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CHEMNITZ: FUNNY GIRL – Musical von Jule Styne. Premiere

04.05.2014 | KRITIKEN, Operette/Musical

Musical in Chemnitz: „Funny Girl“ von Jule Styne (Premiere: 3. Mai 2014)

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Frederike Haas spielte, tanzte und sang die Titelrolle (Foto: Dieter Wuschanski)

 Am Theater Chemnitz hatte am 3. Mai 2014 in Koproduktion mit dem Theater Dortmund und dem Staatstheater Nürnberg „Funny Girl“ von Jules Styne Premiere. Das Libretto des Musicals, das auf eine wahre Geschichte zurückgeht und in deutscher Sprache (Übersetzung: Heidi Zeming) gezeigt wird, verfasste Isobel Lennart, die Songtexte stammen von Bob Merrill. Die Uraufführung in Boston im Jahr 1964 mit der jungen Barbra Streisand als Fanny Brice wurde ein sensationeller Erfolg, sodass das Musical postwendend an den Broadway ging und dort bis Juli 1967 insgesamt 1348 Vorstellungen erlebte. Die Verfilmung mit Barbra Streisand und Omar Sharif als Nick Arnstein wurde mit einem Oscar ausgezeichnet und zählt inzwischen zu den Klassikern der Filmgeschichte.

 Die Handlung: Die Revuelegende Fanny Brice bereitet sich in ihrer Garderobe auf ihren Auftritt vor und lässt ihre Vergangenheit an sich vorbeiziehen. Als sie vor zehn Jahren noch in ärmlichen Verhältnissen lebte, träumte sie, ein Showstar zu werden. Als es ihr mit Hilfe ihrer Mutter gelingt, im Theater eine Solonummer zu bekommen, begegnet sie nach der Premiere Nick Arnstein, der auf sie mit seiner charmanten Art einen tiefen Eindruck hinterlässt. Sie hat Erfolg und erhält bald einen Vertrag bei den legendären Ziegfeld Follies. Nach der erfolgreichen Premiere gesellt sich auch Nick Arnstein zu den Gratulanten. Sie lädt ihn kurzerhand zur Premierenparty, die ihre Mutter daheim veranstaltet, ein und verliebt sich in ihn. Nick muss allerdings noch in der Nacht abreisen, um sich seiner Pferdezucht in Kentucky zu widmen. Monate später taucht er in Baltimore unerwartet auf und erobert Fanny endgültig, worauf sie das Ensemble verlässt, um Nick zu heiraten. – Fanny bekommt ein Baby und Nick kauft ein Haus auf Long Island, das Familienglück scheint perfekt. Als Nick in Florida ein Spielcasino zu eröffnen plant, sucht er hiefür Geldgeber. Als Ziegfeld eine Beteiligung ablehnt, investiert Fanny den Großteil ihres Vermögens. Doch der Plan scheitert an einem Hurrikan, der das Casino hinwegfegt. Zwar versucht Fanny, ihm wieder finanziell unter die Arme zu greifen, doch Nick fühlt sich in seiner Ehre gekränkt und lässt sich auf ein dubioses Schuldscheingeschäft ein, wird des Betrugs überführt und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Als er entlassen wird und Fannys Garderobe betritt, gibt es kein Happyend. Beide müssen feststellen, dass sie weiter voneinander entfernt sind, als je zuvor.

Stefan Huber orientierte sich bei seiner Inszenierung wohl nach amerikanischen Vorbildern und schuf eine flotte Tanzrevue, bei der sich das Tanzensemble bestens in Szene setzen konnte und dabei auch von der kreativen Choreographie (Danny Costello) profitierte. Die Gestaltung der Bühne, wo auch eine Treppe nicht fehlen durfte, oblag Harald B. Thor, die hübschen, teils pompösen Kostüme entwarf Susanne Hubrich.

Dass es eine Vorstellung für Schwerhörige würde, war zu befürchten. Das Orchester, die Robert-Schumann-Philharmonie, spielte unter der Leitung von Tom Bitterlich zeitweise so laut, dass „Ohrenschützer“ notwendig gewesen wären. Leider hat diese Unsitte inzwischen bei fast allen Musical-Produktionen Platz gegriffen, nicht nur in Deutschland! Nebeneffekt war, dass fast alle Sängerinnen und Sänger ihre Arien schrien, obwohl sie ohnehin mit Wangenmikrophonen ausgestattet waren. Dass Lautstärke kein Qualitätsmerkmal ist, sollte sich eigentlich bereits herumgesprochen haben.

Frederike Haas spielte die Titelrolle, den Revuestar Fanny Brice, mit heftiger Leidenschaft und großem Temperament. Hätte der Dirigent die Lautstärke des Orchesters bei ihren Arien zurückgenommen, wären vermutlich ihre „Stimmkrücken“ überflüssig gewesen! Matthias Otte gab die zweite Hauptrolle, den elegant-charmanten Nick Arnstein. Auch er war schauspielerisch sehr gut – mit ausdrucksstarker Mimik und angenehmer Stimme. Gabriele Ramm, eine Vollblut-Musicaldarstellerin – sie spielte einst auch an der Wiener Volksoper – gab Fannys Mutter Rose. Sie legte ihre Rolle sehr humorvoll und komödiantisch an. Desgleichen Marc Seitz als Eddie Ryan, Fannys Freund und Choreograph am Theater, der auch tänzerisch seine Qualitäten unter Beweis stellen konnte. Der elegante, großgewachsene Bariton Matthias Winter spielte Florence Ziegfeld jr., den Eigentümer der legendären Ziegfeld Follies souverän und sympathisch.

Aus dem großen Ensemble, das durch ambitionierten Einsatz für den Erfolg der Produktion seinen Anteil hatte, seien noch genannt: Sylvia Schramm-Heilfort, Monika Straube, Kerstin Randall, Susanne Müller-Kaden und Ute Geidel genannt, die alle in mehrfachen Rollen (bis zu fünf!) auf der Bühne standen.

 Das Premierenpublikum war von den Leistungen der Akteure angetan und belohnte alle Mitwirkenden sowie das Regieteam minutenlang mit starkem, rhythmischem Applaus. Für Frederike Haas, die Darstellerin der Titelrolle, gab es einige Bravorufe.

 Udo Pacolt

 

 

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