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Constanze Dennig: ABGETAUCHT

01.09.2014 | buch

BuchCover Dennig, Abgetaucht jpg

Constanze Dennig:
ABGETAUCHT
Alma Liebekinds 1. Fall
Ein Wien-Krimi
288 Seiten, Amalthea Verlag, 2014

Die Heldin des Buches, Dr. Alma Liebekind-Spanneck (wir erfahren so viel über sie, aber der pompöse Familienname wird nie erklärt), hat einiges mit ihrer Autorin Costanze Dennig gemeinsam. Die in Linz Geborene ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, übt den Beruf aber offenbar nicht mehr aus, sondern tut sich anderswo um: beim Puppenspielen (sie baut selbst Klappmaulpuppen, wie man dem Klappentext des Romans entnehmen kann) und beim Schreiben.

Nun, Alma ist auch Psychiaterin, führt eine Privatordination und nennt das Unglück ihrer Patienten „Luxus“ (schließlich müssen sie es sich leisten können, dafür zu bezahlen, dass sie sich ausjammern können, vage Ratschläge und konkrete Medikamente erhalten) – viel hat sie für die armen Leute, die da in ihre Praxis kommen, offenbar nicht übrig. Vor ihrem Beratungszimmer wacht als Zerberus ihre Mutter, die – wie sich schnell herausstellt – eine Hauptrolle im Geschehen spielt: Die Mutter-Tochter-Beziehung ist eng, schwerst konfliktbefrachtet, wird von der Mutter souverän manipuliert und von der Tochter in aller Hilflosigkeit nicht bewältigt. Kurz, Mutter mag noch so alt sein (Alma ist ja um die 40 auch nicht mehr die Allerjüngste), sie bestimmt über die Tochter, füttert sie, sie mischt sich in alles hinein und ist überall dabei.

Zweites Problem unserer Psychiaterin: ihr Liebhaber Michael, etwas jünger, vor allem aber von jener klassischen impressionistischen Lebensweise und damit verbundenen Unzuverlässigkeit, die Frauen rasend macht. Zumal, wenn sie zur Eifersucht neigen.

Damit man endlich zum Kriminalfall kommt: Alma arbeitet über die Motive von Selbstmördern und kann sich im Fall einer jungen Schauspielerin, die offensichtlich freiwillig ins Wasser gegangen ist, eigentlich nicht vorstellen, warum sie es getan haben soll. Die Recherche führt sie in das Puppentheater, in dem die Tote gearbeitet hat, da gibt es einen dämonischen, guru-artigen Leiter der Truppe, der ihr sofort nachstellt, aber seltsame Gestalten tauchen auch im Umfeld der Toten auf.

Glücklicherweise kann Alma immer einen Gerichtsmediziner umgurren, der zu ihren Verehrern zählt und ihr illegal irgendwelche Untersuchungsergebnisse zuschiebt, und wie sie ihre Freundin, die Polizeikommissarin Erika darstellt – na, kein Zweifel, dass es solche gibt, aber eine Zierde ihres Berufsstandes sind sie nicht.

Man trifft sich am Naschmarkt auf einen Drink, und Alma, ohne Auto mit Öffis unterwegs, sagt immer wieder, wie sie von hier nach dort kommt – Wien als Kulisse, wie es sich für das Wien-Krimi-Genre gehört (nur einmal verwechselt die Autorin auf der Ringstraße die Gebäude auf der linken und der rechten Seite, aber das passiert und fällt nur I-Tüpferl-Reitern auf).

Die absolut flotte, kaltschnäuzige Art, mit der Costanze Dennig – und folglich auch Ich-Erzählerin Alma – die Welt sieht, hat absolut etwas Amüsantes. Und der Verlag ist ja offenbar a priori genug von dieser Heldin überzeugt, um dieses Buch als 1. Fall anzukündigen, was notwendig impliziert, dass es einen zweiten (und dritten usw.) gibt. Kein Zweifel, dass man Almas nüchterne Betrachtungen der Welt wieder gerne lesen wird. Nur eines bitte – weniger Mama und Liebhaber, die nerven nämlich nach und nach, und mehr Krimi-Handlung!

Renate Wagner

 

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