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BUKAREST: ENESCU-FESTIVAL

22.09.2015 | Konzert/Liederabende

BUKAREST : ENESCU FESTIVAL am 18., 19. und 20.9.2015

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Seit nunmehr 14 Jahren ist Altstaatsoperndirektor Ioan Holender künstlerischer Leiter des alle zwei Jahre stattfindenden George Enescu Festivals in Bukarest. Da er gerade 80 geworden ist, hat er angekündigt, nach der soeben zu Ende gegangenen heurigen Ausgabe seinen Hut nehmen zu wollen. Für seinen Abschied, wenn es denn dann wirklich einer gewesen sein soll, hat er jedenfalls noch einmal massiv alles auffahren lassen, was in der musikalischen Welt Rang und Namen hat.

Vom 30. August bis 20. September waren in der rumänischen Hauptstadt folgende internationale Spitzenorchester zu hören gewesen: die Berliner Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden, die Wiener Philharmoniker, das Royal Concertgebouw, Israel Philharmonic, San Francisco Symphony, London Symphony, Monte Carlo Philharmonic, Royal Liverpool und und und…
Dirigiert von : Zubin Mehta, Kristjan Järvi, Simon Rattle, Christian Thielemann, Sebastian Weigle, Gianluigi Gelmetti, Semyon Bychkov, Vasily Petrenko, Andris Nelsons etc.etc….
Unter der Mitwirkung von Solisten wie : Fazil Say,Yefim Bronfman, Murray Perahia, Maria João Pires, Anne Sophie Mutter, Renaud und Gautier Capuçon, Elisabeth Leonskaya, David Garrett, András Schiff, Anja Harteros, Elisabeth Kulman usw.usf…

“ Nicht einmal in Salzburg “ merkt Holender süffisant und nicht ganz unstolz an, gäbe es ein solch geballtes Gipfeltreffen von Weltstars.
Stolz ist er auch auf drei andere Errungenschaften: auf die Umwandlung des historisch bedeutenden George Enescu – Platzes in einen öffentlich und frei zugänglichen Festivalort, darauf, dass fast alle Konzerte im nationalen Fernsehen übertragen werden und auf die Dezentralisierung des Festivals in andere rumänische Städte wie Brasov, Sibiu, Ploiesti und Bacãu.

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Sala Mare Palatului. Foto: Enescu-Festival

Was den ausländischen Gast bei dieser Mega-Veranstaltung immer wieder am meisten überrascht, ist der ungeheure Andrang, die unglaubliche Begeisterung, der nahezu unstillbar scheinende Hunger und Durst der rumänischen Zuhörer nach klassischer Musik.
Hauptveranstaltungsort des Festivals ist die Sala Mare a Palatului, eine von Ceausescu für Parteikongresse der kommunistsichen Partei errichtete Riesenhalle. Diese fasst eigentlich ohnehin schon über 4000 Besucher, und dennoch sitzen an fast allen Abenden auf schon beinahe beängstigend zu nennende Art und Weise jede Menge Menschen auch noch auf Stufen, Stiegen und in den Gängen.

Darüber hinaus halten diese Vollfreaks bei den nach 22 h beginnenden Barockoperndarbietungen manchmal bis sage und schreibe 2h30 in der Früh total enthusiasmiert und anscheinend hellwach durch(was nicht einmal ihr durchaus barocksüchtiger Rezensent von sich behaupten kann) ! Beeindruckend.

Von den Interpretationen, die wir im Laufe von drei Tagen mitverfolgen durften, blieben uns am nachhaltigsten in Erinnerung: Rachmaninovs 3.Klavierkonzert unter Vasily Petrenko, Schostakowitschs 7.Symphonie und Enescus 2. Rhapsodie unter Andris Nelsons.
Sowie natürlich der nächtliche Monteverdizyklus (Ulisse, Poppea) der Academy of Ancient Music unter Richard Edgar).

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Ateneul Roman. Foto: Enescu-Festival

Was in diesem Fall selbstverständlich zum Teil auch am Spielort gelegen sein mag : dem Ateneul Roman. Außen ein strahlend weißer Tempel(vor dem sich unbedingt alle Bukarester Hochzeitspaare photographieren lassen müssen), innen ein prächtiges, aber intimes, farbenfrohes
Rondeau. Ohne jeden Zweifel einer der ungewöhnlichsten, schönsten und akustisch einwandfreisten Konzertsäle der Welt(und dazu noch älter als unser Musikverein). Ein Ort, in dem man sich sofort zuhause fühlt, und den man am liebsten gar nicht mehr(auch nach 2h30 nicht)
verlassen möchte.

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Holender schreibt Autogramme. Foto: Robert Quitta

Holender will sich in Zukunft mehr seinen Konsulententätigkeiten in Tokio und New York widmen sowie seiner Kultour-Sendung auf Servus Tv, die ihm immer noch großen Spaß macht.

Aber wenn man ihn nach Rat und Tat fragt, wird der alte Rumäne seinen ehemaligen Landsleuten wohl nicht vollständig Nein sagen…
Robert Quitta, Bukarest

 

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