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COSWIG/ Villa Teresa: „ALMAS LIEBESTOD“ – ZUM 50. TODESTAG VON ALMA MAHLER-WERFEL

22.11.2014 | Konzert/Liederabende

 

Coswig/Villa Teresa: „ALMAS LIEBESTOD“ – ZUM 50. TODESTAG VON ALMA MAHLER-WERFEL 21.11.2014

 Unbenannt

Für jeden Musikfreund ist Gustav Mahler ein Begriff, aber wer denkt schon an seine Ehefrau, die kapriziöse Alma Mahler-Werfel. Sie fühlte sich zeitlebens als eine (verhinderte) „bedeutende Komponistin“, wie sie in ihren Memoiren schrieb, verhindert schon deshalb, weil Gustav Mahler vor der Hochzeit von ihr verlangte, dass sie völlig auf jedes Komponieren verzichten sollte, was sie denn auch schweren Herzens tat.

Dennoch zeugen einige ihrer Lieder, die jetzt gelegentlich in Liederabenden erklingen, davon, dass sie so Unrecht nicht hatte. Ob nun bedeutende oder weniger bedeutende Komponistin, aus heutiger Sicht sind diese Lieder nicht unbedeutend und ein Beispiel für komponierende Frauen in der Vergangenheit. Seit Sängerinnen wie Evelyn Herlitzius und Ruth Ziesak einigeihrer 17 erhaltenen Lieder mit in ihr Liederabend-Programm nahmen, ist man geneigt, sie zumindest für eine interessante Komponistin zu halten. Sie komponierte mehr als 100 Lieder. Die meisten ihrer Kompositionen wurden jedoch von ihr selbst vernichtet oder gingen im 2. Weltkrieg verloren.

Sie war aber auch Komponistengattin von Gustav Mahler, Architektengattin des Bauhausgründers Walter Gropius und Schriftstellergattin von Franz Werfel sowie Mutter von 4 Kindern, von denen drei frühzeitig starben. Söhnchen Martin wurde nur einige Tage alt, Tochter Maria Mahler starb mit 4 Jahren an Diphtherie und Manon Gropius, die für sie „so zart, so fein“ war, obwohl ein normales Kind, mit 19 Jahren an Kinderlähmung. Ihr widmete Alban Berg sein Violinkonzert „dem Andenken eines Engels“. Nur ihre Tochter Anna Mahler, die Bildhauerin, wurde 84 Jahre alt. Alma überlebte nicht nur zahlreiche Geliebte, sondern auch zwei ihrer Ehemänner.

 Sie war mit vielen berühmten europäischen Künstlern und Schriftstellern des 20. Jahrhunderts bekannt, die Muse manches Komponisten und Malers, Freundin von Hans Pfitzner und Franz Schreker und Gefährtin,Muse und Modell des MalersOskar Kokoschka. Als Gastgeberin künstlerischer Salonsversammelte sie in Wien wie später in New York, Künstler und Prominente um sich, und sie wurde vielfach porträtiert und ging in zahlreiche Kompositionen bedeutender Komponisten wie Gustav Mahler und Alexander von Zemlinsky ein. Ernst Krenek, Alban Berg, Erich Wolfgang Korngold und Benjamin Britten widmeten ihr ihre Werke. Vor allem aber war sie die letzte große Femme Fatale Wiens, über die in den europäischen Salons hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde und als die sie noch bis vor kurzem fast ausschließlich bekannt war.

 Anlässlich ihres 50. Todestages – sie starb 89jährig 1964 im New Yorker Exil – ließ Steffi Böttger, freischaffende Schauspielerin, in ihrem Kammerspiel„Almas Liebestod“, das Leben der Alma-Mahler-Werfel wie in einer Retrospektive in Episoden aus der Sicht ihrer engsten und langjährigen Hausangestellten und Vertrauten, Agnes Ida Gebauer, Revue passieren, die u. a in der Nazizeit für Alma Werte, Kunstschätze, Briefe von bedeutenden Persönlichkeiten und Geld ins Ausland schmuggeln und ein nächtelanges Gestapo-Verhör erdulden musste.

Ursprünglich war sie als Kindermädchen für Almas Tochter Manon engagiert worden, aber sie begleitete Alma bis zu ihrem Tod und ertrug klaglos und mit der Gelassenheit einer guten Krankenschwester alle ihre Launen. Denn, je älter Alma wurde, je einsamer es in ihren letzten Jahren um sie war, desto stärker beharrte sie darauf, „das schönste Mädel Wiens“ zu sein und forderte Huldigungen und gesellschaftlichen Glanz mehr denn je zuvor. Im ganzen Haus gab es keine Spiegel, damit sie ihre Schönheit in Erinnerung behalten konnte. Nur wenn Besuch kam, lebte sie auf.

 In dem Ein-Personen-Stück, zu dem Steffi Böttger ausführlich recherchiert hat, ist Alma als betagte alte, leicht verwirrte,dem „Benediktiner“ verfallene „Dame“ mit unausstehlichen Launen, die keine Ruhe gibt,im amerikanischen Exil hinter der Tür gedacht und „spielt“ indirekt mit.

 Steffi Böttcher spielte die Rolle der Ida alias „Schuli“, wie sie von der kleinen Manon und dann auch von den Erwachsenen genannt wurde, weil sie wollte dass das Kind zur Schule geht und nicht nur von ihrer Mutter unterrichtet würde, mit Natürlichkeit, durchaus anschaulich, glaubhaft und auch humorvoll.

KonstanzeHollitzer, u. a. Robert-Schumann-Preisträgerin, spielte dazu als „stumme“Klavierspielerin mit erstarrtem, scheinbar teilnahmslosem Gesicht, weil sie in der Rolle angeblich „nichts versteht“ Kompositionen, zu denen Alma eine besondere Beziehung hatte: „Claire de lune“ von Claude Debussy, Gustav Mahlers„Adagietto“ aus seiner„5. Sinfonie“, „Isoldes Liebestod“ von Richard Wagner, den sie für das größte musikalische Genie aller Zeiten hielt – „sie spielte Wagner rauf und runter, wenn ihr erotisch zumute war“ -in der Klavierbearbeitung von Franz Liszt und Motive aus Liedern von Alma Mahler-Werfel.

Im Gegensatz zur gut verständlichen Sprache von Steffi Böttger in „normaler“ Lautstärke wirkten die Klavierbeiträge trotz geschlossenem Flügelim relativ kleinen „Salon“ der Villa Teresa etwas hart, nüchtern und mehr auf Technik orientiert, obwohl gutphrasiert,eben so, wie die Rolle angelegt ist.

 Obwohl Alma Mahler-Werfel Österreicherin war, die Tochter des österreichischen Landschaftsmalers Emil Schindler und Stieftochter des ebenfalls bedeutenden österreichischen Maler Carl Moll (Wiener Sezession), ging sie mit den jüdischen Künstlern, mit denen sie lebte und verkehrte ins Exil. Ihr Leben voller Skandale, Triumphe und Niederlagen nahm sie mit in die neue Welt.

 Sie hatte ihre Männer immer nach deren künstlerischen und geistigen Fähigkeiten und Talenten ausgewählt, auch wenn sie äußerlich keine Schönheiten waren, als könnte sie sich ihn deren Erfolgen realisieren. Sie sagte immer „Alles, was ein Mann schöner ist als ein Aff‘, ist Luxus. Für sie war Bewunderung des Genies und „irdische“ Liebe eins.

 War sie nur eine eitle Dame der Gesellschaft in Selbstüberschätzung oder eine intelligente Frau, die sich aufgrund der gesellschaftlichen Konventionen nicht selbst verwirklichen konnte und es deshalb mit Hilfe ihrer erotischen Reize und ihres Geschicks im Umgang mit Männern trotzdemüber die berühmten Männer ihrer Zeit zu realisieren versuchte, – oder beides?

 Ingrid Gerk    

 

 

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