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COTTBUS: HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN, DESSAU: AIDA

28.12.2012 | KRITIKEN, Oper

Cottbus: Hoffmanns Erzählungen 26.12.2012

 Wie es im Titel schon angedeutet ist, wird die Offenbach’sche Groteskoper in Cottbus auf deutsch gegeben, aber unter den vielen möglichen Fassungen in der bekannten Bearbeitung von Fritz Oeser gespielt.

 Martin Schüler möchte in seiner Inszenierung eine möglichst authentische Version herstellen, die alle Ingredenzien der phantastisch pittoresken Erzählungen enthält. Das geht bis in kleinste historische Details, auch in den Kostümierungen. Dabei ist natürlich zu fragen, ob das Singen/Sprechen auf deutsch zur Authentizität beiträgt. Hoffmann selber hat seine Ertzählungen natürlich auf deutsch verfaßt, Offenbach hat in Paris aber auf das französische Libretto von Barbier und Carré zurückgegriffen. Da die Textverständlichkeit hier aber aus verständlichen Gründen suboptimal verbleibt, wäre vielleicht doch die französ. Originalfassung vorzuziehen, aber immerhin war es Schüler auf Deutsch einen Versuch wert, der Beachtung findet und schon irgendwie auch zur Inszenierung passt. Und tatsächlich hat die authentische Ausdeutung auch ihre Meriten, vieles wirkt in den teils wirr erscheinenden Handlungen verklart, wenn zusätzlich auch keine Eigeninterpratation des Regisseurs darüber gestülpt ist.

Das zeigt sich beispielhaft gleich in Lutters Keller, der einem damaligen Berliner Weinkeller entspricht, und in dem sich zuerst die Muse in Niklas verwandelt, in dem sie sich in Studentenwichs umkleidet. Bei den Kostümen von Jessica Karge ist besonders im Olympiaakt die Chorkostümierung (die Damen in schwarzen Seiden-Chiffonkleidern) hervorzuheben. Nur der Antonia-Akt fällt von der regielichen Durchdringung her vielleicht etwas ab.

 Das Orchester spielt unter der Leitung Evan Christ gekonnt und mit sehr romantischem Drive auf und begleitet ausgewogen nachhaltig.Auch die Chöre, im 1. und 2.Akt groß angelegt, singen klangschön.

 Den Spalanzani gibt Matthias Bleidorn mit schön weich getöntem Bariton als skurrilen Physiker. Der Crespel und Lutter wird von Ingo Witzke mit markantem Baß gesungen und wirkt haudegenhaft. Die Mutter Antonias singt mit etwas unflexiblem durchdringendem Mezzo Carola Fischer. Die Dienerrollen gibt Hardy Brachmann mit viel Witz und Applomb sowie ansprechendem Spieltenor. Andreas Jäpel ist für die Bösewichte Coppelius & Co. eigentlich sehr jung, kommt aber durch herrliche Maske viel älter herüber, sein gut geführter solider Baßbariton hat auch schon dämonische Anklänge. Marlene Lichtenberg gibt die Muse mit silbrig aufblühendem feinen Mezzosopran und agiert auch immer nahe an Hoffmann dran. Dieser wirkt besonders als Figur hinreißend, erscheint wirklich wie eine lebendige Fotographie des realen Hoffnmann bis zur etwas krausen schwarzen Kurzhaarfrisur und den langgezogenen Backenkoteletten. Jens Klaus Wilde spielt ihn auch wie den unergründlichen teils phlegmatischen Künstlerpoeten, aber leider hat er nicht die romantisch gesangliche Stimmpalette , sein eigentlich schöntimbrierter Tenor wird in der Höhe oft brüchig. Die Stella wird von der schönen Schauspielerin/Sängerin Nora Lentner gegeben, Olympia ist Debra Stanley mit voluminös herzhaften Koloraturen, Antonia spelt Cornelia Zink mit aufschwellender Höhe und feinem Timbre, Giulietta ist Gesine Forberger mit smart designtem Sopranschmelz.

F.R.

 Dessau: AIDA am 25.12.2012

 Aus der großen Wasserleitung auf der Bühne vorne rechts kommt im 1.Akt kein Wasser. Ägypten führt den Krieg, um von seinem südlichen Nachbar die Kontrolle über den Nil zurückzuerobern. In der Tat kann Amneris Aida dann ’nassmachen‘, indem sie sie aus großen Plastikflaschen bespritzt. So wird in dieser Inszenierung von Christian von Götz Verdis Nildrama sehr modern aufbereitet. Das Heer ist wie eine heutige Soldateska mit Jeeps, MGs und MPs augestattet, realer Krieg mit Bomben- und Granateinschlägen wird simuliert (Bühne Britta Brehmer).

Das unterirdische Grab für Radames besteht aus dem heruntergefahrenen Eisernen Vorhang, später steigt Radames allein (ohne Aida) die zentrale Treppe hinter dem Eisernen hinauf. Die persönlichern (Liebes)beziehungen werden gekonnt inSzene gesetzt.

Der Opernchor ist mit Extrachor und „Coruso“ verstärkt, sodaß immer klangstarke Masse verfügbar ist. Auch das Orchester trägt seinen Teil zur gelungenen Aufführung teil (Dirigenten: Antony Hermus und Helmut Sonne/Chor). Die Kostümbildnerin Katja Schröpfer lässt besonders Aida über weite Strecken in Dessous spielen. 1.Presterin ist Gerit Ada Hammer, den Boten gib Leszek Wypchio, der noch beim Singen abgefoltert wird. Ulf Paulsen ist ein agiler Amonasro, der mit hellem markantem Bariton die Tochter in seinem Sinn ‚abrichtet‘. Ramphis wird von Kyong-Il Ko mit angenehm gut disponiertem Baß gezeichnet. Der König in einer fast nebensächlich wirkenden Kurzrolle Rainer Büsching mit flexiblem wohltönendem Stimmorgan. Als Amneris wirkt Rita Kapfhammer mit großem Mezzo und teils metallenen Farben eifersüchtig-glutvoll. Radames Sung-Kyu Park glänzt mit Stimmpower und Tenorpotenz als Liebhaber und Todsucher. Jordanka Derilova gibt ihm in der Titelrolle in nichts nach und bringt mit nur ganz seltenen Schärfen ihren satten durchgestilten Schöngesang ein.

Friedeon Rosén

 

 

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