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BUKAREST/ Opera Națională București: „NORMA“ von V. Bellini.  Festvorstellung zum 220. Geburtstag des Komponisten

04.11.2021 | Oper international

Vincenzo Bellini: Norma • Opera Națională București • Vorstellung: 03.11.2021

 Festvorstellung zum 220. Geburtstag des Komponisten

 (4. Vorstellung • Premiere am 21.10.2021)

 Ein Herbstnachtstraum / A novembernight dream

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Mit der Neuproduktion von «Norma», der ersten nach über dreissig Jahren, hat die Nationaloper Bukarest die Saison eröffnet und der neue Generalmusikdirektor Ethan Schmeisser seinen ausserordentlich erfolgreichen Einstand gegeben. Die Aufführung vom 3. November war dem 220. Geburtstag des Komponisten gewidmet.

Vincenzo Bellini, dem die Vorstellung an seinem 220. Geburtstag gewidmet war, wurde am 3. November 1801 in Catania in eine Musikerfamilie hinein geboren. Der aus der Umgebung von Chieti in den Abruzzen stammende Grossvater Bellinis hatte sich um 1767 in Catania niedergelassen, wo er und sein Sohn Rosario, Bellinis Vater, als Organisten, Komponisten und Lehrer wirkten. Der junge Vincenzo zeigte früh Interesse an der Musik: mit fünf Jahren begann der Klavierunterricht und später der Kompositionsunterricht beim Grossvater, der sich ab 1810 in durch Autographen belegten, ersten Kompositionen niederschlug.1819 ermöglichte ein Stipendium der Gemeinde Catania Bellini die Vollendung seiner Ausbildung am Reale Collegio di Musica di S. Sebastiano in Neapel. Zum Ende seines Studiums wurde 1825 am Theater des Konservatoriums sein Erstling «Adelson e Salvini» uraufgeführt. Der Erfolg kam dem im damaligen Opern-Business Italiens quasi allmächtigen Domenico Barbaja zu Ohren, der ihn mit einem Werk für das Teatro San Carlo beauftragte («Bianca e Gernando») und später an die Scala empfahl («Il pirata»). Von 1827 bis 1833 lebte und arbeitete Bellini in Mailand. Der sensationelle Erfolg seiner ersten Uraufführung an der Scala, «Il pirata» am 27. Oktober 1827, war der Wendepunkt seiner Karriere: mit Felice Romani hatte er «seinen» Librettisten gefunden, mit Giovanni Ricordi «seinen» Verleger und der Kontakt mit der Aristokratie Mailands brachte ihm auch den Kontakt mit den wichtigen Persönlichkeiten der Theaterwelt. Am 26.12.1831 feierte «Norma» ihre Uraufführung an der Scala: das Werk wurde zu einem klassischen Hauptwerk der italienischen Oper. Bei der Arbeit an Bellinis vorletztem Werk «Beatrice di Tenda» kam es zum Bruch mit Felice Romani. Nach einem längeren Aufenthalt in London liess sich Bellini in Paris nieder. Bis im Frühling 1834 musste er auf einen neuen Auftrag warten, der dann doch «nur» vom Théâtre Italien und nicht wie erhofft von der Opéra oder Opéra comique kam. Die Uraufführung von Bellinis letzter Oper «I Puritani» am 24. Januar 1835 wurde zum triumphalen Erfolg: alle weiteren Hoffnung machte dann aber ein erneuter Ausbruch seiner Amöben-Infektion zunichte. Am 23. September 1835 starb Bellini in seinem Landhaus in Puteaux bei Paris.

Die Regie der Bukarester Neuproduktion der «Norma» führte die rumänische Pianistin, Sängerin, Schauspielerin und Regisseurin Alice Barb, Gründungsdirektorin des House of Arts „Dinu Lipatti“. Barb trat als Schauspielerin am Theater „Valea Jiului“ in Petroșani, am Theater „Ion Creangă“, am Theaters „Lucia Sturdza Bulandra“ (1991-1993) und am Odeon-Theater in Bukarest auf und war künstlerische Leiterin am Staatstheater in Oradea, am Theatrum Mundi und am Nationaltheater in Bukarest.

Alice Barb hat ihre Inszenierung in Analogie zu Shakespeares Sommernachtstraum als Herbstnachtstraum angelegt. Im Zuschauerraum, noch bei geschlossenem Vorhang, begrüsst Herbstlaub, das um den Graben arrangiert ist, den Besucher und schafft gleich herbstliche Stimmung für die Oper, deren Handlung sich in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November abspielt. Video-Projektionen von Dilmana Yordanova und Eftimie Gheorghe Ovidiu, die nächtliches Geäst, schwebende Bäume und fliegende Raben zeigen, verstärken die Stimmung und entführen den Zuschauer in den heiligen Hain der Druiden. Bühnenbildner Adrian Damian hat Barb dazu als Einheitsbühnenbild einen zylinderartigen Aufbau mit ungleich hohen Seiten auf die Drehbühne gebaut. Waldgeister (Amyra Badro, Andreea Mirea lancu, Maria Savastre, lsabella Măciucă, Gabriela Durleci, Florin Mihalache, Răducu Milea, Octavia Cristea, Carmen Pândaru und Teodora Karpati) und Elfen (Vanda Elena Rotaru und Constantin Miluţă Rotaru) beleben die Szenerie der zur Blütezeit der Grand Opéra entstandenen und auf einem aktuellen französischen Drama basierenden «Norma». Der eiserne Vorhang, der sich erst während der Ouvertüre hebt, ist trickreich als Schilderwand römischer Legionäre in die Ausstattung integriert. In Barbs Inszenierung «From women for women» ist Norma eine Magierin, die mit der Natur in Kontakt steht und kommunizieren kann und entsprechend übernatürliche Kräfte besitzt. Zugleich ist sie liebende Mutter, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgt. Maria Miu zeichnet für hoch ästhetische, klassische Kostüme verantwortlich. Alice Barb ist eine gleichermassen durchdachte wie sensible Inszenierung gelungen, die die Oper ohne sie zu strapazieren ins 21. Jahrhundert bringt.

Als Norma hat die Nationaloper Bukarest die rumänisch-schweizerische Sopranistin Elena Moșuc als Gast verpflichtet. Moșuc, die parallel an der Nationaloper Iaşi die Violetta Valery gibt, befindet sich in bewundernswerter Form. Die Emotionalität ihrer Darstellung ist immer noch tief bewegend und ihre Stimme hat an Leuchtkraft und Farben noch dazu gewonnen. Moșuc bietet eine Weltklasse-Darstellung der Norma. Oana Andra gibt die Adalgisa szenisch zurückhaltend und ist mit prächtigem Mezzo Mosuc eine würdige Partnerin. Daniel Magdan singt den Pollione, der als Kontrast zur mythischen Welt Normas immer aus dem «weltlichen» Zuschauerraum auftritt, mit wunderbarem heldischen Aplomb und höhensicherem Tenor. Iustinian Zetea singt den Oroveso mit wunderbar strömendem, warmen Bass. Sidonia Nica als Clotilda und Andrei Lazăr als Flavio ergänzen das Ensemble.

Interims-Intendant Daniel Jinga und Adrian Ionescu haben den Chor der Nationaloper Bukarest vorbereitet. Mit beeindruckend stimmgewaltigem Klang begeister er das Publikum.

Ethan Schmeisser, seit dieser Saison Artistic Director (GMD) der Nationaloper Bukarest, hat das Orchester der Nationaloper fest im Griff. Die intensive, erfolgreiche Arbeit ist in jedem Moment hörbar.

Die Nationaloper Bukarest ist gerade im Jubiläumsjahr einen Besuch wert, sei es im Dezember zu «Lohengrin» oder dann im April zu «Don Giovanni» unter Schmeissers musikalischer Leitung.

Weitere Aufführungen: 14.11.2021, 18.30; 20.03.2022, 18.30; 15.05.2022, 18.30; 04.06.2022, 18.30.

Cf. zu dieser Aufführung:

Gespräch mit Daniel Magdal: https://onlinemerker.com/daniel-magdal-meine-liebe-gehoert-dem-singen-gespraech-mit-dem-tenor-daniel-magdal-anlaesslich-der-norma/

Gespräch mit Ethan Schmeisser:

 

07.11.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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