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CD EMANUEL MOÓR – Konzert für zwei Violoncelli und Orchester; Kammermusik für Violoncello und Klavier; OEHMS CLASSICS

Ungarischer Meister der Spätromantik: Zauberer der melodischen Invention

22.04.2020 | cd

CD EMANUEL MOÓR – Konzert für zwei Violoncelli und Orchester; Kammermusik für Violoncello und Klavier; OEHMS CLASSICS

Ungarischer Meister der Spätromantik: Zauberer der melodischen Invention

Geboren in Kecskemét als Sohn des jüdischen Opernsängers und Kantors Rafael Moór, studierte Emanuel in Budapest und später in Wien u.a. bei Anton Bruckner. Stilprägender für sein kompositorisches Schaffen und karrierefördernder waren aber sein Treffen mit Johannes Brahms 1889 als auch die ebenso nachhaltige Begegnung mit dem katalanischen Cellisten Pablo Casals, der Moór attestierte, nichts weniger als ein „echtes Genie und ein wirklich bedeutender Komponist des 20. Jahrhunderts zu sein“. Emanuel Moór war noch Pianist, der in Europa und auch in den USA Konzerte gab. Später widmete sich Moór der Erfindung von Musikinstrumenten, so etwa eines zweimanualigen Konzertflügels (Duplex- Coupler Grand Pianoforte).

Das Pablo Casals und seiner ebenso das Cello virtuos beherrschenden Geliebten Guilherminia Suggia gewidmete Konzert für zwei Violoncelli und Orchester in D-Dur, Op. 69 steht im Zentrum des neuen Albums der Cellisten Sebastian Hess und David Stromberg. Begleitet werden sie von den Nürnberger Symphonikern unter der musikalischen Leitung von Rudolf Piehlmayer. Dieses melodienselige, aber durchaus mit impressionistischen Orchesterfarben reichlich übergossene viersätzige Konzert geht runter wie Nougatknödel mit Erdbeergelee und Butterbrösel oder ein knusprig schokoladiger Zauner-Stollen aus Bad Ischl. Das Hörvergnügen wird durch das sonor turtelnde Spiel der beiden Solisten aber auch die bestechende Qualität des Orchesters noch erhöht. Die beiden Celli scheinen zuvörderst im Dienst des großen Klangbogens zu stehen als sich scharf konzertierend mit dem Orchester ein dialektisches Kräftemessen zu liefern. Auch die Aufnahmetechnik unterstreicht eher den Mischklang als das umzirkelte Hervorheben der Solostimmen.

Origineller und komplexer in der Struktur ist die dem Cellisten Ludwig Lebell gewidmete Sonate für Violoncello und Klavier in a-Moll, Op. 53 aus dem Jahr 1901. Der großartige Cellist David Stromberg und die nicht minder versierte Irina Zahharenkova am Flügel liefern sich hier ein elegant trippelndes Match auf verschlungenen kontrapunktischen Pfaden.

Beschlossen wird das sehr empfehlenswerte Album mit der Suite für vier Violoncelli in C-Dur, Op. 95. Den Solisten David Stromberg, Niklas Eppinger, Sebastian Hess und Carina Reeves gebührt gleichermaßen der erste Preis in diesem „beauty contest“ an purpurroyalem Celloklang. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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