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Brigitte Sinhuber: NESTROY FÜR ANFÄNGER

29.07.2018 | buch

Brigitte Sinhuber (Hg.):
„Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang“
NESTROY FÜR ANFÄNGER
136 Seiten, Amalthea Verlag, 2018

Gibt es überhaupt „Nestroy-Anfänger“ in Österreich, zumal in Wien? Und wird er wirklich so schlecht gespielt, wie Andreas Vitasek in seinem Vorwort meint? Immerhin hat er ein starkes Lieblingszitat: „Ich hab’ einmal einen alten Isabellenschimmel an ein’ Ziegelwagen g’sehen, seitdem bring’ ich die Zukunft gar nicht mehr aus ’n Sinn“. Das „Sic transit gloria mundi“ auf Nestroy’isch.

Dass er nur nebenbei ein Spaßmacher war, hauptsächlich ein Psychologe der menschlichen Seele, ein Soziologe der Gesellschaft (wie sie bis heute funktioniert) und ein Philosoph sowieso, das weiß jeder, der ihn näher kennt.

„Blüten“ aus seinem Werk sind schon oft zusammen gestellt worden, aber auch diese Sammlung, die Brigitte Sinhuber, die ehemalige Amalthea-Chefin verantwortet, ist es wert, gelesen, bedacht und wohl auch verschenkt zu werden. Sie beginnt mit dem „Komentenlied“ aus dem „Lumpazi“, denn das immer wieder zitierte, zutiefst nihilistische „Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang“ stammt aus dem Mund es Branntwein-Philosophen Knieriem und ist zu Recht berühmt.

Im übrigen hat die Herausgeberin Nestroy-Sprüche (konzentrierteste, sprachlich geschliffene Erkenntnisse) nach dem Alphabet zusammen gestellt, dem Alphabet der Themen – vom „Alter“ bis zur „Zukunft“. Und nun kann man schmökernd in das Buch hineinhechten, auch chronologisch: Da liest man zu Armut und Bescheidenheit, über das Dichten und die Dummheit, die Ehe – besonders viele Einträge – oder die Enttäuschung, über Frauen und Freunde, Glück und das Heiraten – auch sehr ausführlich -, Lügen und Männer, Politik und Schicksal und vieles mehr.

Oder man schlägt das Büchlein willkürlich auf und liest den Zufallsfund wie ein chinesisches Glücks-Cookie: Irgendeine Erkenntnis wird man schon mitnehmen.

Renate Wagner

 

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