Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DAME, KÖNIG, AS, SPION

30.01.2012 | FILM/TV

Ab 3. Februar 2012 in den österreichischen Kinos
DAME, KÖNIG, AS, SPION
Tinker, Tailor, Soldier, Spy  /  GB  /  2011
Regie: Tomas Alfredson
Mit: Gary Oldman, Colin Firth, John Hurt, Ciaran Hinds u.a.

Wenn es je Nostalgie pur gab, dann hier: John le Carré war der Thriller-König der Ära des „Kalten Krieges“. Londons MI6 und der Moskauer KGB standen einander in ihren besten Leuten – und sogar mit etwas Respekt für die jeweiligen Fähigkeiten der anderen gegenüber. Oft war das geteilte Berlin Schauplatz, ebenso oft auch die Städte des Ostblocks. Und immer wieder gab es Verräter in den eigenen Reihen (jene der Briten sind in der Realität verbürgt und sogar international berühmt geworden). Wenn Tomas Alfredson mit „Dame, König, As, Spion“ nun den Klassiker, den primus inter pares der vielen le-Carré-Klassiker verfilmt, versetzt er das Geschehen optisch hinreißend in jene muffigen Zeiten, da die Welt noch geteilt war und Agenten ausgesandt wurden, um ihr Leben „für den Westen“ oder „für den Kommunismus“ zu riskieren.

Darüber hinaus aber gibt es die Intrigen im eigenen Haus, durchwoben von Misstrauen – wer verbündet sich mit wem, wer traut wem (am besten niemandem), und letztendlich geht es um die Frage, worum es eigentlich geht: Selbst ein renommierter US-Filmkritiker hat zugegeben, dass er sich in der auf so vielen Ebenen erzählten Geschichte eigentlich nicht ausgekannt habe. Worauf die Stars bei den Interviews angehalten waren zu betonen, dass der Film weniger um die Handlung selbst als um die Atmosphäre gebaut sei. Kann die ultimative Erkenntnis lauten, dass der ganze komplizierte, teure, so viele Menschenleben verzehrende Spionageapparat völlig sinnlos war?

Zu Beginn geht ein konspiratives Treffen in Budapest letal schief. In der Folge muss Chef Control (zerknittert, hintergründig: John Hurt) gehen. Und mit ihm sein bewährtester Agent: Smiley, die Legende zwischen Buchdeckeln, mittlerweile Literaturgeschichte, wunderbar aufgehoben in der skeptisch-fragenden Miene von Gary Oldman. Als man ihn ein paar Jahre später wieder holt, soll er den „Maulwurf“ finden, der offenbar dafür sorgt, dass die britischen Aktionen regelmäßig schief gehen…

Und nun an erzählt Regisseur Tomas Alfredson (kein Brite, sondern Däne, aber mit sehr viel Verständnis für das Milieu) in den Zeitebenen bunt durcheinander: Da ist Vergangenheit mit den Aktionen einzelner Agenten, da ist die Gegenwart an Konferenztischen. Manche Szenen werden immer wieder aus anderer Perspektive gezeigt, wenn Smiley (bzw. der Zuschauer) schon mehr weiß und die Lage besser beurteilen kann.

In einem allerdings hat der amerikanische Kritiker-Kollege recht: Ganz klar wird das Geschehen nie. Nur dass die „Bösen“ im Osten mit grenzenloser Brutalität ans Werk gingen, während die Softies im Westen unverzeihliche Fehler begingen – etwa sein Herz an ein auf sie angesetztes Ostmädchen zu hängen… Sie stirbt nicht schön. Das unterscheidet John le Carré und Smiley auch von Ian Fleming und James Bond: Er ist so realistisch wie der andere glatt, so schmutzig wie der andere chic.

An den Schreibtischen in London sitzen ein paar eindrucksvolle Gesichter, an der Spitze „Oscar“-Preisträger Colin Firth, nicht einmal für eine totale Hauptrolle, weiters TV-„Caesar“ Ciaran Hinds oder der schrullige Toby Jones. Und noch ein paar – und einer muss der Verräter sein. Der Zuschauer wundert sich am Ende nicht. Aber das macht nichts.

Das ist natürlich kein Film für ein junges Publikum, das Action mit Krach verbindet und Psychothriller mit Horror. Aber interessanter geht es bei le Carré und in diesem Film allemale zu.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken