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CD LUDWIG van BEETHOVEN „MUSIKEN FÜR DAS THEATER“ Vol. 3, CAPPELLA AQUILEA, MARCUS BOSCH

EGMONT, WELLINGTONS SIEG, CORIOLAN, DIE WEIHE DES HAUSES, ZUR NAMENSFEIER  

15.08.2021 | cd

CD LUDWIG van BEETHOVEN „MUSIKEN FÜR DAS THEATER“ Vol. 3, CAPPELLA AQUILEA, MARCUS BOSCH

 

EGMONT, WELLINGTONS SIEG, CORIOLAN, DIE WEIHE DES HAUSES, ZUR NAMENSFEIER

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 Alle guten Dinge sind drei: Marcus Bosch hat sich mit Sinn für Dramatik, Kante und heroischer Geste bereits zwei mal an Musik von Beethoven, die überwiegend iZm dem Theater komponiert wurde, gemacht. Nach Raritäten wie „König Stephan“ oder „Die Ruinen von Athen“ sind diesmal neben „Egmont“, „Coriolan“ oder „Die Weihe des Hauses“ auch das militärkapellmeisterlich imposante Stück „Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria“ dran, sein zu Lebzeiten erfolgreichstes Werk. 

 

Zentral im Album steht natürlich Beethovens Musik zu Goethes Trauerspiel „Egmont“: Zum Rührstück um den niederländischen Graf Egmont, der mit seinem Widerstand gegen die Tyrannenherrschaft des Herzogs Alba scheitert und hingerichtet wird, schuf Beethoven eine grandiose Ouvertüre, zwei Lieder Klärchens („Die Trommel gerühret“, „Freudvoll und leidvoll“), ein Zwischenspiel, zwei mal Larghetto, ein Poco sostenuto, das Melodram „Süßer Schlaf“ und  zum Schluss die pathetisch jubelnde Siegessymphonie. Wir haben es mit einer bühnenwirksam effektvollen Musik zu tun, der man sich schwer entziehen kann. Neben dem Sopran (hier Raffaela Lintl mit dramatischer Attacke, aber wenig Poesie) ist der Sprecher besonders wichtig, verbindet er doch die Musikstücke deklamatorisch mit Texten von Friedrich Mosengeil/Franz Grillparzer. Die Kürzungen hat Stephan Knies vorgenommen. 

 

Der junge Frederic Böhle hat eine schöne Sprechstimme, aber das Heroische will ihm nicht marktschreierisch genug von den Lippen. Außerdem wurde er von der Tontechnik dermaßen stiefmütterlich behandelt, dass man ihn nach den im Vordergrund dröhnenden Orchesterentladungen kaum hört. Vor allem im Melodram (Nummer 8) ist die Stimme der hallig faserigen Akustik wegen beinahe unhörbar. Schade. Besonders weil Marcus Bosch mit Theaterpranke das Projekt-Ensemble Cappella Aquilea – es ist das Orchester der Opernfestspiele Heidenheim – zu Höchstleistungen animiert. Das Ensemble praktiziert in kammersinfonischer Besetzung historisch informierte Konzerte mit Schwung und Spannung.  

 

In der Konzertouvertüre „Coriolan“ entfesselt Bösch das rein instrumentale Drama rund um den inneren Konflikt des römischen Patriziers Coriolan, der der Macht willen sogar Rom angreifen will. Das Herzchen wurde aus der Stadt verbannt, weil er nach dümmlichen Auseinandersetzungen mit den Plebejern versucht hat, dem Volk durch eine Hungerkur seinen Willen aufzudrücken. Seine Mama und seine Frau können dieses unsinnige Machogehabe in letzter Minute verhindern. Ist ja doch ein echtes Italienerkind dieser Coriolan, dessen Unvernunft, Tyrannei und Stolz dort enden, wo die Mama fleht. Im Stück des Wiener Autors Heinrich Joseph von Collin bringt sich der zerrissene Held kurzerhand um. Beethoven „lässt den dramatischen Schwung der Musik in kargen Pizzicati verenden.“

 

Eine Rarität ist die Ouvertüre „Zur Namensfeier“ Op. 115. Sie war gedacht für die Namenstagsfeier des Kaisers Franz I. im Jahr 1814. Natürlich lieferte Beethoven verspätet ab, die Uraufführung 1815 fand ohne Konnex zum allerhöchsten Namenstag statt. 

 

Besonders packend gerät Bösch der Zweiteiler „Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria“. Historischer Background: Der Duke of Wellington besiegte am 21. Juni 1813 die französischen Truppen in Spanien. In Wien jubelte man über diesen Wendepunkt im napoleonischen Machtrausch. Beethoven schrieb zuerst ein Schlachtenpanorama für ein mechanisches Panharmonikum, das er alsbald instrumentierte. Mit Trompeten, Trommeln, Hörnern und Holzbläsern, und donnernden Kanonensalven, versteht sich. Märsche und Fanfaren mit 3 D Raumwirkung sozusagen. Bei der Uraufführung haben Johann Nepomuk Hummel und der junge Giacomo Meyerbeer getrommelt, Antonio Salieri gab als Subdirigent die Einsätze. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo am 18.6.1815 war das pompöse Stück erst recht populär und wurde allerorts gespielt. 

 

Fazit: Eine orchestral tolle CD. Der Dirigent haut genau dort plakativ drauf, wo sich das eben so gehört. „Egmont“ leidet massiv unter der akustischen Unterversorgung des Sprechparts.

 

Dr. Ingobert Waltenberger 

 

 

 

 

 

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