orchestral in die Waagschale geworfen wird, lässt nicht nur Wagner-Herzen spontan jubeln. Streicher, Holz, edles Blech, alle stehen im unbedingten Dienste dieses witzigen kühnen Vorabends zu „Der Ring des Nibelungen“. Und Sir Simon Rattle ist bei Rheingold in seinem ureigensten Element. Eher die strukturelle Modernität dieser Partitur betonend als schon jetzt hochromantisch aufzutrumpfen, ist seine Sache. Und das bekommt dem Rheingold bestens, zumal auch die Aufnahmezauberer der Bayerischen Rundfunks (Tonmeister Pauline Heister, Toningenieur Peter Urban) wahre Wunder vollbringen. Bei aller Prägnanz der Stimmen ist das Klangbild vollkommen klar, durchsichtig und mit dem Orchester bestens abgemischt. Eine Pioniertat und Trumpf moderner Aufnahmetechnik, so natürlich wurden Stimmen und ihre spezifischen Farbqualitäten selten eingefangen.

Und ja die Sänger: Fast durchwegs eine Traumphalanx, die beinahe jeden Wunsch eingefleischter Wagnerianer Wirklichkeit werden lassen: Michael Volles männlich kerniger Wotan schließt nahtlos an George London an. Tomasz Konieczny ist in der Rolle des Alberich goldrichtig eingesetzt, sein leicht exotisch dunkel drängendes Timbre passt so richtig zum Nachtalben und Drahtzieher des Untergangs. Da stören auch so manche Vokalverfärbungen nicht so sehr. Unser Herwig Pacoraro aus der Wiener Staatsoper ist ein Mime, wie es besser nicht geht. Von Diktion, Witz, rezitativisch kluger Disposition bis Schönheit des Tons, nicht fehlt. Burkhard Ulrich bringt für die Partie des Loge nicht Edelklang ein, versöhnt aber mit einer dramaturgisch und in der Wortausdeutung beispielhaften Interpretation. Es tut der Gesamtdisposition äußerst gut, dass alle Stimmen unverwechselbar sind und so jede Rolle ein vokales Eigenprofil bekommt. Das gilt auch für die fabelhafte Frauenriege: Elisabeth Kulman als Fricka, Annette Dasch als Freia und Janina Baechle als Erda formen signifikante Charaktere aus ihren jeweils unverwechselbaren stimmlichen Mitteln. Besonders Elisabeth Kulman ist ein in jeder Hinsicht idealer Wagner-Mezzo: Ruhige Stimmführung, Luxusstimme, wohldosierte Artikulation. Hoffentlich steht sie – wenn schon nicht auf der Bühne – so doch noch oft für konzertante Opernaufführungen oder im Studio zur Verfügung.

Pure Freude bereiten auch die Rheintöchter: Mirella Hagen als Woglinde, Stefanie Irányi als Wellgunde und Eva Vogel als Floßhilde. Die Männerriege rundet sich luxuriös mit Peter Rose (Faslot), Eric Halvarson (Fafner) und Benjamin Bruns (Froh). Die Partie des Donner (Christian Van Horn) hat man schon besser singen gehört. Das trübt aber die insgesamt herausragende Qualität und den fabelhaften Gesamteindruck dieser Neuerscheinung nicht. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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