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COSWIG/ Villa Teresa: UTE SELBIG SINGT LIEDER VON RICHARD STRAUSS IN EINEM MUSIKALISCH-LITERARISCHEN STREIFZUG DURCH SEIN LEBEN

Coswig/Villa Teresa: UTE SELBIG SINGT LIEDER VON RICHARD STRAUSS IN EINEM MUSIKALISCH-LITERARISCHEN STREIFZUG DURCH SEIN LEBEN – 28. 9. 2014

 

Noch ist Strauss-Jahr, aber eine Würdigung von Richard Strauss in der ehrwürdigen Villa Teresa in Coswig-Kötitz, wo Eugen d’Albert mit seiner Ehefrau, der weltberühmten venezolanischen Pianistin Teresa Carreno mehrere Jahr lebte, und das jetzt einmalig als Eugen d’Albert-Museum weltweit dasteht? Warum nicht, schließlich waren Eugen d’Albert und Richard Strauss Freunde. Ute Selbig, Solistin und Jobst Schneiderrat, Solorepetitor der Semperoper Dresden, sowie der Schauspieler Lars Jung vom Staatsschauspiel Dresden erinnerten mit ihrem „Streifzug“ an diese Freundschaft und das äußerlich relativ ruhige, aber in Wahrheit bewegte, Leben von Richard Strauss.

 Auf hohem Niveau, wissenschaftlich fundiert, gut geordnet und gestaltet, aber nicht theoretisch trocken, sondern angenehm und kurzweilig, mit Überlegung dargeboten, beleuchtete Jung auch Seiten im Leben von Richard Strauss, die ihn vielleicht als zwiespältigen Charakter betrachten lassen, aber aus oft schwierigen Situationen heraus zu verstehen sind. In Gedenkjahren wird gern ein „Heiligenschein“ um die Komponisten gewoben. Jung „kratzte an den Klischees“, gab aber immer der Wahrheit die Ehre, um Strauss realistisch mit seinen „drei Leben“ darzustellen, eines als Komponist, eines als international berühmter und begehrter Dirigent und eines als liebevoller Vater.

 Wohl jeder Musikfreund meint, das Leben von Strauss zu kennen, jeder aus seiner individuellen Sicht. Es gibt reichlich Dokumente, Veröffentlichungen, Vorträge usw., aber Jung hatte sehr intensiv recherchiert und neue Aspekte und Seiten entdeckt. Wer weiß schon, dass für Richard Strauss in Griechenland Strauss-Festspiele und der Bau eines Festspielhauses vorgesehen waren, was allerdings durch Regierungswechsel vereitelt wurde. Lars Jung gelang es, in seinem Vortrag immer wieder wenig bekannte Begebenheiten und unbekannte Details zu beleuchten, die Strauss nicht als „Helden“, sondern als Mensch und Genie, selbst in einer äußerst schwierigen Zeit zeigten, in der ihm und seiner Familie nicht selten das Glück und sein Bekanntheitsgrad zu Hilfe kamen. Strauss und seine Familie lebten während der NS-Zeit nicht nur auf einer „Insel der Seligen“. Am Ende stand auch seine Schwiegertochter auf einer Liste zur Deportation. Dass es nicht mehr dazu kam, war einem der Familie wohlgesonnenen, hochrangigen Beamten zu verdanken, der die Personalien heimlich zurückhielt. So gäbe es noch viele Episoden und Begebenheiten zu erwähnen, wie sein anfangs reges Verhältnis zu Wagners Werk – „theoretisch“ und Cosima und „Wahnfried“ – „praktisch“.

 Strauss, einst mächtigster Musiker Deutschlands, durchlebte eine bewegte Zeit mit mehreren Brüchen und Umbrüchen. Als er 1894 in einer lokalen Monarchie das Licht der Welt erblickte, begnügten sich die Menschen noch mit Öllampen. Als er 1949 starb, war das Atomzeitalter angebrochen mit Elektrifizierung, internationalem Flugverkehr und Telekommunikation.

 Sein individueller und musikalischer Werdegang wurde durch, kongenial zum Text ausgewählte, weniger oft gesungene oder auch bekannte Lieder wie „Rote Rosen“, „Die erwachte Rose“, „Begegnung“, „Muttertändelei“, „Du meines Herzens Krönelein“ und „Ich wollt ein Sträußlein binden“ sehr anschaulich durch Ute Selbig zum Ausdruck gebracht. Ihre schöne Sopranstimme, mit der sie Opernhäuser und große Kirchen füllen kann, hatte sie wunderbar auf den intimen Raum eingestellt und interpretierte die Lieder so feinsinnig, mit solcher Innigkeit und Schönheit und noch dazu mit ausgezeichneter Artikulation, Intonationsreinheit und feinstem Pianissimo, dass sich bei ihrer Ausstrahlung die Lieder neu erschlossen. Trotz Opernkarriere hat sie sich auch den Liedgesang bewahrt. Die Stimme und ihre Art zu singen, schienen selbst für diesen kleineren Raum wie geschaffen. Mit besonderer Innigkeit sang sie Strauss‘ (aller-)letztes Lied „Malven“, das er noch nach den „Vier letzten Liedern“ komponierte, um es Maria Jeritza, die die Uraufführung der „Ägyptischen Helena“ sang, zu widmen. Den Abschluss bildete das besonders sanft gesungene „Allerseelen“, das in dieser Zartheit noch lange nachklang.

 Die perfekte Ergänzung am Klavier war Jobst Schneiderrat, ein idealer, viel gefragter Liedbegleiter. Im Gegensatz zu sehr vielen Pianisten, die in diesem, nicht allzu großen, Raum ihren, für große Säle bestimmten, Anschlag nicht „dimmen“ konnten, war Jobst Schneiderrat der ideale Begleiter, ganz auf die Solistin und den Raum eingestellt, um die Stimmung der Lieder aufzunehmen und wie eine zweite Stimme am Klavier zu ergänzen, so dass auch der Klavierpart zum besonderen Hörgenuss wurde.

 Man kann nur hoffen und wünschen, dass dieser Abend an anderer Stelle noch vielen Menschen zum Erlebnis werden kann.

 Ingrid Gerk

 

 

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