Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BROADWAY THERAPY

18.08.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover Broadwy Therapy~1

Ab 21. August 2015 in den österreichischen Kinos
BROADWAY THERAPY
She’s Funny That Way  /  USA  /  2014
Drehbuch und Regie: Peter Bogdanovich  
Mit: Imogen Poots, Owen Wilson, Jennifer Aniston, Rhys Ifans u.a.

Kinobesucher, die noch aus anderen Filmzeiten kommen und Woody-Allen-Fans, ja, sagen wir gleich: Fans von Peter Bogdanovich geblieben sind, können endlich wieder einmal schrankenlos glücklich sein. Nur dass es sehr, sehr, sehr lange nichts gegeben hat, was man als „Bogdanovich“-Film bezeichnen konnte. Der Regisseur, Jahrgang 1939, hatte einen einfach brillanten Start in den siebziger Jahren mit Komödien, die klassisches und bestes Hollywood sind (The Last Picture Show, Is’ was, Doc?, Paper Moon, Nickelodeon), dann wurde er ein bisschen weniger gut und interessant, und im Laufe der Zeit ist er gewissermaßen verstummt. Man wüsste kaum zu sagen, wann man zuletzt einen Film von ihm gesehen hat.

Und jetzt ist er wieder da, wie es schöner nicht sein könnte, wunderbares, altmodisches Screwball (wie es ja auch Woody Allen zuletzt mit „Magic in the Moonlight“ gelungen ist), auch noch in jener Atmosphäre, wo sich diese Künstler am wohlsten fühlen – wenn’s nicht Hollywood selbst und das Kino ist, dann ist es eben der Broadway und das Theater.

Dass nichts, was hier passiert, realistisch gemeint ist, wird vorausgesetzt, dass hier die hohe Kunst der Komödie an einer total verwickelten Handlung geradezu demonstriert wird, ist geradezu der Genuß des Geschehens, und wie es gespielt wird – ja, das bietet dann das Tüpfelchen auf dem „i“.

Dramaturgisch ist die Sache einfach: Da sitzt Isabella Patterson (die nicht immer so geheißen hat), in einer Bar, um einer hochmütigen Journalistin, die ihre Geringschätzung nicht verbergen kann (Illeana Douglas), ein Interview zu geben. Und sie erzählt mit einer Frische und Unverstelltheit, die vermuten lässt, dass sie noch nicht lange im Geschäft ist, eine völlig unglaubwürdige Geschichte…

Dass sie einst Call Girl war, glaubt man ihr leicht, mit einem alten Richter auf den Fersen, der völlig besessen von ihr ist, und einem sympathischen Freier, der einen Tick hat: Er gibt leichten Mädchen sehr viel Geld, damit sie den Absprung in ein Leben schaffen können, wie sie es sich vorstellen. Izzy, wie die junge Dame damals noch heißt, will unbedingt Schauspielerin werden, spricht am Broadway vor – und der Regisseur ist ausgerechnet ihr Big Spender, der natürlich Todesangst hat, dass seine Frau, Hauptdarstellerin im Stück, etwas erfährt. Aber Izzy ist so gut, dass die Crew sie gegen seinen Protest durchsetzt…

Wenn dann noch ein Bühnenpartner dazukommt, der allen Frauen den Hof macht, eine hysterische Psychiaterin, ein junger Dichter, ein alter Detektiv… da muss man die einzelnen Teile des Puzzles schon so virtuos herumwirbeln, wie Bogdanovich es tut, dass jede Drehung und Wendung der Handlung (immer wieder in Rückblenden erzählt, während das Interview die Rahmenhandlung bleibt) zur garantierten Pointe wird.

Zentrum des Films ist die Britin Imogen Poots, ein ganz heutiger Typ, die dennoch mühelos den Typ eines „bezaubernden“ Callgirls, ganz ohne Zynismus und Schnoddrigkeit, glaubhaft macht. Owen Wilson ist der Gutmenschen-Regisseur in Nöten, metaphorisch geprügelt von seiner Gattin (Kathryn Hahn), schwer unter Druck gesetzt von Rhys Ifans, dem urkomischen Typen eines Frauenhelden. Will Forte als junger Dichter und George Morfogen als sein alter Detektivpapa, der Izzy im Auftrag des besessenen alten Judge Pendergast (ein Meisterstück an exzessiver Komik: Austin Pendleton) folgt – sie alle bekommen noch als Krönung Jennifer Aniston als bösartige, hysterische, unhöfliche, egozentrische Psychiaterin, der man nicht im Dunkeln begegnen will. Grüße aus vergangenen Zeiten: Cybill Shepherd (einst Bogdanovich’ Titelheldin in der Henry James-Verfilmung „Daisy Miller“) und Tatum O’Neal (einst Kinderstar in „Paper Moon“) winken in Mini-Rollen aus der Vergangenheit herüber.

Die war sehr schön. Glücklicherweise ist es die Gegenwart in diesem Film auch. Und dass nicht nur die „Ehemaligen“ von Bogdanovich für ihn vor die Kamera gehen, sondern auch Kollegen von heute, zeigt die Schlusspointe: Der Mann, den sich Izzy nach allen Seelenmiseren der komischen Handlung dann geangelt hat, ist offenbar Quentin Tarantino… Da kann die Journalistin nur verblüfft gucken. Das gönnt man der boshaften Person.

Renate Wagner 

 

Diese Seite drucken