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BUDAPEST/ Musikpalast: FRIEDENSTAG und DAPHNE von Richard Strauss

04.10.2015 | Oper

BUDAPEST Musikpalast: FRIEDENSTAG und DAPHNE von Richard Strauss am 3.10.2015

Im Musikpalast an der Donau werden seit Jahren Wagners Opern auf hohem musikalischen Niveau unter Adam Fischer halbszenisch aufgeführt. Auch die Opern Richard Stauss’ haben in den letzten Jahren dort eine Heimstätte gefunden (Capriccio 2013, Die Schweigsame Frau 2014).

Heuer stellte man in zwei Aufführungen (1. und 3.10.) ausgesprochene Raritäten auf die Bühne. Der nicht ganz abendfüllende Friedenstag wurde mit Daphne, wie bei deren Dresdner Uraufführung 1938, gekoppelt. Damals allerdings in der mir sinnvoller erscheinenden Reihenfolge: zuerst die lyrische Daphne, dann der dramatische Friedenstag.

Auf dem Podium links eine überdimensionale Trommel, rechts eine breite, hohe Treppe.

Nach mehrmonatiger Belagerung und Hungersnot tummelt sich auf der Bühne eine wohlgenährte, gutgelaunte, ballspielende Menschenschar in blütenweißer Sportbekleidung. Soldaten (waffenlos) und Zivilisten sind optisch nicht zu unterscheiden. Die Aktionen auf der Bühne stehen in keinem Zusammenhang mit der Handlung des Stückes. Es scheint, der Regisseur habe das Textbuch nicht gelesen, obwohl für die Übertitel eine brandneue ungarische Übersetzung verfaßt wurde.

Störend das momentane Regie-Grundübel, daß dauernd Personen auf der Bühne stehen, die in der entsprechenden Szene nichts, aber auch gar nichts verloren haben. Besonders störend im dramatischen, aber dennoch intimen Zwiegespräch zwischen dem Kommandanten und seiner Frau. Wenn der Kommandant den Bürgermeister namentlich anspricht ist just der nicht auf der Bühne. Für den kaiserlichen Brief bedankt sich der Kommandant beim Schützen, der Überbringer (Piemonteser) ist nicht mehr auf der Bühne. Während der Kommandant die Kapitulation untersagt hissen die Soldaten eine weiße Fahne. Den Namen des Regisseurs verschweige ich Ihnen, er bedarf keiner Erwähnung (ganz Neugierige können unter www.mupa.hu nachschauen). Eine konzertante Aufführung wäre sinnvoller gewesen.

Michael Kupfer-Radecky, der mich heuer bereits in Erl als sehr guter Sachs überzeugt hat, war ein stimmstarker, überzeugender Kommandant, hätte aber in einer anderen szenischen Umgebung wohl noch eindrucksvoller gewirkt. Ihm am nächsten kam der junge ungarische Bassist Krisztian Cser als sein Kontrahent Holsteiner. Eine Stimme, die zu schönsten Hoffnungen Anlaß gibt. Die Rolle der Marie ist ziemlich hoch und ziemlich dramatisch. Die Stimme von Christiane Kohl wurde, sobald es ein bißchen höher und ein bißchen dramatischer wurde, schrill und unschön. Eine Fehlbesetzung Die zahlreichen kleinen Partien waren anständig besetzt.

Die Ungarische Nationalphilharmonie (Nemzeti Filharmonikusok) unter der Leitung ihres Chefdirigenten Zoltan Kocsis spielte korrekt und sauber. Die satten Klangfarben und die mitreißende Dynamik, die ich an der Strauss’schen Musik so liebe, hörte man allerdings an diesem Abend nicht. Das Glockengeläute geriet ausgesprochen mickrig. Tadellos der Chor (Nemzeti Énekkar) unter der Leitung von Matyas Antal.

Der Daphne-Inszenierung nach der Pause verdanken wir die Information, daß bereits die antiken Griechen auf Alphörnern bliesen. Sonst trug sie zum Verständnis des Stückes wenig bei. Und bei der Verwandlungsmusik am Schluß sollte man ohnehin besser die Augen schließen und an die wundervolle Statue von Bernini denken.

Musikalisch gelang die Aufführung der Daphne deutlich stimmiger. Polina Pasztircsák überzeugte als berührende, stimmschöne Daphne, Krisztian Cser war auch ein erstklassiger Penaios. Als Leukippos erlebte man Istvan Horvath. Ric Furmann war ein optisch brauchbarer Apoll, aber leider stimmlich Ton für Ton kein Gott. Zugegeben: sauschwer zu singen.

Ich weiß, der Vergleich mit Verstorbenen ist unstatthaft. Aber wer hören will, wie ein Gott klingen kann, der höre sich Torsten Ralf, den Apoll der Uraufführung an. Und die Staatskapelle Dresden unter Karl Böhm spielt dazu den dynamischen, üppigen Klangteppich, den ich gestern vermißt habe. https://www.youtube.com/watch?v=_DM5ttFruWA

Friedenstag und Daphne (beide nach Textvorlagen des großen Wiener Theaterwissenschaftlers Joseph Gregor) gehören zu den „Stiefkindern“ des Opernrepertoires. Nur selten finden sie den Weg auf die Opernbühne. Teils liegt es sicher an der etwas mühsamen Handlung und Sprache der Libretti, die Richard Strauss nicht bestmöglich motiviert hat. Andererseits erfordern sie, um die volle Wirkung zu erzielen, eine musikalisch und szenisch schwer zu erzielende SEHR gute Umsetzung in allen Details. Diese Glücksfälle sind selten.

Den Veranstaltern gebührt Dank, daß sie die undankbare Aufgabe übernommen haben, die Werke aufzuführen. Die Aufführungen haben aber nur zu deutlich gezeigt, warum die Werke sich nicht im Standard-Repertoire halten konnten. Schade, denn sie enthalten wunderschöne Momente.

Andreas Schnabl

 

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