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COSWIG/ Villa Teresa. „SCHLÄFT EIN LIED IN ALLEN DINGEN“. Trio Amanti della Musica/ Nicole Heesters

14.11.2015 | Konzert/Liederabende

Coswig/ Villa Teresa: „SCHLÄFT EIN LIED IN ALLEN DINGEN“ 13.11.2015

Schon der Titel (eine Verszeile aus einem Gedicht von Joseph von Eichendorff) klingt wie Musik. Umrahmt vom Trio Amanti della Musica bot Nicole Heesters einen köstlichen musikalischen Abend. Eigentlich ist sie Schauspielerin und bekannt von ihren Theaterrollen und Filmen (u. a. „Ein Sommer in Paris“ und „Zeit zu leben“), aber bei ihrem „Vortrag“ lag so viel „Musik“ und Musikalität „in der Luft“ – nicht nur der gelesenen Literatur wegen -, dass man ihn den „Kammerabenden“ zurechnen möchte. Als Tochter von Johannes Heesters und der Opernsängerin Louisa Ghijs war ihr die Musikalität bereits in die Wiege gelegt.

„Ohne Musik fehlt mir etwas. Wenn ich Musik höre, fehlt mir noch mehr“ begann sie ihre „Lesung“ voller Energie, Humor und Esprit. In ihren Worten mit und ohne Musik, ergänzt von der Musik oder als Ergänzung zur Musik, schwang so viel Melodiösität in der Sprache mit, die schließlich in dem leise gesungen: „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines Stückchen Glück … irgendwo, irgendwie, irgendwann“ ihre Erfüllung fand.

In den literarischen Texten von Bettina Brentanos (von Arnims) „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ über Gedichte von August Heinrich Hoffman von Fallersleben, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Joachim Ringelnatz, Hermann Hesse, Joseph von Eichendorff, Thomas Bernhard und immer wieder auch Ingeborg Bachmann wechselte Heiteres mit Ernsthaftem, Witziges mit Nachdenklichem, und alles bezog sich auf die Musik.

Nicole Heesters las und rezitierte mit sehr viel Charme und Ernsthaftigkeit, plauderte fast familiär, mal leicht burschikos, mal liebenswürdig, aber immer sehr charmant. Ihre Sprache ist wie Musik, unaufdringlich, ungekünstelt und doch die ganz große Kunst, bei der auch die leisesten Worte zu verstehen waren.

Die drei Herren des Trios, Willy Freivogel – Querflöte, Rainer Schumacher – Klarinette und Siegfried Schwab – Gitarre „streuten“ passend und sehr gut abgestimmt, kleinere Stücke von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Maria von Weber zwischen die Texte, bekannte und unbekannte, gefällige und ernsthaftere, meist sehr beliebte und nicht selten „Ohrwürmer“, im allgemeinen „leichtere Kost“, aber immer genau passend zu den Texten. Schließlich „würzten“ sie den Abend mit rhythmisch pointierten, leicht jazzigen Klängen, u. a. von George Gershwin und Astor Piazolla mit seinem Tangorhythmus. Die Besetzung mit Flöte, Gitarre und Klarinette mutete zunächst etwas kurios an, aber es klang gut.  

Noch einmal wiederholte Nicole Heesters die Eingangsworte zum Abschluss des Abends: „Ohne Musik fehlt mir etwas. Wenn ich Musik höre, fehlt mir noch mehr – Aus!“ – und wie sie das Wort „Aus!“ sagte, unwiderlegbar und doch so charmant. Damit schloss sich der Kreis, dem man gern noch länger zugehört hätte, so kurzweilig, abwechslungsreich und engagiert interpretierte sie die Worte der Dichter und Schriftsteller – und Schriftstellerinnen, manchmal leicht burschikos, manchmal liebevoll und mit verschmitztem Humor, aber immer mit viel Charme.

Ingrid Gerk    

 

 

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