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DARK SHADOWS

08.05.2012 | FILM/TV

Ab 11. Mai 2012 in den österreichischen Kino
DARK SHADOWS
Regie: Tim Burton
Mit: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Eva Green, Helena Bonham-Carter u.a.

Das war einmal – es ist vermutlich keine Bildungslücke, dies nicht zu wissen – eine amerikanische Fernsehserie (ein bisschen Gothic-Seifenoper mit Vampir à la Addams Family). Jetzt ist es einer jener Filme, die unter dem „Markenzeichen“ laufen: Tim Burton & Johnny Depp. Das hat zwar nicht immer gleich bleibende Qualität, aber so gut wie immer Spaß versprochen. So ist es auch diesmal, wenn auch eher gemütlich. Depp grimassiert sich zwar permanent durch den Film, damit niemand auf die Idee kommen kann, das sei anders als lustig, lustig, lustig gemeint. Aber so richtig zündend ist die Story nicht.

Sie holt sich ein paar der üblichen Effekte aus einem Zeitreise-Szenario (plus Kultuschock – huch, wie ist mehr als 200 Jahre später alles anders!). Das heißt, man beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts in den USA, in einem Küstenstädtchen von Maine, wo die Familie Collins durch Fischfang reich wird und sich ein monströses Haus namens Collinwood Manor baut. Hätte der junge Herr Barnabas (damals schon Johnny Depp) nur den Verstand gehabt, das Dienstmädchen (Eva Green – die Inkarnation einer parodierten Hexenschlange) nach dem Sex nicht abzuweisen: Sie hätte ihn nicht in einen Vampir verwandelt und in einen Sarg gesteckt – und wir hätten keine Geschichte.

Aber so wird er, Zeitsprung in die siebziger Jahre, die ja optisch ganz lustig sind, nach ein paar Jahrhunderten wieder ausgebuddelt. Und stellt sich seiner nunmehrigen Familie vor. Die wohnen, obwohl sie längst kein Geld mehr haben, noch immer in Collinwood Manor und sind ihrerseits seltsam genug.

Regisseur Tim Burton holt seine Effekte aus der Gestaltung der Figuren: Depp als der gewissermaßen stets spinnwebenumgebene Vampir von gestern, der sich in einer neuen Welt zurechtfinden muss, mehr liebenswert als schaurig; die herrliche (wenn auch möglicherweise durch künstliche Nachhilfe in ihrem Gesicht leicht zerstörte) Michelle Pfeiffer als seine rätselhafte Nachfahrin, die kein Geld und viel Ärger hat; und Eva Green, die Hexe, ist immer noch da, hat das Gewand des verschmähten Dienstmädchens gegen das der Karrierefrau vertauscht und die paar Hundert Jahre, die Barnabas im Sarg eingesperrt war, damit verbracht, die Familie Collins zu ruinieren und ihr eigenes Fischerei-Imperium aufzubauen… Das echte Love Interest des Helden muss es auch geben, und Bella Heathcote spielt die Schöne in der Vergangenheit und Gegenwart so blass und fragil, wie es in einer Welt, wo ja doch die Vampire los sind (und Hexen und Werwölfe – man will ja gar nicht sagen, wer sich als solcher entpuppt), höchst angemessen erscheint. Ein bisschen Jugend (aufsässiger weiblicher Teenie, rührender Junge) ist auch noch da.

Wo Tim Burton ist, ist auch seine köstliche Gattin Helena Bonham Carter, hier in der Rolle einer überkandidelten, rothaarigen Psychiaterin, die selbst so gern ein Vampir wäre, um sich Unsterblichkeit zu sichern…

Wie gesagt, die Figuren stimmen, und dass die Story, die man entwickelt – Barnabas, der im Grunde „gute“ Vampir, muss die Familie und sich vor der Bösewichtin retten – eher schmal ausfällt, sollte man solcherart nur am Rande bemerken. Allerdings war Burton schon skurriler, radikaler und schräger als hier. Mit Mitte 50 muss man ja lange noch nicht „brav“ werden…?

Wie dem auch sei, seine Filme waren immer in erster Linie solche für Fans seiner Filmsprache und von Johnny Depp. Und die werden sich auch hier (moderat) unterhalten.

Renate Wagner

 

 

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