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BREMERHAVEN: VIOLANTA von Erich Wolfgang Korngold

25.06.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Sehenswerte Opernrarität in Bremerhaven: „Violanta“ von Erich Wolfgang Korngold (Vorstellung: 24. 6. 2012)


Kirsten Blanck als Violanta und im Hintergrund Hans-Georg Priese als Alfonso (Foto: Rillke und Sandelmann)

Um das Jugendwerk des österreichischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold zu sehen, mussten die Opernliebhaber zwei Mal nach Norddeutschland reisen. Nach dem Ring des Polykrates im Theater Lübeck zeigte nun auch das Stadttheater Bremerhaven mit „Violanta“ ein Frühwerk von Korngold. Den Operneinakter schrieb der schon in jungen Jahren als das größte Wunderkind seiner Zeit geltende Komponist mit 17 Jahren. Die Uraufführung fand im März 1916 unter Bruno Walter in München statt (gemeinsam mit seinem Erstlingswerk Der Ring des Polykrates).

Die Handlung der Oper, deren Libretto Hans Müller verfasste und die in Venedig im 16. Jahrhundert spielt, in Kurzfassung: Violanta Trovai will den Tod ihrer Schwester Nerina rächen, die sich ins Meer gestürzt hat, nachdem sie als Novizin von Alfonso, Prinz von Neapel, verführt und wieder verlassen wurde. Violanta lädt Alfonso ein und überredet zuvor ihren Gatten Simone, Alfonso auf ein Zeichen von ihr, dem bekannten Karnevalslied, zu töten. Alfonso ist von Violantas Schönheit überwältigt – und als sie Alfonso gesteht, ihn seit dem Augenblick zu lieben, als sie ihn zum ersten Mal sah, geben sie sich ekstatisch ihren Gefühlen hin. Erst Simones Rufe unterbrechen ihren Liebesrausch. Violanta erkennt, dass ihr Traum zu Ende ist und singt das Karnevalslied. Simone stürmt herein, um Alfonso zu töten, doch Violanta wirft sich dazwischen und wird tödlich verwundet. Das Karnevalstreiben geht weiter.

Petra Luisa Meyer lässt in ihrer Inszenierung Violantas verstorbene Schwester von Beginn der Ouvertüre an im Brautkleid auftreten, wodurch zur realen noch eine irreale Welt entstand, was eines gewissen Reizes nicht entbehrte. Es war, als würden in den verschiedenen Szenen Violantas Gedanken und Handlungen von der Verstorbenen beeinflusst. Für die gelungene Ausstattung (mit vielen Glitzerfäden und bunten Kostümen), die das Karnevalstreiben in Venedig recht gut widerspiegelte, sorgten Okarina Peter und Timo Dentler.

In der Titelrolle bot die Koloratursopranistin Kirsten Blanck eine überzeugende Leistung, obwohl sie sich vor der Vorstellung als indisponiert ansagen ließ. Es gelang ihr dennoch, sowohl die Hass- wie auch die Liebesgefühle stimmlich eindrucksvoll wiederzugeben und alle hochdramatischen Sequenzen ihrer Partie zu bewältigen. Ihren Ehegatten Simone Trovai gab der koreanische Sänger Sangmin Lee, der von seinem Habitus her ein imposanter Hauptmann von Venedig war und die Zerrissenheit seiner Gefühle mit seiner geschmeidigen Baritonstimme auszudrücken verstand. Der Tenor Hans-Georg Priese war ein ausnehmend fescher Alfonso, der sehr glaubhaft einen Frauenverführer darstellte und dazu die extrem schwierige Partie mit seiner kraftvollen, metallisch klingenden Stimme wunderbar meisterte. Violantas verstorbene Schwester Nerina wurde von Iris Wemme gespielt.

Einen großen Anteil am musikalischen Erfolg dieser Produktion hatte das stark besetzte Städtische Orchester Bremerhaven, das unter der Leitung von Stephan Tetzlaff die expressive Partitur des Komponisten in allen Facetten ihrer Klangfarben wiedergab. Das begeisterte Publikum im leider nur etwa zu einem Drittel besetzten Haus applaudierte am Schluss der Vorstellung minutenlang, wobei sich auch einige Bravorufe für die drei Hauptdarsteller mischten.

 Udo Pacolt, Wien – München

PS: Ein Tipp für Liebhaber von Korngold-Opern: „Der Ring des Polykrates“ und „Violanta“ werden im Theater Augsburg an einem Abend ab 31. Mai 2013 gezeigt.

 

 

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