Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Daniel Spitzer: VERLIEBTE WAGNERIANER

28.05.2013 | buch

Daniel Spitzer:
VERLIEBTE WAGNERIANER
Novelle
Mit einem Nachwort von Volker Mertens
160 Seiten, Edition Alea, 2013

Das Wagner-Jahr spült allerlei Literatur an Land und in die Buchhandlungen, darunter auch Petitessen, die zweifellos amüsant sind. Daniel Spitzer zählte zu jenen (jüdischen) Journalisten Wiens, die an Wagner und seinem Werk mit Vorliebe „herumzipfelten“. Spitzer hat dabei eine besondere Rolle darin gespielt, eine immer wieder zitierte Marginalie aus Wagners Leben aufzuspüren: Er hat Briefe an eine Berta Goldwag von dieser gekauft und lustvoll in der „Neuen Freien Presse“ publiziert, in denen Wagner Schlafröcke, Bettdecken und Beinkleider in Seidenatlas, vorzugsweise in Rosa, bestellte. Da konnte die Mitwelt dann hohnvoll reimen:

Das ungeheure Toben und Tosen –
Wie schrieb er das nur in Atlashosen?“

kam von Eduard von Bauernfeld…

Darüber hinaus hatte Spitzer für Wagners Werke, Wagners Musik und vor allem für die Spezies Wagnerianer nichts übrig. Und da er ein begnadeter Satiriker war, lag es nahe, diesen eine parodistische Novelle zu widmen, die 1880 erschien und schnell Erfolg hatte, schließlich war Wien eine Wagner-Stadt, in der der Meister selbst mehrfach geweilt hatte – damals kannte man hier schon alle seine Frühwerke und den „Ring“.

Daniel Spitzers „Wagnerianer“, die in der manchmal recht verklausulierte geschriebenen Novelle der Lächerlichkeit preisgegeben werden, sind: Leonie von Malzau, eine Preziöse, die mit dem Bierbrauer Plunz, einem reichen, unkultivierten Mann, verheiratet ist und nach Höherem lechzt; der berühmte Schwappel, „der Komponist der ‚Berserker-Symphonie’, die so großartig ist, dass sie nirgends aufgeführt werden kann“ und der ein so gutes Herz hat: „Hätten Sie nur neulich gehört, wie er Mendelssohn und Meyerbeer wegen ihrer verfehlten Leistungen bedauert hat“; und schließlich dessen Freund Goldschein, der gänzlich vergessen hat, dass er Jude ist, der schon seit zwei Jahren mit einer Oper anfängt und versucht, zur Inspiration rosa Hosen zu tragen wie der Meister, aber auch da fällt ihm leider nichts ein: „Selbst die ‚Hugenotten’ habe ich mir in meiner Verzweiflung schon gewünscht, komponiert zu haben!“

Mit ihnen begibt sich der Autor in die Welt der „guten“ Wiener Gesellschaft, wo man sich so kultiviert gibt und so schlichten Geistes ist. Im Endeffekt droht Schwappel, sich aus unerwiderter Liebe zu Leonie umzubringen, was sie höchst entzückt – als sich aber herausstellt, dass er nicht tot ist, sondern das ganze Blut nur von Nasenbluten kam, wendet sie sich empört ab: „Dem Todten hätte ich vergeben, der Lebende ist mir verächtlich.“ Sie hat schließlich noch den reichen Bierbrauer-Gatten, der sich nur wundern kann, dass sich die Gemahlin ihm ausnahmsweise wieder einmal zuwendet…

Und Spitzer hat, was ihm an Bosheiten über Wagner nur einfiel, in diese Wagnerianer-Geschichte verpackt, zu der Volker Mertens ein kenntnisreiches Nachwort schrieb.

Renate Wagner

 

 

Diese Seite drucken