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DAS KLEINE GESPENST

06.11.2013 | FILM/TV

Ab 8. November 2013 in den österreichischen Kinos

Filmplakat Kleine Gespenst

DAS KLEINE GESPENST
Deutschland  /  2013 
Regie: Alain Gsponer
Mit: Jonas Holdenrieder, Uwe Ochsenknecht, Herbert Knaup u.a.

Kinderfilme sind eine Sache für sich, Tatsache ist jedenfalls, dass gerade Deutschland sehr viele „Realverfilmungen“ bietet (während man in den USA nach wie vor auf Animation setzt). Für das Gelingen eines solchen Unternehmens braucht man zwei Voraussetzungen: eine gute, kindergerechte Story – und begabte kleine Interpreten. Das kam hier zusammen, und das Ergebnis ist zweifellos vergnüglich für die Kleinen und nett genug, um die begleitenden Eltern oder Omas nicht in Tiefschlaf zu versetzen.

Dort befindet sich das Kleine Gespenst auf der Burg Eulenstein während des Tages, erwacht hingegen nachts zu quirligem Leben: Otfried Preußler, der erst heuer verstorbene deutsche Kinderbuchautor mit der langen Liste von Erfolgstiteln, hat es erdacht. Und längst ist die Computeranimation so weit, dass sich das drollige kleine Gespenst, das virtuell erzeugt wird, mit den Menschendarstellern fugenlos harmonisch zusammen findet.

Auf der Höhe des begabten Gespenstes, dem Anna Thalbach ihre freche Stimme leiht, befindet sich sein menschlicher Partner Jonas Holdenrieder: Er spielt den kleinen Karl, der fest an Gespenster glaubt, mit dem unsrigen auch Bekanntschaft schließt – und das teuer bezahlt. Denn dessen Streiche (etwa das Entwenden einer Uhr aus den Exponaten von Schloss Eulenstein) wird ihm angelastet.

Und die Erwachsenen sind sowieso zu dumm für alles. Aber immerhin ganz komisch, vor allem Uwe Ochsenknecht, der in der Vergangenheit als schwedischer General aus dem Dreißigjährigen Krieg aus einem Gemälde steigt, sich in der Gegenwart aber als besonders blöder Bürgermeister lächerlich macht…

Weil die Uhren verstellt werden und das Gespenst nicht mehr in seinen Tag-Schlaf sinken kann, spielt auch der Uhrmacher eine große Rolle, die Herbert Knaup bestens erledigt. Das Gespenst, das zwischendurch schwarz geworden ist, was es nicht so sehr mag, darf am Ende wieder weiß herumflattern. Und man hat von Regisseur Alain Gsponer einen possierlich altmodischen Kinderfilm gesehen, der auch in der Wunderwelt eines durch und durch gestrigen Städtchens spielt, wenn auch immer wieder die Gegenwart angepeilt wird und in kleinen Nebensätzen darauf angespielt wird (etwa auf die vielen fremden Mitbürger, die doch dazugehören).

Aber Zeitbezug mitnichten, wenn man es genau nimmt: Da wirkt doch ein weltweiser Uhu so echt, als käme er nicht aus dem Computer – sondern eben direkt aus dem Märchen!

Renate Wagner 

 

 

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