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CD Michael Spyres – A Fool For Love

04.01.2012 | cd

Michael Spyres – A Fool For Love
Audio CD / DELOS RECORDS / DE 3414
Constantine Orbelian / Moscow Chamber Orchestra

Wer heutzutage Karriere machen will, muss auf dem Tonträgermarkt dabei sein, und der Amerikaner Michael Spyres, der jetzt schon (vermutlich ist er um die 30) dafür sorgt, sein Alter nicht zu verraten, legt eine CD mit 14 „Love Songs“ aus der Welt der Oper vor.

Er stammt aus Mansfield, Missouri, und dass er auch am Wiener Konservatorium studiert hat, hört man aus seinem ausgezeichneten Deutsch (ohne „american accent“), mit dem er am Ende der CD Lehar singt. 2006 hat er in Europa, in Neapel, debutiert, und seither ist er in kleineren Rollen (etwa Jacquino) an größeren Häusern und in größeren Rollen an kleineren Häusern tätig. Für 2012 stehen Rom (mit Bernsteins Candide), die heimatliche Minnesota Opera, die Comique in Paris, New York (noch nicht die Met), im Sommer Pesaro, im Herbst dann eine Tournee mit dem Tenorpart in Beethovens „Missa“ und „Neunter“ (Gardiner und die Londoner) auf seinem Programm. Entschlossen auf dem Weg nach oben.

Entschlossen auch, auf der CD möglichst viel hören zu lassen, mit dem Ergebnis, dass einiges überzeugend und einiges weniger überzeugend an den Hörer kommt. Er singt die Italiener Rossini und Donizetti, Verdi und Puccini sowie Cilea, er wagt sich an Mozart, hat die Franzosen drauf (Massenet, Bizet), bietet zwei Slawen (vielleicht eine kleine Verbeugung vor dem Moscow Chamber Orchestra, mit dem er die Aufnahme gemacht hat, die ihn unter Constantine Orbelian hervorragend begleiten) und schließlich Richard Strauss und Lehar. Kurz, er qualifiziert sich für vieles.

Fakt ist: das ist eine leichte, helle Stimme, die im Belcanto-Fach vermutlich anstrebt, auf der Florez-Straße zu schreiten. Dennoch mag es nicht die beste Idee sein, ausgerechnet mit der Parade-Arie aus der „Fille du regiment“ zu beginnen („Ah! mes amis, quel jour defete ? Pour mon ame“), da er zwar die „Ds“ bringt, aber keineswegs so strahlend und überzeugend, dass man aufhorchen würde. Dramaturgisch mehr als seltsam scheint es, darauf eine (entbehrliche, nicht wirklich aussagekräftige) kurze Szene von Strawinsky (aus „The Rake’s Progress“) zu bieten. Dann kommt Rossini („Cessa di piu resistere“ aus dem „Barbier“), um die Beweglichkeit der Stimme unter Beweis zu stellen: Ja, die Technik ist in Ordnung, er kann Triller und Koloraturen, nur wenn ihm der eine oder andere Übergang schwer fällt, leidet die Qualität der Stimme kurzzeitig.

Aber nicht die quriligen, virtuosen Nummern liegen Spyres am besten, sondern die lyrischen – Nemorinos „Una furtiva lagrima“, Werthers „Pourquoi me reveiller“ sind die schönsten Szenen der CD, und auch die extrem hohe Tessitura von „Je crois entendre encore, cache sous les palmiers“ aus Bizets „Perlenfischer“ meistert er ordentlich. Und erstaunlich der lange Atem, mit dem er sich an Don Ottavios „Il mio tesoro“ wagt und reüssiert (wenngleich Mozart-Freunde vermutlich sofort in hektische Stil-Diskussionen eintreten werden).

Wo Spyres sich übernimmt, eindeutig mit dem Rigoletto-Herzog, auch mit dem Rudolf, natürlich auch mit „Di rigori armato il seno“ aus dem „Rosenkavalier“, weist er darauf hin, dass seine Stimme noch lange nicht die Kraft, den Umfang, die Strahler-Qualitäten hat, die diese „Pavarotti-Partien“ (ja, auch die Strauss-Arie ist eine solche!) erfordern.

Tapfer wagt er sich an den Lenski, aber der Charakter seiner  Stimme passt gar nicht zu Tschaikowsky, und für „Dein ist mein ganzes Herz“ reicht es auch vom Stimmcharakter noch nicht, wenngleich er gefühlsmäßig gelernt hat, Lehar zu schmelzen und zu schmalzen.

Kurz, da ist ein junger Tenor noch auf dem Weg, er soll sorgfältig prüfen, wo er hingeht. Es ist sinnlos, jetzt schon Dinge zu wollen, für die ihm noch die Voraussetzungen fehlen, aber im lyrischen italienischen und französischen Fach kann er schon mitspielen.

Renate Wagner

 

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